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Goldparmäne und Ingrid Marie

Von Es ist Herbst, und es war Zeit für ein „Horner Gebabbel“ – was lag da näher, als den Apfel auf den Tisch zu bringen? Der Verein „Bürger für Hornau“ machte gestern daraus auch gleich noch ein Quiz.
Uwe Struck zeigte einige der Apfelsorten, die auf seinen Streuobstwiesen wachsen. Er betreut mehrere hundert Bäume mit mehr als 80 verschiedenen Apfelsorten. Im Hintergrund steht Michael Jung vom Verein „Die Bürger für Hornau“, die zum Gebabbel eingeladen hatten. 	Foto: Spillner Uwe Struck zeigte einige der Apfelsorten, die auf seinen Streuobstwiesen wachsen. Er betreut mehrere hundert Bäume mit mehr als 80 verschiedenen Apfelsorten. Im Hintergrund steht Michael Jung vom Verein „Die Bürger für Hornau“, die zum Gebabbel eingeladen hatten. Foto: Spillner
Hornau. 

Äpfel ausschließlich an ihrem Aussehen zu erkennen – das ist keine einfache Aufgabe. „Es wäre leichter, wenn man sie probieren könnte“, weiß Michael Jung, Vorsitzender des Vereins „Bürger für Hornau“. Aber die Älteren, die würden durchaus auf Anhieb fünf bis sechs Sorten benennen können, ist Jung zuversichtlich,

„Von den Äpfeln, die hier liegen, finden Sie vielleicht drei Sorten im Supermarkt“, erklärt Uwe Struck. Er hat 20 Sorten mitgebracht, zehn sollen die Gäste erkennen, und das ist nur ein Bruchteil dessen, was Struck Jahr für Jahr auf seinen Streuobstwiesen erntet. „80 Sorten habe ich“, verrät er. Sie hängen an 500 bis 600 Bäumen auf sechs Hektar Streuobstwiesen rund um Kelkheim, die Struck meist gepachtet hat. Die wenigsten Wiesen gehören ihm. „Die Leute sind ja froh, wenn man sich darum kümmert“, weiß er. Der Gärtner hat sich auf das Streuobst spezialisiert, produziert Apfelwein, Apfelsaft und Süßen und verkauft auch ein paar Tafeläpfel. „Da wir nicht spritzen, werden die wenigstens Äpfel zu Tafeläpfeln, vielleicht zehn Prozent“, schätzt der Fachmann.

Viele seiner Äpfel sollte man aber auch gar nicht verspeisen. Sie sind sauer, eignen sich hervorragend für den Apfelwein und geben dem Apfelwein eine schöne Bernsteinfarbe, so wie der Bonapfel – eine der zehn alten Sorten, die erkannt werden sollten. Der Bonapfel, eine uralte Sorte, ist kleiner als die sogenannte Goldparmäne, deren Haut tatsächlich recht gelb-gold schimmert. Der Parmäne wird laut Struck hingegen recht gerne gegessen. Er habe „ eine feine Würze, wird aber fast überhaupt nicht mehr angebaut, weil seine Früchte recht klein sind und keinen EU-Normen entsprechen“.

Streuobst hat es insgesamt nicht leicht. „Es ist wirtschaftlich nicht so ertragreich“, weiß Struck, der 1981 begonnen hat, Wiesen zu bewirtschaften. Seitdem hat er bestimmt 200 junge Bäume gepflanzt. Und das ist gut so. Die alten Bäume brechen mehr und mehr weg, und die jungen geben schon wieder 200, 300 Kilogramm Obst. „Es gibt tendenziell weniger Streuobstwiesen“, verdeutlicht Struck.

Boskop, Ontario, Schafsnase, Ingrid Marie, Geheimrat Dr. Oldenburg, Goldrenette, Kaiser Wilhelm und Trierer Weinapfel waren die Sorten, die außerdem erkannt sein wollten. „Das ist schwierig. Manchmal kann schon die Bodenbeschaffenheit dafür sorgen, dass eine Sorte ganz anders aussieht, als man es gewohnt ist“, sagt Struck. Da bringe nur das Probieren Klarheit – und das auch nur dem Fachmann.

Früher spielte der Apfel auch in der Küche eine viel größere Rolle. Die Hausfrau macht Apfelbrei, Apfel-Plätzchen, Apfelscheiben-Tee, „und der Apfelwein war besonders wichtig, damit konnte man bei Erkältung im Winter Leute schwitzen lassen, wenn man ihn heiß servierte“, führte die Heimathistorikerin Christa Wittekind aus. Sie unternahm mit den Gästen eine Reise ins Jahr 1905: „Da wurde die Eisenbahn Frankfurt-Königstein gebaut Damit konnte man nicht nur Möbel nach Frankfurt bringen, sondern eben auch Äpfel“, spann sie die Bogen.

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