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Theaterprojekt: Goethes Faust als Integrationsprojekt

Von De afghanischstämmige Profifußballer Modjieb Jamili hat ein ungewöhnliches Theater-Projekt ins Rollen gebracht. 30 Schüler aus dem gesamten Kreis waren begeistert und werden Goethes „Faust“ aufführen. Versteht sich, dass der nicht ganz klassisch daher kommt.
Hristina (16) übernimmt den Part des Gretchens. 30 Schüler proben derzeit in der Hofheimer Stadthalle Goethes „Faust“. Premiere ist am 19.  Dezember. Foto: Maik Reuß Hristina (16) übernimmt den Part des Gretchens. 30 Schüler proben derzeit in der Hofheimer Stadthalle Goethes „Faust“. Premiere ist am 19. Dezember.
Main-Taunus. 

Klagend setzt das Cello ein, ein heller Spot richtet sich auf die Musikerin. Eigentlich soll im Hintergrund noch instrumentale Musik vom Band laufen. Mit grotesker Gestik treten schwarze Gestalten hinter dem goldenen Vorhang hervor und bevölkern die Bühne. Einige halten Bücher in den Händen, Ausgaben von Goethes Faust. Die Musik verklingt. „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor“, ruft Faust-Darsteller Philipp laut in die noch leere Hofheimer Stadthalle. „Meine Ruhe ist hin, mein Herz ist schwer“, klagt Gretchen Lisa, die anderen folgen.

Zum ersten Mal proben die 30 Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf großer Bühne. In einem Casting hatten sie sich im Frühjahr für das integrative Theaterprojekt von Darstellern mit und ohne Migrationshintergrund beworben und sich seither regelmäßig in der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule (AES) zum Proben getroffen. An die neue Location müssen sich die Schauspieler erst einmal gewöhnen.

Noch viel zu tun

„Ruft mal einen Satz aus eurem Stück dreimal hintereinander immer lauter werdend in den Raum!“, hatte sie Projektleiter Gerd Müller-Droste, langjähriger Theaterlehrer an der AES, jetzt im Ruhestand, zu Beginn aufgefordert. „Und bitte nicht die Hände wie Oma und Opa gefaltet vor euch halten, da muss Energie fließen“, ergänzt Theatermacherin Liora Hilb vom Theater La Senty Menti, die mit an Bord ist bei dem vom Land Hessen geförderten Projekt. Bei Hristina (16) sieht die Gestik schon ganz gut aus, findet sie. „Aber ihr merkt, da gibt’s noch viel zu tun“, sagt Müller-Droste, der Regieanweisungen gibt. Auch die Technik nämlich muss stimmen. Da gibt es Scheinwerfer anzupassen, den Ton und die Position des Vorhangs.

Nicht da ist heute der afghanischstämmige Profifußballer Modjieb Jamili, der das Projekt ins Rollen gebracht hat und in einer Sequenz aus seinem Leben berichtet. Als Flüchtling nach Schwalbach gekommen, hatte er sich schon früh fürs Theaterspielen interessiert. „Im Hintergrund zeigen wir ein Bild von ihm als Fußballer“, ruft Müller-Droste der Technik zu. In die „Faust“-Sequenzen einfließen werden auch Erfahrungen von Flüchtlingen, zwei von ihnen stehen sogar selbst auf der Bühne. „Wer hat eigentlich Goethes „Faust“ geschrieben?“, fragt einer in der Anfangsszene auf Persisch.

Grupppenszenen

„Fuck you Goethe!“, ruft Sara. Alle zusammen: „Ich will erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält!“ Das komme versetzt rüber, befindet Müller-Droste. „Da muss einer den Impuls geben.“ Gruppenszenen seien die schwierigsten. Beim dritten Anlauf ist er zufrieden. Nur kurz ist die Pause für die Gretchen, Fausts, Mephistos, Lieschen und Hexen. Dann wird weitergeprobt. Vollgepackt sei der Terminkalender mit Schule, Leistungsturnen, Stepptanz, Pferdesport und vielem mehr. „In meiner Zeit als Lehrer gab es den Notendruck…“, scherzt der erfahrene Theaterpädagoge. „Aber wenn es klappt, ist es ein toller Erfolg.“

Die Vorstellungen

Premiere ist am 19. Dezember, 20 Uhr, Folgevorstellungen am 20. Dezember, 11 und 20 Uhr in der Hofheimer Stadthalle, Chinonplatz 4. Tickets (20/16 Euro, ermäßigt 10/8 Euro, Gruppen 5 Euro) sind

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