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Fast wie Weihnachten

Von Hessens Europaministerin Lucia Puttrich war ebenso mit von der Partie wie unzählige Verwandte, die aus allen Teilen Deutschlands angereist kamen, um beim „großen Tag“ dabei zu sein, der früher noch einige Nummern bescheidener begangen wurde.
Europaministerin Lucia Puttrich begrüßte die Abc-Schützen mit einer kindgerechten kleinen Rede auf dem Schulhof der Comenius-Schule. Dort wurde die Einschulung gefeiert, weil die Halle noch nicht nutzbar ist. Die Freiwillige Feuerwehr stellte sogar ein Zelt zur Verfügung . 	 Foto: Hans Nietner Europaministerin Lucia Puttrich begrüßte die Abc-Schützen mit einer kindgerechten kleinen Rede auf dem Schulhof der Comenius-Schule. Dort wurde die Einschulung gefeiert, weil die Halle noch nicht nutzbar ist. Die Freiwillige Feuerwehr stellte sogar ein Zelt zur Verfügung . Foto: Hans Nietner
Bremthal. 

Erster Schultag – was das im Jahr 2014 bedeutet, dafür gab’s gestern reichlich Anschauungsunterricht an der Bremthaler Comeniusschule. „Heute ist ja ein echt besonderer Tag“, stellte denn auch Schulleiterin Gabriele zur Bonsen gleich zu Anfang fest. Und ihr entfuhr dazu noch ein „Wow!“ angesichts der Menschenmenge, die sich um die 64 Erstklässler geschart hatte und mit Handys und Kameras „im Anschlag“ deutlich gewillt war, das Geschehen festzuhalten.

Hauptpersonen

Dass sich da auch schon mal Papa und Mama mit der Schultüte des Nachwuchses im Arm fotografieren ließen, gehörte zu den kleinen Kuriositäten am Rande, die nicht davon ablenken konnten, wer hier im Mittelpunkt stand: „Ihr seid die Hauptpersonen“, machte die Schulleiterin den Schulanfängern deutlich, was diese ja ohnehin schon rundum vermittelt bekamen. Von den großenteils liebevoll und aufwendig selbstgestalteten Schultüten bis zur vielköpfigen Begleitung auch durch Omas, Opas, Paten und Geschwister reichten die Signale.

„Das war zu unserer Zeit ein wenig anders“, stellte Herbert Daubner-Flöck, Leitender Schulamtsdirektor im Landesschulamt, fest. In Bremthal gab’s in diesem Jahr sogar noch einmal einen oben drauf gesetzt, denn der Einschulungstag wurde zusätzlich durch einen Ministerinnen-Besuch „geadelt“. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte einmal mehr sein gesamtes Kabinett in Schulen ausschwärmen lassen und die Comenius-Schule zählte zu den Beehrten.

Europaministerin Lucia Puttrich war von Wiesbaden angereist und machte eine gute Figur. Und das nicht nur wörtlich in weißem Rock und grüner Jacke, sondern auch im Umgang mit den Kindern. Keine langatmige Politiker-Rede, sondern ein paar lockere Sätze gab sie ihnen mit auf den Weg. „Freude am Lernen“ sei das wichtigste, hörten die Kinder, die Erwachsenen tröstete Puttrich, dass ihre Anspannung, wie sie aus eigener Erfahrung wisse, an so einem Tag ganz normal sei. Und forderte schließlich die „Abc-Schützen“ auf, der Hessischen Landesregierung doch ruhig mal zu schreiben, wenn sie es denn richtig gelernt hätten, und zu schildern, wie sie denn so war, die erste Zeit in der Schule.

Kreisbeigeordneter Johannes Baron, ebenfalls erfahrener Papa, ermutigte die Eltern als Vertreter des Schulträgers, die Kinder durch die Schulzeit zu begleiten und sich für sie einzusetzen. „Das ist eine der wenigen Sachen, die wirklich lohnen, denn alles, was man da investiert, wird einem auch zurückgegeben.“

Investiert hatten die Eltern in jedem Fall schon einiges an Geld vor Schulbeginn. Die neuen, farbenfrohen Ranzen zeigten es deutlich. Sein Bruder sei noch mit einem dunkelbraunen Lederranzen eingeschult worden, erinnerte sich Johannes Baron, er habe dann drei Jahre später, 1971, immer noch einen Lederranzen bekommen, „aber der war schon orange.“ Ministerin Puttrich fiel vor allem ihre Schultüte ein, „die habe ich nach der Einschulung geräubert“. Welche Besonderheit die Süßigkeiten darin 1967 gewesen seien, weiß sie noch gut.

Auch das hat sich verändert. „Geschenke gibt’s heute in Massen“, sagt die eigens aus Wolfsburg angereiste Großmutter von Abc-Schützin Mavie. Dass das Ehepaar Kock den weiten Weg auf sich genommen hat, um beim ersten Schultag der Enkelin dabei zu sein, finden die beiden, sei selbstverständlich. Den Patentanten aus Hamburg geht es nicht anders. Zufrieden sitzen sie nach der witzigen Aufführung des Theaterstücks „Jule und die Riesin“ durch die Viertklässler und der Verteilung der Kinder auf die Klassen im eigens aufgebauten Festzelt der Feuerwehr Vockenhausen, in dem die Eltern der Zweitklässler Kaffee und Kuchen anbieten. „So wie’s hier ist, das gab’s bei uns damals nicht“, sagt der 80-jährige Opa Kock. Aber heute sei eben anderes normal, sind sich alle einig, dass sich die Zeiten nicht vergleichen lassen. Das Ehepaar Lippmann, Großeltern von Erstklässlerin Vicky und extra aus Chemnitz gekommen, ist der gleichen Meinung. „Auf jeden Fall war’s schön gemacht“, lobt Mavies Oma. Und nicht nur sie findet, dass es fast ein Glück war, dass die Einschulung draußen und nicht in der Turnhalle stattfand. „Ein nicht gewollter Zufall“, so Kreisbeigeordneter Johannes Baron, „aber bei dem Wetter fast schöner.“ Weil in den Ferien kaum Handwerker zu kriegen gewesen seien, so Baron, muss die Schule wohl noch bis zu den Herbstferien auf ihre bereits zum zweiten Mal „abgesoffene“ Turnhalle verzichten. Aber das war gestern wirklich nur ein Thema am Rande.

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