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Documenta-Künstler Werner Schreib: „Explosive“ Kunst im Rathaus

Er war Avantgardist und schuf mit einer ausgefeilten Technik sogenannte Brand- und Explosivbilder: Werner Schreib war einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Künstler, bevor er 1969 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Nun widmet ihm Liederbach eine Ausstellung.
Ausstellungseröffnung Werner Schreib im Ra Foto: Knapp Ausstellungseröffnung Werner Schreib im Ra
Liederbach. 

Einmal im Jahr präsentieren die Liederbacher Künstler ihre Ausstellung „Heimspiel“ im Rathaus. Natürlich haben die kreativen Köpfe aus dem Ort ihre kleine, feine Fangemeinde. Doch sie dürften jetzt schon ein wenig neidisch auf die Eröffnung einer anderen Ausstellung im Rathaus geschaut haben: Da waren die Reihen dicht gedrängt, durch alle Etagen spazierten schon Besucher noch vor der offiziellen Eröffnung der Schau „Wiedersehen und Wiederentdeckung“ mit Werken von Werner Schreib (1925 - 1969). Doch die Menge wartete noch auf einen Ehrengast: Boris Rhein, hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, hat sich angekündigt.

Charmante Verwechslung

Als der Gast aus Wiesbaden die ersten Stufen der Treppe nahm, wurde er gleich mal von Rufus abgefangen. Der Neunjährige vermutete in Rhein den Kultusminister und schlug ihm gleich mal die Abschaffung der Hausaufgaben vor. Der etwas verdutzte Politiker verwies an seinen Kollegen Lorz, wolle ihm aber das Anliegen weiterreichen. Und dann konnte er sich um seine eigentliche Aufgabe kümmern: die Eröffnung der vielbeachteten Schreib-Ausstellung. „Er ist ein Documenta-Künstler. Das ist das Höchste, was ein zeitgenössischer Künstler erreichen kann“, ordnete Rhein die Werke ein. Schreib wuchs zwar in Berlin auf, mit seinem Wirken in Wiesbaden und Frankfurt sei er aber „ein waschechter Hesse geworden“. Und das Land sei „stolz, uns ihn als Hessen vereinnahmen zu können“. Ein Lob gab’s auch für die Gemeinde, die ihr Rathaus für diese bedeutende Kunst öffne. Denn in Museen gebe es doch oft Schwellenängste für Besucher.

Bürgermeisterin Eva Söllner hat’s, passenderweise am 48. Todestag von Schreib, der bei einem Unfall ums Leben kam, gerne gehört. Und sie hat auch gerne den Liederbacher Künstler Rolf Anthes vor einiger Zeit empfangen, als der seine Idee der Schreib-Ausstellung präsentierte. Anthes ist selbst Sammler, hat aber auch engen Kontakt zur Witwe des Allround-Künstlers, der Brand- und Explosivbilder, Cachetagen sowie Collagen schuf. Und so sind rund 100 Bilder bis zum 26. Oktober an den Rathauswänden zu sehen – und zwar während der Öfffnungszeiten der Verwaltung, die täglich in unserer Rubrik „Termine“ zu finden sind. Fachmann Anthes bietet aber auch Führungen an, Interessierte können ihn unter (0 69) 30 37 76 anrufen.

Maler und Dichter

Zwei besondere Ehrengäste haben sich bei der Vernissage schon ein Bild von der Vielfalt des ungewöhnlichen Künstlers gemacht. Einer ist Professor Bernhard Jäger, der den Künstler bei Drucken und Brandbildern unterstützte. „Er war ein sehr lebendiger und wacher Mann, der auf alles reagiert hat, auch auf die Politik“, sagte er über den Querdenker.

Mit ihm Seite an Seite lebte seine Witwe Ingeborg Schreib-Wywiorski, die von Hamburg nach Liederbach gekommen ist. So eine Ausstellung „gab es lange nicht“, lobte sie. Rolf Anthes, der tagelang aufbaute, habe sie „Gott sei dank initiiert und fabelhaft arrangiert“.

Sogar eine große Fahne weht im Treppenhaus des Rathauses und zeigt die unbekannte Seite von Werner Schreib: die des Dichters. Und darauf geht Norbert Wolf, Leiter eines Literaturtreffs in Liederbach, mit seinen eigenen Schreib-Versen ein: „Werner Schreib spricht: ,Ich stets mal’! Doch allein das ist zu schal: Halb erfüllt’s nur Seel’ und Leib. Und so kommt’s, dass ich schreib’!“

(wein)
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