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Christen und Muslime teilen den Glauben an Gott: Gottesdienst im Kino

Von Bei seinem Go Special-Gottesdienst im Kinopolis wünschte sich Pfarrer Karsten Böhm mehr Offenheit gegenüber dem Islam.
Foto: dpa Foto: dpa Foto: dpa
Niederhöchstadt. 

Zweimal hatte die Polizei besorgt angerufen. Auch die Ehefrau von Pfarrer Karsten Böhm war beunruhigt, dass sich ihr Mann mit einem heiklen Thema auf die Bühne wagen wollte. Im beliebten Go Special-Gottesdienst der Andreasgemeinde ging es um „Dschihad, Märtyrer und Kalifat – Terror im Namen des Islam“.

Fast 300 Besucher waren der Einladung gefolgt, in den gemütlichen Sesseln des Kinopolis Sulzbach einen Gottesdienst zu feiern. Schon beim „Googeln“ im Internet könne einem Angst und bang werden, machte eine einleitende Performance deutlich. Viele Ängste allerdings basierten auf Unwissenheit und Vorurteilen, wie die Pegida-Bewegung gezeigt habe. Daher sei Aufklärung ein wichtiger erster Schritt gegen die Angst.

Im Stil der Sendung „Wer wird Millionär“ konnten die Besucher prüfen, wie viel Wissen sie selbst mitbringen. Nicht jedem ist klar, in welchem Land die meisten Muslime wohnen (Indonesien mit 191 Millionen), wie hoch der Anteil der Muslime in Deutschland ist (5,5 Prozent) und was Dschihad bedeutet (Anstrengung).

 

Vorurteile entkräften

 

Zur Klärung schwieriger Fragen hatten die Organisatoren mit Professorin Dr. Susanne Schröter eine Expertin eingeladen. Auch aufseiten der Muslime gebe es Vorurteile, sagt die Ethnologin und Islamkennerin im Interview mit Bea Sternberg und Thomas Klug. „Viele sagen, dass die Deutschen keine Werte haben, die Familien zerfallen, Kindern keinen Respekt vor ihren Eltern haben.“ Kritisiert werde auch die Sexualmoral. Dennoch müsse man nicht Sorge haben, dass sich alle Muslime für Deutschland die Scharia wünschten. Umfragen zeigten, dass die Mehrheit mit der hiesigen Demokratie einverstanden sei. Sogar muslimische Staaten würden überwiegend säkular regiert. „Die meisten sehen das pragmatisch.“

Richtig sei allerdings, dass sich Mohamed auch als politischer Führer verstanden habe. Vieles werde auch im Islam selbst unterschiedlich ausgelegt. Nicht im Koran finde man definitiv Ehrenmord und Zwangsheirat. „Das sind vorislamische Vorstellungen von Ehre“, sagte Schröter. Kritisch sehe sie die Missionskampagnen der Salafisten, die gezielt soziale Medien nutzten, um junge Leute anzusprechen. Auch die Medienabteilung des IS sei perfekt organisiert, bis hin zur Hochglanzbroschüre zum Downloaden. Es sei schon erstaunlich, dass man sich moderne Technik in solcher Art zunutze mache, während man die moderne Zahnbürste ablehne. „Das ist eine selektive Aneignung, man will eine halbe Moderne.“

Vor allem junge Männer mit Brüchen in der Biografie seien ansprechbar, in den Kampf zu ziehen. „Viele suchen Gemeinschaft, ein kuscheliges Nest.“ Dschihad sei für sie etwas Cooles, habe fast einen Pop-Effekt. „Hier bekommen sie Aufmerksamkeit.“ Sie würde sich wünschen, dass man in den Heimatmoscheen offener mit dem Problem umgehe, mal Tacheles rede mit den jungen Leuten und ihnen eine gescheite Jugendarbeit anbiete, so Schröter.

 

Den Kontakt suchen

 

Pfarrer Karsten Böhm warb in seiner Predigt dafür, Freundschaften aufzubauen zu muslimischen Mitmenschen, den Kontakt zu suchen und sich der Gemeinsamkeiten bewusst zu werden wie etwa dem gemeinsamen Glauben an einen Schöpfer, Liebesgebot, Demut und die Achtung vor den Eltern. Auch begegne einem die Goldene Regel in fast jeder Religion: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Gruppe „Jay and Friends“.

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