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Gestatten, die erste Schlossherrin

Wie ihr das Hessisch der Diener Probleme bereitete, sie Patiencen zu wichtigen Fragen des Lebens legte und ihre prominenten Verwandten in Fischbach begrüßte – das alles haben die Besucher bei einer Premiere erfahren.
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Fischbach. 

Im hohen, lichten Kaminzimmer des alten, viktorianischen Schlosses stehen die Menschen gespannt und aufmerksam zwischen einem Schlachtengemälde, Gobelins und Ritterrüstung. Ihr Blick geht zur geschwungenen, hölzernen Treppe. Auf dieser steht in der vollen Würde und Anmut einer hohen Dame des 19. Jahrhunderts ihre Gastgeberin: Alice Rodewald von Dieskau.

 

Kaufmanns-Tochter

 

In dieser vollendeten Atmosphäre präsentiert sich die erste Veranstaltung der Reihe „Kelkheim kennenlernen“. Die erste Besitzerin des Tudor-Schlösschens, das sich über dem alten Gut des Rettershofs erhebt, erzählt von ihrem Leben, dem Bau des Schlosses und den Salonsitten des 19. Jahrhunderts. Verkörpert wird die ursprünglich in New Orleans geborene Tochter eines Bremer Kaufmanns von der Frankfurter Schauspielerin und Historikerin Katharina Schaaf. In authentischem Gewande präsentiert sie ihre Forschungsergebnisse über ihre historische Figur, über die bisher kaum etwas bekannt wurde, mit viel Charme und Witz.

Die Erzählungen der Schlossherrin und das stimmungsvolle Ambiente versetzen den Zuhörer mühelos ins vorletzte Jahrhundert, in dem junge Damen von hohem Stand noch mit Näharbeiten und Anstandsbesuchen ihren Tagesablauf und die Langeweile bewältigten. Stilsicher und mit großer Eleganz gibt Katharina Schaaf die Historie der von ihr dargestellten Person wieder, die 1854 in der damals viertgrößten Stadt Amerikas geboren wurde, von dort erst nach Wimbledon in England zog, wo sie ihren ersten Mann, den deutschen adligen Ullrich von Dieskau, heiratete und mit diesem schließlich nach Hessen kam. Später kaufte ihr Vater das Gut Rettershof und baute das Schloss im alten Tudor-Stil, in das Alice Rodewald von Dieskau mit ihrem zweiten Mann einzog. Wie es heißt, um die gute Luft des Taunus zu genießen – auch wenn ihr das Hessisch der Dienerschaft Verständnisprobleme bereitete.

Mit gekonnter, schauspielerischer Finesse führt Katharina Schaaf die Zuschauer in die Geheimnisse der Fächer- und Blumensprache ein, erzählt von Alices prominenter Verwandtschaft, skizziert Pflichten und Alltag einer Gutsherrin und zeigt, wie die Menschen damals die Karten in Patiencen zu wichtigen Fragen des Lebens zu Rate zogen. Die Besucher sind von der Darbietung der Frankfurterin durchweg begeistert.

„Dieser ,Neujahrsempfang’ im Schlosshotel Rettershof ist eine Premiere“, erklärt Kelkheims Kulturreferentin Beate Matuschek. „Die Stadtführungen werden sehr gut akzeptiert.“ So habe sie sich mit der Historikerin Schaaf zusammengesetzt und passend zum 160. Geburtsjahr von Alice Rodewald von Dieskau eine theatrale Präsentation ausgearbeitet. Sie steht ganz im Stil der zahlreichen historischen Veranstaltungen, die im neuen Programm „Kelkheim kennenlernen“ zusammengefasst werden.

In diesem Metier ist auch Katharina Schaaf keine Unbekannte. Schon seit einem Jahr führt sie als „Babettche“ in der Veranstaltung „Kommoden und Komödien“ Interessierte durch die Möbelstadt Kelkheim zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch in Frankfurt ist sie in einer Vielzahl historischer Rollen zu sehen, wie zum Beispiel als Bettina von Brentano, als junger Goethe und anderen Gestalten der Stadtgeschichte. Sie wird sich zudem im November auch die Ehre als erste Kelkheimer Nachtwächterin geben. Als Alice Rodewald von Dieskau ist Katharina Schaaf noch einmal am 6. April auf ihrer „Tea Party“ anlässlich ihres 160. Geburtstags im Schlosshotel am Rettershof in Fischbach zu sehen.

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