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Hässliche Baulücke verschwindet

Bei Vodafone ist schwer was los. Der Konzern geht auf Einkaufstour, strukturiert um und liefert sich mit Teilen der Belegschaft harte Auseinandersetzungen, die teilweise vorm Arbeitsgericht landen. Im Rhein-Main-Gebiet soll jetzt Ruhe einkehren. Bald ziehen die Mitarbeiter aus der früheren Arcor-Zentrale in den Neubau im Gewerbegebiet Süd.
Eschborn. 

Die knallroten Fahnen mit dem weißen Vodafone-Schriftzug wehen im leicht blasenden Wind. Sie signalisieren: Hier hat sich was getan, hier tut sich was. Um das sechsstöckige Gebäude schwirren Bauarbeiter herum. Noch sind allerlei Handgriffe zu erledigen – doch der Vodafone-Neubau „New Wave“ ist fast bezugsfertig. In Kürze rücken die Innenausstatter an und bauen das Mobilar vollständig auf. Auch müssen die Büros noch verkabelt werden.

Wie neu alles ist, zeigt sich beim Betreten der Vorhalle: Der Duft frischer Farbe steigt in diese Nase. Staub klebt an den Fenstern des Treppenhauses und macht deutlich, dass auch auf die Putzkolonne noch Arbeit zukommt. Glas dominiert die Fassaden, die Räume sind lichtdurchflutet. Im dritten Stock gibt es einen Bereich, der zeigt, wie es in wenigen Wochen in allen Etagen aussehen wird. Schreibtische, Schränke und Wände sind hell gehalten. Aus all dem Weiß ragen bunte Sitzgelegenheiten heraus. Sie sind rot, orange, grellgrün und lila und stechen förmlich ins Auge.

Zwischen den Schreibtischen gibt es verglaste Rückzugsräume, die schalldicht sind und sich zu vertraulichen Gesprächen am Telefon oder unter vier Augen eignen. Ansonsten fehlen Trennwände, es gibt keine Büros, sondern nur den Großraum, in dem jeder jeden sehen kann. Für Vorgesetzte gibt es keine Extrawürste. Auch sie arbeiten im Großraumbüro.

 

„Positives Echo“

 

Vodafone hatte nach diesem Konzept bereits seinen Campus errichtet, den es für 5000 Beschäftigte in Düsseldorf gebaut hat. Am Hauptsitz habe Vodafone mit dem Projekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ sehr gute Erfahrungen gemacht und positives Echo erhalten, sagte gestern Property-Chef Hendrik Grempe. Eine Umfrage habe eine Zustimmung von mehr als 80 Prozent ergeben.

Dass es um die Stimmung bei Vodafone nicht zum Besten bestellt ist, legt eine interne Mitarbeiterbefragung nahe, über die der „Focus“ berichtete. Nur 27 Prozent der Befragten sei mit dem Top-Management des Konzerns zufrieden. Lediglich 31 Prozent der Angestellten würden Vodafone-Produkte an Familien und Freunde vergeben.

 

„Eingespieltes Team“

 

Bei Vodafone ist eben schwer was los. Die Briten müssen sich in einem umkämpften Markt beweisen und strukturieren europaweit um. Kürzlich wurde zum Beispiel bekannt, dass sich das Unternehmen den größten Kabelkonzern in Spanien („Ono“) einverleibt. Die Umstrukturierung ist längst auch im Rhein-Main-Gebiet und in Eschborn angekommen. Mehr als 100 Mitarbeiter müssen in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt wechseln. Um 190 machen den Umzug nicht mit und scheiden aus dem Unternehmen aus. Einige Auseinandersetzungen landeten vor dem Arbeitsgericht.

Zahlen, Fakten: Eine Etage ist noch frei

läuft der Mietvertrag des Kommunikationsriesen Vodafone für den Neubau „New Wave“ in Eschborn-Süd. Es gibt die Option, die Laufzeit zu verlängern.

clearing

Davon war gestern nicht die Rede, als der Projektentwickler Phoenix den Schlüssel an den Vodafone-Manager Hendrik Grempe übergab. Aus Anlass des symbolischen Aktes sagte Bürgermeister Mathias Geiger, dass Vodafone ein international namhaftes Unternehmen sei, dem er für die Treue zum Standort Eschborn danke. Es sei erfreulich, dass Arbeitsplätze der Telekommunikationsbranche, die eine Zukunftsindustrie sei, in Eschborn-Süd erhalten bleiben und Vodafone den Namen der Stadt in die Welt hinaus trage. Nachdem in den 90er Jahren das „Haus der Handelsvertretungen“ abgerissen wurde, sei auf dem Gelände zwischen Düsseldorfer und Frankfurter Straße „eine hässliche Baulücke“ entstanden, die nun verschwindet.

Vom Spatenstich bis zur gestrigen Schlüsselübergabe vergingen 14 Monate. „Das ist gewaltig“, sagte Mathias Geiger, sprach von „Rekordzeit“ und merkte an: „Als ich das gelesen habe, dachte ich, das sei ein Druckfehler.“ Es sei gelungen, das 35 Millionen Euro teure Bauvorhaben im Eiltempo zu errichten, weil es im MTK ein „gutes Planungsrecht“ gebe und das „eingespielte Team des Bauprojektes Campus“ erneut gut harmoniert habe, hob Phoenix-Prokurist Roger Haag hervor. Haag lobte das „New-Wave“-Konzept: „So eine Immobilie finden Sie in Eschborn nicht noch einmal.“ Viele alte Gebäude im Gewerbegebiet seien wie ein „A 80 früher bei Opa“, während „New Wave“ wie heute ein A 6 daherkomme. Hendrik Grempe kündigte an, dass das Gros der Mitarbeiter im Juli dieses Jahres um- und einziehen werde. Dann räumt Vodafone die frühere Arcor-Zentrale an der Alfred-Herrhausen-Allee. Auf rund 7600 Quadratmetern wird im Neubau Platz sein für 1000 Mitarbeiter. Vodafone bündelt dort seine Mitarbeiter aus dem Rhein-Main-Gebiet. Mehr als 100 Mitarbeiter aus Sulzbach werden bis Ende Jahres nach Eschborn umziehen.

(ask)
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