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Schwalbacher Open-Air-Festival: Hard-Rock und Zuckerwatte

Drei Topbands spielten am Samstag beim Open-Air des Rock-Clubs gegen das herbstliche Wetter an. Ob ein geringer Zuschauerschwund der Konkurrenzveranstaltung in Flörsheim zuzuschreiben ist oder dem Wetter, ist nicht klar.
Die „Bornheim Bombs“ tragen Vokuhila-Perücken – als Persiflage auf die Coverbands der Achtziger. Sie selbst covern nichts, schreiben eigene Musik sowie eigene, kritische Texte. Die Truppe kam super an. Foto: Spillner Die „Bornheim Bombs“ tragen Vokuhila-Perücken – als Persiflage auf die Coverbands der Achtziger. Sie selbst covern nichts, schreiben eigene Musik sowie eigene, kritische Texte. Die Truppe kam super an.
Schwalbach. 

Rockkonzerte sind fast noch so wie vor 30 Jahren: Vor der Bühne stehen oft diejenigen, die damals auch dort standen, immer noch in gestreiften Hosen, mit roten Hosenträgern. Nur der Vokuhila-Haarschnitt – vorne kurz, hinten lang – ist einer Teilglatze gewichen. Manch einer hat ein Bäuchlein dabei, andere haben ihren Mann, ihre Frau, ihre Kinder. Das Open-Air-Rockkonzert wird zum Treffen der Generationen. Von 70 bis 3 Jahren ist alles vertreten.

 

Ohrstöpsel für die Kinder

 

Vorne spielen die Bornheim Bombs, Sindustry und Roughhouse knackigen Rock mit Metal- und Punk-Einschlägen. Die Eltern haben ihren Kindern Ohrstöpsel in die Gehörgänge gestopft. Die hören auch damit noch genug, während sie Pommes vom Kreiner essen. Neben dem Fan-Artikelwagen mit pechschwarzen Shirts gibt es eine Mandelbrennerei, Zuckerwatte und Softeis – das hätte es in den Achtzigern nicht gegeben. Alles ist eine rundum friedliche Angelegenheit,

Tatsächlich war der Anteil der „Middleager“ höher als der der Jugendlichen. Gabi Schedelik-Ott vom Rock-Club nimmt an, dass die jüngeren Leute eher nach Flörsheim gefahren sind. Das dortige Open-Air war um eine Woche verschoben worden und kollidierte daher mit Schwalbach – außerdem war gleichzeitig Bunkerfest in Höchst. Dass in Schwalbach mit rund 800 Besuchern in Spitzenzeiten etwa 200 Besucher weniger waren als üblich, schiebt Gabi Schedelik-Ott auch dem kalt-nass-stürmischen Wetter zu. Beim Wetter sind die Schwalbacher Rock-Fans Kummer gewohnt: „Bei uns regnet es immer“, so Schedelik-Ott. Vom angestammten Termin immer am letzten Wochenende im Juli abweichen wolle man aber nicht. Nächstes Jahr gebe es dann hoffentlich nicht wieder eine Parallelveranstaltung. Finanziell ist die schwankende Besucherzahl für den Rock-Club folgenlos: Der Eintritt ist frei.

Obwohl keine Eintrittskarten verkauft werden, wird ganz schön was geboten, und zwar auf einer Top-Bühne mit ordentlich Licht an der Decke und einem super Klang. Wer sich am Samstag die erste Band sparte, weil er sich dachte, dass zum Auftakt sicher jemand spielen wird, der noch nicht so bekannt und noch nicht so viel Erfahrung hat, der hat richtig was verpasst. „Sindustry“ sind in der Tat noch nicht so bekannt und hatten bislang knapp zehn öffentliche Auftritte. Aber die Jungs aus dem Frankfurter Raum sind keine Anfänger und wollen es richtig wissen. Das harmonische Zusammenspiel der Metalband kommt daher, dass fast alle fünf Musiker seit fünf Jahren zusammenspielen. Aber sie haben sich im Probenraum vergraben. „Viele junge Bands machen den Fehler, dass sie drei Songs lernen und dann vors Publikum gehen. Wir haben uns nun jahrelang vorbereitet, um die Qualität an Show zu bringen, die wir jetzt machen“, verrät „Teufelsdrummer“ Matteo Eifert. Treibende Kraft für das lange Ausharren im Probenraum sei der Songwriter und Gitarrist Jörg Döring gewesen, ein Perfektionist. Als die Band im Frühjahr beim Rock-Club im Atrium spielte und gut ankam, sei „der Michael Schedelik gekommen, hat den Arm um mich gelegt und gesagt: Bub, was macht ihr denn am 25. Juli?“, erinnert sich Matteo. „Sindustry“ loben die technischen Bedingungen und die herzliche Aufnahme, „so wie hier hat sich noch nie jemand um uns gekümmert“. „Sindustry“ käme also sehr gerne wieder – vielleicht nächstes Jahr als zweiter Act?

 

Ehrliche Texte

 

Alte Hasen sind dagegen die „Bornheim Bombs“, die sich selbst „Rock ’n’ Roll-Zombies“ nennen. Sie standen in den Achtzigern schon auf der Bühne. Der handgemachte Rock mit ehrlichen, deutschen Texten thematisiert außerordentlich kritisch Aktuelles und Problematisches, ohne dem Zuhörer die Laune zu versauen. „Analog Rebell“ richtet sich eher an jugendliche Zuhörer: „Facebook, Google und Twitter, wir können ja nicht ohne, aber eigentlich wäre es besser“, moderiert die Band den Song an. Sie besingen Valentina, deren Väter die Musiker sein könnten, was Valentina aber nicht abschreckt, eindeutige Absichten erkennbar werden zulassen. In den Liedern geht es um Sterbehilfe, ADHS und das Dasein als Coverband, die die Bornheim Bombs zum Glück nicht sind, sondern coole Jungs, „die echt gude Mucke machen“, wie man in den Achtzigern zu sagen pflegte. Den Schlusspunkt des Open-Airs setzten Roughhouse mit hartem Metal und beeindruckender Pyroshow. elle

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