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Ländcheshalle Hofheim: Es liegt am lieben Geld

Von Es waren rein sachliche Gründe, die den Main-Taunus-Kreis bewogen haben, aus der Planung der neuen Ländcheshalle auszusteigen: Für den MTK-Haushalt kommt die Sanierung der alten Taunusblickhalle deutlich günstiger, sagt Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier. In der Stadtverordnetenversammlung wurden derweil die Weichen für die abgespeckte Dreifeld-Halle für den Stadtteil gestellt. Es gab aber auch reichlich Zwietracht im Gremium.
Das Schild, das seinerzeit Wallauer Scherzbolde aufgestellt hatten, ist bald überholt. Doch es war ein langer Weg bis zur neuen Ländcheshalle. Das Schild, das seinerzeit Wallauer Scherzbolde aufgestellt hatten, ist bald überholt. Doch es war ein langer Weg bis zur neuen Ländcheshalle.
Hofheim. 

Was wurde doch hin- und her gegiftet, als es am Mittwochabend in der Stadtverordnetenversammlung zum Tagesordnungspunkt des Neubaus einer Dreifeldhalle auf dem Gelände der Taunusblickschule kam. „Eine unendliche Pannengeschichte“ sei das gewesen, schimpfte der Grüne Daniel Philipp. „Im Klartext: Der Magistrat hat komplett versagt.“ Und damit der Stadt und dem TV Wallau „großen Schaden zugefügt“. Er rechnete vor, dass die Stadt Hofheim durch den höheren Kostenanteil an der neuen Halle sowie dem städtischen Pflichtteil bei der Sanierung der Taunusblickhalle „über eine halbe Million zusätzlich schultern muss“.

Und der Linke Bernd Hausmann mutmaßte gar, dass nach dem Studium des MTK-Haushaltsplans den Hofheimer Stadtoberen ohnehin hätte klar sein müssen, dass der Kreis ausschert, weil dort die Sanierung der alten Halle nachzulesen ist. Sichtlich sauer konterte Bürgermeisterin Gisela Stang. In Richtung Philipp sagte sie, dass der Grüne ja sicherlich „hinter verschlossenen Türen für die Halle gekämpft“ hätte, der Öko-Politiker sitze schließlich im Kreisausschuss. Und Hausmann könne schließlich nicht wissen, was in der Zwischenzeit in den Gesprächen alles gelaufen sei. Punkt.

 

5,3 Millionen Euro

 

Doch wir blicken jetzt mal nach vorn. Klar, ein paar wünschenswerte Details gehen in den abgespeckten Planungen über die Wupper. Wie berichtet, wird die Multifunktionshalle wegfallen, die Umkleiden für den Sportplatz werden nicht in den Neubau integriert, am Foyer, der Technik und am Lager gespart, gleiches gilt für die Außenanlagen. Dadurch wird die ganze Sache zwar knapp 1,8 Millionen billiger, aber 5,3 Millionen Euro sind noch von Stadt und Verein zu berappen – wobei allerdings der Beitrag des Turnvereins noch nicht feststeht. Gebaut wird auf dem Gelände des Main-Taunus-Kreises, das Areal der bisherigen Ländcheshalle kann dann von der Stadt vermarktet werden. Das spült immerhin Geld in die Stadtkasse.

Plötzlich waren 4,6 Millionen Euro weg

Das ist keine gute Nachricht für die Hofheimer Finanzen. Da ist die Stadtkasse schon ordentlich klamm, jetzt gab es im zweiten Quartal 2015 einen ordentlichen Einbruch bei der Gewerbesteuer.

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Keine Rückkehr

 

Eine realistische Alternative gibt es nicht mehr, Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier hat im Gespräch mit dem Kreisblatt eine Rückkehr des Kreises in das Projekt ausgeschlossen. Deshalb mahnte auch Christian Vogt (CDU) zur Eile: „Wir brauchen eine schnelle Lösung“, sagte er. Wenn er nach dem Training mit den Wallauer AH-Handballern im Umkleideraum zusammensitze, glauben die ihm längst nicht mehr, dass es weitergeht.

Gisela Stang trauerte der geplanten großen Variante weiter nach. „Eine richtige gute Lösung“ wäre es gewesen. Synergie-Effekte hätte es gegeben, die Multifunktionshalle sei eine gute Möglichkeit für die angestrebte Ganztagsschule gewesen. Und was sie vor allem nicht begreift: Der Kreis hätte bis zum Schluss mit am Tisch gesessen, und „es gab immer eine Exit-Möglichkeit“.

Kollmeier hat dabei eine ganz andere Sichtweise, warum die angestrebte Zusammenarbeit dann doch nicht klappte. Es seien „rein sachliche, keine menschlichen Probleme“ gewesen, sagte der Christdemokrat. Für den Kreis stellte sich die Frage: „Was kaufen wir uns da ein, können wir uns das leisten?“ Denn der Kreis habe noch weit mehr zu stemmen, und Kollmeier verweist dabei unter anderem auf die gestiegenen Asylkosten. „Das muss man alles mitbedenken“, so Kollmeier. Deshalb gab es für den Kreis die einfache Rechnung: Für die neue Dreifeld-Halle plus kleiner Multifunktionshalle hätte der Kreis etwa 2 Millionen zubuttern müssen, die Sanierung der alten Schulturnhalle ist für 650 000 bis 700 000 Euro zu haben. „Das können wir vertreten“, sagte der Kreisbeigeordnete. Und so hätte die Schule für die nächsten Jahre Ruhe. Und die Ideallösung hätte es auch in der Endphase der Gespräche mit der Stadt nicht gegeben. Und außerdem hätte man nach den vielen Jahren der Diskussionen sehen müssen, dass man „zu einem Ende kommt“. Auch sei die Rathaus-Spitze informiert gewesen, bevor der Kreis damit an die Öffentlichkeit ging.

„Wir brauchen eigentlich nur eine Halle mit vier Wänden“, so Kollmeier. Und schließlich müssten alle Städte und Gemeinden gleich behandelt werden. Der Kreis wäre der Stadt „über die Maßen entgegengekommen“. Kollmeier: „Das machen wir an keiner anderen Stelle.“ Sein Eindruck: Die Schule und der Verein seien jetzt „alle erleichtert“.

Einer ist es jedoch nicht: „Es stehen mir die Haare zu Berge“, sagte Erster Stadtrat Wolfgang Exner, „wenn ich mit meiner Enkelin zur Einschulung in den alten Schuppen gehe.“

Ach ja, zur Abstimmung: Alle stimmten für die Vorlage, nur die Grünen enthielten sich. Die Fraktion, so Philipp, will zwar die Halle, könne aber die Planung nicht mittragen.

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