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NORAH-Studie: Fluglärm stört Schüler

Von Obwohl die Belastungen bei Ostwetterlage durch den Fluglärm in der Mainstadt enorm groß ist, sind nicht alle Flörsheimer Grundschulen mit Schallschutzfenstern ausgestattet.
Flörsheim leidet besonders unter dem Fluglärm. Foto: dpa Flörsheim leidet besonders unter dem Fluglärm.
Flörsheim. 

„Ich finde es blöd, dass Kinder in der Nähe des Flughafens langsamer lesen lernen“, erklärte ein Flörsheimer Grundschüler den rund 150 Zuhörern in der Stadthalle. Eine Gruppe von Schülern war zu Beginn des Informationsabends ans Mikrofon getreten, um ihre Sicht der Fluglärmbelastungen zu schildern. Die negativen Folgen der Überflüge für schulische Leistungen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, zu dem der Verein „Für Flörsheim“ eingeladen hatte.

Professorin Maria Klatte von der Universität Kaiserslautern stellte ihre Ergebnisse aus dem ersten Teil der sogenannten NORAH-Studie vor. Die Wissenschaftlerin hat einen Zusammenhang zwischen zunehmendem Fluglärm und einer abnehmenden Leseleistung bei Grundschülern identifiziert. Im Ergebnis entsprach eine Erhöhung des Lärms um zehn Dezibel einer Verzögerung beim Lesen lernen um etwa einen Monat. Der Unterschied des Leistungsstandes zwischen den am höchsten und den am niedrigsten belasteten Kindern aus ihrer Studie betrug zwei Monate. Die Professorin stellte auch negative Auswirkungen auf die Lebensqualität fest. Unter den Befragten aus hochbelasteten Gebieten mit einem durchschnittlichen Schallpegel von 55 Dezibel gab es eine größere Zahl von Kindern, bei denen eine Sprachstörung diagnostiziert wurde. Auch die Zahl der ärztlich verordneten Medikamente nahm zu. Maria Klatte legte außerdem Ergebnisse einer Lehrerbefragung vor: 20 von 21 Lehrkräften aus hochbelasteten Grundschulen bewerteten die Störung des Unterrichts durch den Fluglärm als „sehr hoch“. Eine so hohe Übereinstimmung unter den Befragten gebe es selten, betonte die Professorin. Mehr als die Hälfte dieser Lehrer gaben an, dass sie ihren Unterricht oft wegen Lärm unterbrechen und die Schüler häufig abgelenkt seien. Die Störungen des Unterrichts seien deshalb als erheblich zu betrachten. Maria Klatte folgert, dass nicht nur die Leseleistung betrachtet werden müsse, sondern auch die Auswirkung auf andere Schulfächer.

 

Wütende Mütter

 

Die NORAH-Kinderstudie wurde vor den Sommerferien des Jahres 2012 an 29 Schulen im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt. In die Ergebnisse flossen Untersuchungen aus 85 Schulklassen ein. Es wurden insgesamt rund 1240 Kinder im Alter von 8 Jahren befragt. Der Durchschnittslärm an den Schulstandorten betrug 59 Dezibel.

Regine Barth, Fluglärmschutzbeauftragte der Landesregierung, und der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Kollmeier (CDU) stellten sich den Fragen der Zuhörer. Es sei ihr Ziel, den Flugverkehr so leise wie möglich abzuwickeln, erklärte Regine Barth dem Publikum. Dabei wurde sie von Zwischenrufen „Die Bahn muss weg“ unterbrochen. Nach der Präsentation der Studie trat Carola Gottas ans Saalmikrofon. Die Sprecherin der Flörsheimer Bürgerinitiative und stellvertretende Ortsvorsteherin bezeichnete die von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz der Kinder als „lächerlich und viel zu spät“. Die Flörsheimerin wollte wissen, warum die Paul-Maar-Schule an der Einflugschneise erst jetzt mit Schallschutzfenstern und einer Pausenhalle ausgestattet werde. Von der Schulleiterin habe sie auf Sitzungen des Elternbeirates gehört, dass die Kinder dort oft vom Lärm verängstigt seien. „Mein Kind hat nur dieses eine Leben“, betonte die aufgebrachte Zuhörerin Silke Boländer. Vertreterinnen des Schulelternbeirats der Riedschule kritisierten, dass trotz aktueller Arbeiten am Langbau der Schule kein Einbau von Schallschutzfenstern vorgesehen sei. Wenn der Kreis nichts unternehme, werde sie persönlich Gehörschutz für die drei Schulklassen in diesem Gebäude kaufen, erklärte eine wütende Mutter.

 

Kreis prüft und prüft ...

 

Schuldezernent Wolfgang Kollmeier , der während der Fragerunde gehörig unter Druck geriet, wies auf die gesetzlichen Regelungen hin. Für die Paul-Maar-Schule stehe Geld aus Förderprogrammen zur Verfügung, weil sich diese in der Tagschutzzone 1 befinde. Gespräche zur Übernahme der Kosten und die Prüfung der baulichen Möglichkeiten seien Gründe für die Verzögerung der Maßnahmen. Für die Riedschule in der Tagschutzzone 2 habe der Kreis eine Sondergenehmigung erwirken müssen, um überhaupt Kreismittel beim bisherigen Schallschutz in den Neubauten einzusetzen. Kollmeier versprach zum Ende der Veranstaltung, Gespräche mit der Lärmschutzbeauftragten Regine Barth zu führen und einen Einbau von Schutzfenstern im Langbau der Riedschule prüfen zu lassen.

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