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Kosten sinken: Hangsicherungsarbeiten an drei Standorten gehen auf die Zielgerade

Von In den vergangenen zwei Jahren lösten sich Brocken an zwei Wänden an der B 455 und der Feuerwehr. Die Stadt musste handeln.
Demy Kirsten von der Firma Salmen schiebt auf dem Parkplatz an der B 455 insgesamt 230 riesige Stahlnägel in die Bohrlöcher. Foto: Knapp Demy Kirsten von der Firma Salmen schiebt auf dem Parkplatz an der B 455 insgesamt 230 riesige Stahlnägel in die Bohrlöcher.
Eppstein. 

Die Bezeichnung „Nagel“ ist gleich. Ansonsten ist der Unterschied vom kleinen Stahlstift, den der Heimwerker zu Hause in die Wand klopft, himmelweit zu jenen Kolossen auf dem Parkplatz an der B 455. Diese Stahlnägel sind vier Meter lang, fast drei Zentimeter dick und gut 20 Kilo schwer. Der Mitarbeiter der Firma Salmen aus Meschede behandelt sie aber wie Strohhalme, schiebt sie vom Hubsteiger beinah lässig in die dafür vorgesehenen Bohrlöcher. Rund 230 Nägel wird er nach getaner Arbeit in die rund 1000 Quadratmeter große Wandfläche eingelassen haben.

Die großen Nägel haben eine ebenso große Wirkung: An ihnen werden zwei Stahlnetze mit unterschiedlich großen Löchern befestigt. Sie sollen künftig verhindern, dass Brocken von der markanten, aber nicht ungefährlichen Felswand an der B 455 herunterfallen. Damit die Nägel halten, befestigt ein Kollege zunächst Manschetten zur Fixierung sowie einen kleinen Schlauch. Durch ihn wird später Verpressmörtel in das Loch gespitzt und der Riesen-Nagel auf diese Weise fixiert. 20 Tonnen könnte jeder einzelne Stift dann halten. Anschließend wird das Netz über eine Krallplatte und eine Überwurfmutter daran befestigt.

Zwei Büros beauftragt

Das System der Hangsicherung mit Stahlnetzen – es ist in der Burgstadt längst bekannt. Schon der Fels auf der anderen Bahnhofseite wurde mit deutlich längeren Nägeln wegen der problematischeren Schieferschichten gestützt, ebenso die Hänge an der B 455 in Richtung Bremthal und Fischbach. Vor mehr als zwei Jahren holte die Stadt das Problem ihrer steilen Steinwände wieder ein. Damals brachen rund zwei Kubikmeter Fels von der Wand hinter der Eppsteiner Feuerwehr ab, die Kommune musste den Bereich absperren. Vor einem Dreivierteljahr dann folgten ähnliche, aber kleinere Abgänge an der nun bearbeiteten Wand. Bürgermeister Alexander Simon spricht von einer „erheblichen, abstrakten Gefahrenlage“ und betont: „Wir mussten reagieren.“ Zunächst wurden die Parkplätze direkt an der Wand gesperrt. Dann wurden zwei Büros für die drei Sicherungsprojekte – auch der Hang am Ostaufgang der Burg war betroffen – beauftragt. Die Geo International GmbH von Professor Johannes Feuerbach aus Mainz kümmerte sich um die Wand bei der Wehr. Hier sollen die Arbeiten nach Pfingsten abgeschlossen sein.

Die anderen Aufträge, weil zeitversetzt, gingen an die Geotechnik Gündling GmbH aus Darmstadt. Kurios: Beide Fachbüros wählten unabhängig voneinander die Methode mit Stahlstiften und Fangnetzen. Das hat laut Firmenchef Norbert Gündling einige Vorteile: Das engmaschige Netz halte die Brocken auf. Was drüber abrutsche, werde über eine Auffangschürze gebremst und gehalten. Wenn kleine Brocken locker sind, könnten sie zwischen Netz und Wand nach unten gleiten. Jeder Jahr soll es Begehungen der Wände geben, um mögliche Steine zu entfernen. Vorteil Nummer zwei laut Gündling: Der Bewuchs erobere die Wand durch das Netz zurück, das Erscheinungsbild werde im Gegensatz zu einer Betonierung nicht verändert.

Probebohrungen

Dennoch hat der Fachmann beim Projekt an der B 455 erst einmal geschluckt: In einem nicht mehr genutzten Eiskeller vom Anfang des 20. Jahrhunderts konnte Günding acht Meter in den Fels gehen. Der dumpfe Klang, den er mit dem Geologen-Hammer hörte, verhieß nichts Gutes: Das ließ auf weniger starke Schieferschichten schließen. Doch die beiden Probebohrungen zehn Meter in die Wand hinein und die Gesteinsuntersuchungen im Labor bestätigten das nicht. Somit konnte das Vorhaben vor wenigen Wochen beginnen. Mitte Juni soll es abgeschlossen sein.

Bürgermeister Simon sieht dann aktuell keine weiteren Felsbaustellen mehr in der Stadt und atmet auf. Denn das Budget musste mit 650 000 Euro in den Nachtragsetat. Laut Simon wird es nun mit allem Drum und dran deutlich günstiger, die Stadt will unter 500 000 Euro für die drei Maßnahmen bleiben.

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