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Ärger: Großstädtisch bauen in Nied

Von Die Bebauung mit fünfstöckigen Gebäuden im sogenannten Nieder Loch ist bei der Informationsveranstaltung überwiegend auf Kritik der Bürger gestoßen: Zu groß, zu klotzig, fanden viele Nieder, die der Einladung des Ortsbeirats zu der Veranstaltung gefolgt waren.
Das Nieder Loch soll endlich bebaut werden. Bilder > Foto: Maik Reuß Das Nieder Loch soll endlich bebaut werden.
Nied. 

Das Nieder Loch, der zerfranste Ortsrand zwischen den Straßen Alt-Nied und An der Wörthspitze nördlich der Mainzer Landstraße, ist ein Sorgenkind der Stadtplaner. Jetzt haben die Architekten Dirschl.Federle Pläne für eine Wohn- und Einzelhandelsbebauung vorgestellt. Sie gewannen ein städtebauliches Gutachterverfahren – einstimmig. Der Grundstückseigner, die städtische ABG-Holding, will die Gebäude bis 2018 realisieren. Dafür jedoch muss der bestehende Bebauungsplan 539 geändert werden. Seit 20 Jahren in Kraft, sieht er ausschließlich Wohnbebauung vor. „Wenn sich ein Investor gefunden hätte, wäre die Fläche schon bebaut“, sagte Karl-Heinz Staab, im Stadtplanungsamt für den Frankfurter Westen zuständig.

Hakenförmige Gebäude

Seit einigen Jahren ist das Gelände nun im Besitz der ABG, und seitdem nimmt die Sache Fahrt auf. Der Architekt Matthias Federle stellte die Pläne für die Bebauung vor: Zwischen der Wörthspitze und der Stichgärtenstraße sollen drei Wohngebäude entstehen. Sie orientierten sich an den alten Gebäuden im dörflichen Ortskern, so Federle: Ein großes Hauptgebäude direkt an der Straße, ein Innenhof und dahinter meist kleinere Gebäude, so soll auch die „Ortsrandbebauung Alt-Nied“, wie es offiziell heißt, aussehen. Nur eben größer. Sind die Häuser in Alt-Nied zwei, höchstens dreistöckig und sieht der bestehende Bebauungsplan lediglich vierstöckige Häuser an der Mainzer Landstraße vor, soll das von Federle geplante Ensemble dreier Gebäude vier Stockwerke plus (kleineres) Staffelgeschoss, also fünf Etagen aufweisen, das Ganze im Erdgeschoss noch einmal um einen Meter aufgestockt. Nach hinten, Richtung Nied, gibt es für jedes Gebäude einen Längsriegel, der noch vier- und dahinter einen versetzten Querriegel, der noch drei Etagen hoch sein soll. Die drei Gebäude erhalten so einen hakenförmigen Grundriss und einen halböffentlichen, begrünten Innenhof. Die Autos sollen in einer Tiefgarage abgestellt werden. 42 Millionen Euro will die ABG investieren.

Östlich der Stichgärtenstraße ist der Plan vorläufig. Hier soll, wie berichtet, ein großer Supermarkt im Erdgeschoss entstehen, darüber mehrstöckige Wohnbebauung. Über die Realisierung kann jedoch erst entschieden werden, wenn feststeht, dass die Umkehrschleife der Straßenbahn verschwindet. Und dies ist noch nicht entschieden. „Frühestens im Sommer sind unsere Planungen beendet“, sagte Jörg Stellmacher-Hein, Verkehrsplaner im Stadtplanungsamt. Er schätzt, dass die Bebauung östlich der Stichgärtenstraße frühestens 2018 beginnen kann – da sollen die Gebäude westlich der Stichgärtenstraße schon fertig sein.

Vieles noch unklar

Es hängt also noch vieles in der Luft – auch über die genaue Position der Straßenbahn-Haltestellen ist noch nicht entschieden. Doch die ist essenziell. „Die Stadt plant in Nied nur, wenn sie muss“, klagte Martin Hinz von der Initiative „Ideen für Nied“. Die Bürger würden zu spät gefragt. Das Hauptproblem sei doch die Mainzer Landstraße mit ihrer Verkehrsbelastung. Jetzt solle da eine hoch verdichtete Wohnbebauung entstehen. „Wann kommt die Verkehrsberuhigung?“ fragte Hinz. Die Leunabrücke und die Schwanheimer Brücke böten längst die Möglichkeit, Nied zu umfahren. Andere Nieder störten sich an den hohen Gebäuden direkt an der Mainzer Landstraße, die jedoch auch einen Lärmschutzeffekt haben sollen.

Städteplaner Staab verteidigte die Planungen: „Wir orientieren uns nicht am Dorfcharakter Nieds, sondern an der Magistrale Mainzer Landstraße.“ Gebäude dort können auch von der Höhe her großstädtisch sein. Jeder Quadratmeter Wohnraum werde benötigt, und in städtischen Quartieren verdichtet zu bauen sei Ziel der Stadtplanung. Auch dass, wie Anwohner klagten, Sichtbeziehungen zum Main durch die hohen Gebäude zerstört werden, sei unvermeidlich.

Das Stadtplanungsamt entwirft nun einen geänderten Bebauungsplan.

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