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Ermittlungen gegen Speckhardt

2010 wollte der damalige Eschborner Rathauschef für sich und die Stadt eine bessere Außendarstellung erreichen und engagierte für viel Geld einen Kommunikationsberater. Nun ist die Staatsanwaltschaft am Ball.
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Eschborn. 

Die Stadt Eschborn kommt nicht zur Ruhe. Am laufenden Band sind Polizei und Justiz damit beschäftigt, angebliche Gesetzesverstöße zu beleuchten. Kürzlich wurden zwar einige Verfahren eingestellt, wie wir exklusiv berichteten. Doch immer wieder tauchen neue Vorwürfe auf. In einem Fall geht es um den heutigen Bürgermeister Mathias Geiger (FDP). Das Boulevardblatt „Bild“ titelte am Dienstag: „Hat der Bürgermeister Mitarbeiter bespitzelt?“ (siehe rechts).

Doch auch Ex-Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) rückt wieder ins Rampenlicht. Die Spuren führen in seine zweiten Amtszeit. Speckhardt wollte seine Außendarstellung und das Image der Stadt Eschborn aufmöbeln, indem er 2010 einen Kommunikationsberater anheuerte. Die Wahl fiel auf den Frankfurter PR-Fachmann Jürg W. Leipziger.

Klage gegen die Stadt

Die Leistungen, die Leipziger seit 2010 für den damaligen Bürgermeister und die Stadt Eschborn erbrachte, sollen sich auf weit mehr als eine halbe Million Euro belaufen. Die Frage, die sich Speckhardt-Nachfolger Mathias Geiger schon im April dieses Jahres stellte, lautet: Hat Leipziger überhaupt wirksam und nachweislich eine Leistung für Eschborn erbracht? „Mir ist da nichts in Erinnerung“, sagte Mathias Geiger im April 2014 und feuerte den PR-Berater.

Der Rathauschef und Speckhardt-Intimfeind, der zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Monate im Amt war, ordnete eine Untersuchung an. Nach Informationen unserer Zeitung wurden Amtsleiter und andere Mitarbeiter befragt, ob und in welchem Umfang Leipziger für sie tätig war. Wie aus dem Rathaus zu hören ist, seien so gut wie keine Unterlagen vorhanden, die Leipzigers Arbeit belegen. Auch die Befragten hätten keinerlei Hinweise dafür geliefert, dass Leipziger sie beraten oder mit nützlichen Informationen versorgt hat. Geiger sagte auf Anfrage, es sei „nichts aufzufinden“. Über eine Anwältin reichte die Stadt Eschborn die Ergebnisse der rathausinternen Untersuchung an die Frankfurter Staatsanwaltschaft weiter, die nach Erkenntnissen unserer Zeitung dem Vorwurf der Untreue nachgeht. Sie könne „derzeit keine Auskunft erteilen“, teilt die Anklagebehörde mit.

Speckhardt sprach gestern von „einem laufenden Verfahren“. Er sehe den Sachverhalt aber „ganz anders“ als von Geiger dargestellt. Leipziger habe seine Arbeit ordnungsgemäß erledigt und abgerechnet. Speckhardt: „Die Unterlagen darüber waren im Rathaus vorhanden – ordnerweise Kram und Informationen“, wie er anfügte. Komischerweise seien sie nicht mehr auffindbar. Speckhardt spekulierte nicht darüber, wo die Arbeitsnachweise und Konzepte Leipzigers abgeblieben sind. Wie geht es weiter? „Das werden wir aufklären.“

Leipziger rief am späten Abend aus seinem Urlaubsort an und sagte unserer Zeitung, er habe seine Aufgaben für Eschborn „vertragsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen erledigt“. Die Mutmaßung Geigers, er, Leipziger, habe schlecht gearbeitet und keine Arbeitsnachweise erbracht, sei erlogen. Er habe sogar mehrfach angeboten, den Vertrag zu erfüllen. Darauf sei Geiger nicht eingegangen.

Nach Angaben aus dem Eschborner Rathaus fordert Leipziger für die zweite Hälfte 2014 eine Zahlung von 70 000 Euro. Leipziger sagte, dass er wegen der ausstehenden Zahlung gegen die Stadt geklagt habe. Es gilt als wahrscheinlich, dass ein Gericht entscheide, ob der PR-Berater das Geld erhalten wird. Der Vertrag mit Leipziger hätte im Herbst 2013 zum 1. Januar 2014 gekündigt werden müssen, was nicht geschah. Damals war Speckhardt noch im Amt.

(ask)
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