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Fußball zur Völkerverständigung

Von Zwölf Teams, ein Ziel: Den Rassismus aus Frankfurt herauskicken. Beim Fußballturnier in Sindlingen wurde am Samstag die Völkerverständigung gefördert — ohne Schiedsrichter, dafür mit Händen und Füßen.
Auf der Bezirkssportanlage kickten Teams aus aller Herren Länder miteinander und setzten ein Zeichen gegen Rassismus. Foto: Maik Reuß Auf der Bezirkssportanlage kickten Teams aus aller Herren Länder miteinander und setzten ein Zeichen gegen Rassismus.
Sindlingen. 

Die Sonne lacht über dem Fußballplatz des 1. FC Viktoria Sindlingen, ziemlich kühl ist es dennoch. Den vielen jungen Männern macht das aber nichts aus, sie sitzen und stehen mit kurzen Hosen um den Platz herum, unterhalten sich in diversen Sprachen. Zwischendurch wird orientalische Musik aufgedreht, man singt und klatscht und lacht gemeinsam gegen den Rassismus. Oder man spielt Fußball.

Beides nämlich verbindet der „Kick Racism out of Frankfurt Cup 2016“: den Spaß am Spiel und die Vereinigung gegen den Rassismus, der seit Monaten die Ankunft und Integration tausender Geflüchteter in Deutschland begleitet. Zwölf Teams treten auf dem Kleinfeld gegeneinander an, rund 70 Prozent der Teilnehmer sind Geflüchtete aus aller Welt, die ihre Tage in Notunterkünften Bockenheims, Fechenheims oder anderer Frankfurter Viertel mit Nichtstun verbringen. Für sie ist das Turnier eine willkommene Abwechslung, für andere – wie etwa die Mannschaft der „Türkisch-Deutschen Akademiker aus Anatolien“ oder den diskriminierungsfreien Sportverein „Roter Stern Frankfurt“ – ergibt sich eine gute Gelegenheit, Solidarität mit jenen zu zeigen, die in Frankfurt Schutz und Hoffnung auf ein gutes Leben suchen.

„Ich habe als Dolmetscher auf dem Neckermann-Gelände geholfen“, berichtet der Turnier-Initiator Zafar Khan: „Man sieht dort die Trostlosigkeit. Die Menschen haben keine Perspektiven und keine Beschäftigung“. Gleichzeitig nehme er natürlich den grassierenden Rassismus wahr, doch wolle er diese Entwicklung nicht akzeptieren. „Wir setzen ein Zeichen, dass wir uns auf keinen Fall von den Hetzern einschüchtern lassen“.

Wenn jeder Verein in Frankfurt nur eine einzige Veranstaltung wie das Fußballturnier im Jahr machen würde, wäre den Geflüchteten schon viel geholfen, meint Khan. Der Sindlinger Anti-Rassismus-Cup solle als Beispiel dienen und fortan alle drei Monate wiederholt werden.

Denn wirksam sei er allemal, versichert der 33-Jährige, insbesondere als Kommunikationsplattform: „Die Menschen sprechen miteinander, lernen sich kennen, vernetzen sich untereinander. Viele beschäftigen sich damit, wie man mit den verschiedenen Ethnien umgehen soll“. Sprachbarrieren werden ganz einfach mit Händen und vor allem den Füßen überwunden – Fußball ist und bleibt eben die internationalste Sprache von allen. Besonders gut zu beobachten ist dies anhand der Tatsache, dass die Teams freiwillig auf Schiedsrichter verzichten. Es braucht nur jemanden, der die zehnminütige Spielzeit misst. Ob Foul, Tor oder Seitenaus – die Gemeinschaft berät unter dem Hauptgesichtspunkt der Fairness, wie es weiter geht. Politisch gesehen ein wünschenswerter Zustand.

Der Sindlinger Zafar Khan, der als Kind mit seiner Familie aus Pakistan nach Deutschland kam, anschließend acht verschiedene Unterkünfte bewohnte und 14 Jahre warten musste, bis er sich keine Sorgen über die drohende Abschiebung machen musste, versteht die Angst vieler Menschen, die er als Auslöser des Rassismus ausmacht. „Es gibt viele Bilder über Gewalt oder den Umgang mit Frauen und ,Ungläubigen‘ im Islam, die ein Feindbild zeichnen“. Dagegen helfe nur, miteinander zu sprechen, Ressentiments abzubauen, die Bildung von Parallelgesellschaften zu vermeiden — und allen Religionsgruppen dieselbe Freiheit zu geben, ihre Religion auszuleben. „Muslime beten häufig in Kellerräumen und Hinterhöfen“, betont Khan. Moscheen sollten gebaut werden, aber eben passend zum Ort und mit vorheriger Abstimmung.

Dass Integration sehr gut gelingen kann, zeigt Khans eigene Vita: Der Vater dreier Kinder ist Unternehmensberater und SPD-Kandidat für das Stadtparlament. Bis zum letzten Jahr war er Geschäftsführer und Jugendleiter bei Viktoria Sindlingen, doch wurde dies zu viel Aufwand. Zeit für die Völkerverständigung findet er dennoch — auf und abseits des Fußballplatzes.

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