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Erinnerungen an den Hornauer Haus- und Hof-Maler

Vor wenigen Monaten ist Hubert Stabel gestorben - er hinterlässt unzählige Bilder der Stadt, die der Verein „Bürger für Hornau“ nur wie einen Schatz hütet.
Hubert Stabel † Hubert Stabel †
Hornau. 

Wo genau dieser Bauernhof steht, weiß Dieter Trippe nicht. Das könnte auf jeden Fall in Hornau sein, sagt er. Hubert Stabel hat nahezu jedes Detail in dieser Zeichnung festgehalten. „Ich habe immer gesagt, der hat so pingelig gemalt“, sagt seine Frau Ursula. „Auf diesen Bildern können Sie spazieren gehen“, findet Trippe, der Vorsitzender der „Bürger für Hornau“ ist. Der aktive Verein hat jetzt mit einer kleinen Bilderschau bei seiner Jahreshauptversammlung (siehe „Info“ rechts) an den Ende 2012 im Alter von 77 Jahren verstorbenen Ortsmaler Hubert Stabel erinnert.

Beim Besuch im schmucken Anwesen der Stabels holt seine Witwe einen Ordner mit Zeichnungen und Bildern hervor. Schon die ersten Motive zeigen, was dem gelernten Grafiker und Lithografen - einer der ersten seiner Zunft - immer wichtig war: Er bildete seine Heimat ab. Vom Kloster über das Rathaus bis zur Alten Kapelle in Hornau - unzählige Werke hat er angefertigt, nachdem er die Gebäude und Szenen vorher fotografiert hat.

Gleich im Flur wird der Besucher von zwei älteren Herren - einer mit Rauschebart und Pfeife, der andere beim Holzschnitzen - empfangen. Es waren mit die ersten Bilder von Hubert Stabel, der in einem Dorf bei Kaiserslautern aufwuchs, 1957 aber beruflich nach Düsseldorf ging. Dort lernte er seine Frau kennen - bei der Fassenacht, der beide stets treu geblieben sind. Ursula „Uschi“ Stabel steigt bei der Hornauer Frauengemeinschaft der Pfarrgemeinde schon mal in die Bütt, ihr Mann hatte das Bühnenbild gestaltet.

In Kelkheim wurden die Stabels 1967 sesshaft, richteten sich das „verstaubte“ Anwesen einer alten Hornauer Familie wieder her. Auch hier zeigte Hubert Stabel in vielen Arbeitsstunden seine Fingerfertigkeit. Im Garten hängt in „Stabels Rosenlaube“ ebenfalls ein Bild des Haus- und Hof-Malers: Es zeigt überzeichnete Figuren in einer Ebbelwei-Kneipe im Ort, durch die Fenster sind die Kirche und die Kapelle zu sehen. Das Treppenhaus ziert der Rettershof, im Wohnzimmer hängt die Ansicht der pfälzischen Heimat.

Das Erbe dieser Persönlichkeit „darf nicht verloren gehen“, betont der Vereinschef. Deshalb ist er froh, dass ihm Stabel zu Lebzeiten unzählige Bilder auf einer CD übergeben hat  - „fürs Archiv und für unsere Nachkommen“. Geschäfte, etwa mit Postkarten, mache der Verein sicher nicht, betont Trippe. Doch eine kleine Ausstellung sei vielleicht mal denkbar, wenn auch die Familie das möchte.

Stabels Söhne sind ebenfalls kreativ: Thorsten und Holger spielen Orgel - früher oft bei Veranstaltungen in Hornau. Holger Stabel ist zudem Organist in den Pfarrgemeinden in Liederbach und Münster. Zur Familie zählen drei Enkel. Hubert Stabel selbst hat Akkordeon gespielt und viel im Garten gearbeitet. „Er musste sich immer irgendwie bewegen oder etwas machen“, sagt Ursula Stabel, die selbst nie malte. „Das kann ich nicht“, sagt die freundliche Hornauerin.

Ihr Mann dagegen war vielfältig talentiert: Ob mit Stiften, Öl oder Aquarellfarbe - Hubert Stabel ließ kaum eine Technik aus. Seine Motive zieren Bühnenbilder und Festbücher. Für große Werke reichte der Platz im Arbeitszimmer oft nicht aus. „Da hat er im kalten Winter in der Garage gesessen und gemalt“, erinnert sich seine Frau.

Auch Dieter Trippe denkt gerne zurück - etwa an die erste Begegnung mit Hubert Stabel. „Er war ja im Ort bekannt“, sagt der Vorsitzende. Er habe ihn dann einfach auf seine Bilder angesprochen. Prompt gab’s die CD - „die ist unser Vermögen“, sagt Trippe und spricht von „alten Meistern fürs Archiv“.

Wie viele Werke der Hornauer Ortsmaler angefertigt hat? Ursula Stabel und Dieter Trippe können nur schätzen. Über 200 werden es bestimmt gewesen sein. Verkauft hat er davon kein einziges, das war ihm bei seinem Hobby vollkommen unwichtig. Die meisten wurden verschenkt und hängen jetzt nicht nur in den Wohnzimmern der Familie . . .

(Frank Weiner)
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