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Weg vom Journalismus Richtung Kirche: Gestern Hessen, heute Messen

Von Alrun Kopelke-Sylla war viele Jahre beim Hessischen Rundfunk; unter anderem als Nachrichtenmoderatorin bei der Hessenschau. 2013 hängte sie den einstmals geliebten Beruf als Journalistin an den Nagel, um Pfarrerin zu werden. Nun war sie Gast beim „GoSpecial“ im Kinosaal.
Alrun Kopelke-Sylla (Mitte) mit Petra Seidel, die den »Go Special« im Kinosaal moderierte, und Pfarrer Karsten Böhm. Foto: Maik Reuß Alrun Kopelke-Sylla (Mitte) mit Petra Seidel, die den »Go Special« im Kinosaal moderierte, und Pfarrer Karsten Böhm.
Sulzbach/Niederhöchstadt. 

Da ist Schwarzfahren ausgeschlossen: Das Team der Niederhöchstädter Andreasgemeinde verteilte am Sonntagvormittag vor Saal 1 im Sulzbacher Kinopolis Gratis-Fahrkarten an rund 200 Besucher, die sich in den folgenden 90 Minuten auf die Reise durch den „Go Special“-Gottesdienst machen wollten. Erst auf dem Sitzplatz sahen die meisten genauer hin: „Einfache Fahrt, Ziel: Nirgendwo“ stand auf dem Ticket.

So kann einem manchmal auch das Leben vorkommen. Zum Thema „Lebensreise und Lebensziele“ hatten die Veranstalter Alrun Kopelke-Sylla eingeladen. Sie hatte 2013 mit ihrer Ankündigung, ihren Job als Journalistin beim Hessischen Rundfunk nach 16 Jahren und rund 3700 Nachrichtensendungen an den Nagel zu hängen und Pfarrerin zu werden, bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nach Beendigung ihres Vikariats in der evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Nied Ende Juni ist sie derzeit Spezialvikarin im Bibelmuseum. Im Januar 2016 wird sie als Pfarrerin in einer Gemeinde beginnen – welche es ist, verriet sie noch nicht.

„Vor 100 Jahren war Berufstätigkeit noch etwas anderes“, erklärte sie. Die Wege waren vorgegeben, der Sohn eines Schusters wurde in der Regel Schuster. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg seien langsam andere Werte in den Vordergrund getreten. Arbeit sollte nicht mehr nur Geld, sondern auch Sinn stiften. Man könne mittlerweile so frei entscheiden wie noch nie, und doch seien viele Menschen unglücklich: „Jeder Fünfte hat innerlich gekündigt“, zitierte sie aus einer Gallup-Studie. Und wer in seinem Beruf unglücklich ist, arbeitet weniger produktiv und ist öfter krank.

Vom Journalismus war sie zunächst begeistert, erzählte die 1970 in Ulm geborene Alrun Kopelke-Sylla: „In hohem Tempo kreativ zu arbeiten und abends das Ergebnis im Fernsehen zu sehen, das fand ich super.“ In ebensolcher Geschwindigkeit verlief ihre Karriere: Bald durfte sie die erste Live-Schalte machen, mit 32 Jahren wurde sie Moderatorin. Irgendwann jedoch schlug das Gefühl um. „Mir fehlte der Tiefgang. Ich wusste manchmal aufgrund des schnelllebigen Tagesgeschäfts freitags nicht mehr, was ich montags oder dienstags gemacht habe.“

Der direkte Kontakt zu Menschen fehlte ihr: „Man steht in einem Studio, einem technisch kühlen Raum, spricht in ein schwarzes Loch und tut so, als sei man freundlich zu Menschen.“ Es war nicht mehr ihr Traumberuf, sie musste die Weichen neu stellen. Dieser Weg war kein leichter: Anderthalb Jahre brauchte sie, bis sie eine Ahnung davon hatte, wo die Reise hingehen soll.

Drei Fragen hätten ihr dabei sehr geholfen: „Welche Arbeit hat mir richtig Freude gemacht?“, „Was fragen Bekannte und Freunde bei mir ab?“ – das seien überraschenderweise meist nicht die beruflichen Qualifikationen. Und: „Was war mir als Kind besonders wichtig?“

Sie spürte, es zieht sie zur Kirche: „Tiefgang habe ich in der Gemeinde gefunden, beispielsweise bei Gebetskreisen.“ Ein Vorbild sei Klaus Douglass gewesen, von 1989 bis 2009 Pfarrer der Andreasgemeinde in Niederhöchstadt. Sie erinnerte sich an eine Geschichte, die er einst von Rabbi Sussja erzählte: „In der kommenden Welt wird man nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?“

Insgesamt acht Jahre dauerte es von der Einsicht bis zum neuen Ziel. Es gab auch Zeiten der Unsicherheit, räumte sie ein. Den Kollegen hat sie ihr Theologiestudium, das sie neben dem Beruf absolvierte, zunächst verheimlicht. Bereut hat sie den Schritt aber nicht, antwortete sie auf Nachfrage von Petra Seidel, die gemeinsam mit Pfarrer Karsten Böhm die „Reiseleitung“ übernommen hatte: „Ich vermisse die Kollegen, aber nicht den Beruf.“

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