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Abschied: Günther Bredefeld verlässt die Jugendverkehrsschule

Von Vor vier Jahren hätte Günther Bredefeld schon in Pension gehen können. Doch er wollte nicht: Die Arbeit in der Jugendverkehrsschule macht ihm einfach zu viel Spaß.
Am Ende einer langen Dienstlaufbahn: Günther Bredefeld geht in Ruhestand. Foto: Hans Nietner Am Ende einer langen Dienstlaufbahn: Günther Bredefeld geht in Ruhestand.
Main-Taunus. 

In Günther Bredefelds Büro in Hattersheim stapeln sich schon die Abschiedsgrüße. Viele „seiner“ Schüler haben es sich nicht nehmen lassen, ihm mit Bildern und in herzlichen Worten alles Gute für den Ruhestand zu wünschen. Den hat der Polizeibeamte, der 15 Jahre in der Jugendverkehrsschule ungezählten Kindern das richtige Verhalten als Radfahrer im Straßenverkehr beigebracht hat, insgesamt gleich vier Mal hinausgezögert. „Zwei Mal auf Bitten der Dienststelle, zwei Mal habe ich selbst die Verlängerung beantragt“, sagt Bredefeld mit leisem Schmunzeln.

Schon 2014 hatte er in Pension gehen können. Doch seine Arbeit machte ihm so viel Freude, dass er sehr gern die vier Zusatz-Jahre angehängt hat. „In der Jugendverkehrsschule habe ich einfach ein Betätigungsfeld gefunden, das eins zu eins zu mir passt“, sagt der Polizeioberkommissar.

Nicht zulässig

Doch nun ist Schluss. Eine weitere Verlängerung der Dienstzeit ist nicht zulässig, also geht mit dem Schuljahresende für Günther Bredefeld seine 15-jährige „Schul-Zeit“ unwiderruflich zu Ende. Ein bisschen Urlaub hat er dann noch vor sich – und die offizielle Verabschiedung aus dem Polizeidienst am 6. Juli, der er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ entgegen sieht, „wie man so schön sagt“.

Polizist hat der 63-Jährige schon von kleinauf werden wollen. „Das war mein Kinderwunsch.“ Die VW-Käfer der Polizei, die sein Vater in einer Bad Sodener Autowerkstatt regelmäßig zu warten hatte, spielten dabei eine wichtige Rolle. Doch als er mit 14 seinen Schulabschluss hatte, war Günther Bredefeld für die Polizei noch zu jung. Der typische Rat jener Zeit habe gelautet: „Dann gehst du in die Farbwerke“, erinnert sich der in Soden mit fünf Geschwistern aufgewachsene Bredefeld. Nach der Ausbildung zum Chemiefacharbeiter klopfte die Bundeswehr an. In den 1970ern habe aber auch die Polizei um Nachwuchs geworben. „Dann gehst Du da drei Jahre hin und dann wieder zurück in die Farbwerke“, erzählt Bredefeld von der ursprünglichen Idee. „Fast 45 Jahre sind dann draus geworden“, meint er lächelnd.

Im Verkehrsdienst sei er dabei eigentlich immer gewesen. Der heute in Hornau lebende Vater von zwei Töchtern, der auch schon Großvater ist, hat aber auch die Zeit der teils gewaltsamen Proteste gegen die Startbahn West mitgemacht. Dass dabei zwei Kollegen erschossen wurden, gehört für Bredefeld zu den erschütternden Ereignissen seines Berufslebens, von denen er sagt: „Das hätte ich nicht gebraucht.“

Vom Schichtdienst in Sindlingen in die Jugendverkehrsschule wechseln zu dürfen, war für den Oberkommissar eine wunderbare Offerte. Schon während der pädagogischen Schulung merkte Günther Bredefeld: „Das liegt mir.“ Den richtigen Ton zu treffen, freundliche, aber klare Ansagen zu machen, geduldig zu bleiben, auch wenn zum fünften Mal die selbe Frage kam, für den im Umgang mit Menschen so erfahrenen Polizisten kein Problem. Die Arbeit mit den Kindern, Viertklässlern zumeist, schätzt er auch deshalb so sehr, weil sie noch sehr offen und ehrlich seien. „Bist du ein richtiger Polizist oder ein Verkehrspolizist?“, ist er immer mal gefragt worden und muss noch beim Gedanken daran lächeln.

Kaffee und Frühstück

In allen 20 Grundschulen, den Förderschulen und auch der einen Privatschule in Bredefelds Zuständigkeitsbereich habe die Lehrerzimmertür selbstverständlich für ihn und seine Kollegin offen gestanden, einen Kaffee gab es immer und ab und zu sogar ein Frühstück. Dass die Jugendverkehrsschule auch ein Stück Imagewerbung für die Polizei ist – für Bredefeld keine Frage: „Für viele Kinder ist es ja oft der erste Kontakt zu uns.“ Wenn er am Ende dann im Weggehen gehört habe: „Das hat jetzt aber Spaß gemacht“, war das für den Polizeibeamten stets der schönste Lohn.

Wie das künftig wird, ohne seine Arbeit? Günther Bredefeld macht sich da keine Sorgen, dass es ihm langweilig werden könnte. Manches sei daheim in den vergangenen Jahren liegengeblieben, weil er die Pensionierung aufschob. Auf mehr Zeit für die Familie freut sich der künftige Pensionär zudem. Auch seine Erfahrung in Sachen Verkehrssicherheit von Kindern will Bredefeld gern weiter einsetzen und hat dafür auch schon Ideen. Für den künftigen Ruheständler ist jedenfalls klar: „Ich hab’ nicht vor, zu Hause zu sitzen.“

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