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Integration von Flüchtlingen: Helfer rackern sich ab

Von Mehr als eine Hundertschaft engagierter Ehrenamtlicher kümmert sich um die rund 140 Flüchtlinge, die mittlerweile an zwei Standorten in Sulzbach untergebracht sind. Zweimal in der Woche gibt es offizielle Begegnungen, zu denen alle Interessenten eingeladen sind. Die Helfer und ihre Schützlinge finden Möglichkeiten, sich zu verständigen, auch wenn es mit Englisch und Deutsch nicht mehr klappt.
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Sulzbach. 

Abdullah aus Syrien würde gerne in einer Apotheke hospitieren. Morteza aus Afghanistan möchte Klavier spielen lernen, und viele junge Männer aus beiden Ländern wollen Fußball spielen. Auch andere Sportarten sind gefragt. Zudem gilt es, die Flüchtlinge bei Behördengängen zu begleiten, bei bürokratischen Vorgängen zu helfen, Sprachkurse zu organisieren und vieles mehr.

Der 1. FC ist mit im Boot

Für all das zuständig sind im Rathaus die Mitarbeiterinnen der Gemeindeverwaltung, Monika Moser und Sandra Schiwy, die diese Herausforderung aber unmöglich alleine stemmen können. Deshalb sind sie froh darüber, dass sich mehr als 100 Sulzbacher ehrenamtlich engagieren.

Mit rund 100 Asylbewerbern ist das Containerdorf an der Wiesenstraße 8 voll belegt. Dort sind überwiegend junge Männer aus Syrien und Afghanistan untergebracht, aber auch einige Familien. Etwa 30 Flüchtlinge, Familien aus Syrien, dem Irak, Pakistan und Afghanistan, wohnen in dem Haus am Neuenhainer Weg 1, das der Main-Taunus-Kreis von einer Privatperson als Asylbewerberunterkunft angemietet hat.

Die Flüchtlinge aus beiden Unterkünften haben engen Kontakt zu dem Betreuerteam, das sich in neun Arbeitsgruppen aufgeteilt hat und verschiedene Aufgaben erfüllt. Zwei offizielle Begegnungen, zu denen auch alle Sulzbacher eingeladen sind, gibt es wöchentlich: Dienstags von 16 bis 18 Uhr das „Café Come in“ im Gewölbekeller des Bürgerzentrums Frankfurter Hof (Cretzschmarstraße 6) und donnerstags von 9 bis 11 Uhr das gemeinsame Frühstück im katholischen Pfarrheim (Eschborner Straße 2).

Hochbetrieb herrscht in diesen Tagen bei Ilona Schiller, die die Arbeitsgruppe „Freizeit und Vereine“ leitet. Sie hat, unterstützt von Ulla Heitmüller-Klaus, mit rund 30 Flüchtlingen einen Spaziergang durch Sulzbach unternommen, bei denen die Teilnehmer aus Afghanistan und Syrien vom Rathaus bis zum Denkmal der „Käsfraa“ Einrichtungen der Gemeinde kennen lernten und Informationen über Sulzbach erhielten.

Derzeit ist sie mit weiteren Helfern dabei, die Sportangebote zu sondieren und die Interessenten zu den jeweiligen Gruppen zu bringen. „Das ist jetzt erst möglich, weil während der Weihnachtsferien die Sportstätten geschlossen waren“, berichtet Ilona Schiller. Eine Umfrage unter den Flüchtlingen hat ergeben, dass die meisten jungen Männer Fußball spielen wollen. „Das ist eine große Herausforderung. Der 1. FC Sulzbach ist schon mit im Boot, ich hoffe, dass sich auch die FG Eichwald beteiligen wird“, sagt Ilona Schiller, die auch Interessenten zu den Basketballern, den Tischtennisspielern und den Turnern der TSG sowie zu einer Volleyball-Freizeitgruppe vermittelt hat. „Die Übungsleiter sind sehr bemüht und nehmen die Gäste mit offenen Armen auf“, freut sich Ilona Schiller.

Großes Interesse findet auch der Gymnastikkurs, der von Paulina Gehring, einem Mitglied der Arbeitsgruppe „Freizeit/Vereine“, montags in der Altenwohnanlage „Im Brühl“ angeboten wird.

Die Verständigung erfolgt meist in englischer Sprache, die viele der in Sulzbach untergekommenen Flüchtlinge beherrschen. Einige haben in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes in ihrer neuen Heimat auch bereits erstaunlich gut Deutsche gelernt. „Und wenn es sprachlich gar nicht klappt, dann verständigen wir uns mit Händen und Füßen“, sagt die Rathaus-Koordinatorin Monika Moser.

Für Ilona Schiller ist der 22 Jahre alte Hasibullah aus Afghanistan, der in seiner Heimat das Studium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen hat, oftmals Helfer in der Not, wenn es um das Übersetzen geht. Hasibullah half der engagierten Vereinsringvorsitzenden auch am Dienstag dieser Woche, als beim Treffen im Gewölbekeller viele Fragen auf sie hereinprasselten.

„Nicht kippen lassen“

Nach Sportangeboten fragten der 21 Jahre alte Jawed aus Afghanistan, der die Schule beendet hat, in Deutschland die Sprache lernen und später ein Studium zum Konstruktionsingenieur absolvieren möchte, und sein 22 Jahre alter Landsmann Morteza, der zu Hause schon im Bereich der Telekommunikation gearbeitet hat und in Deutschland unbedingt das Klavierspielen lernen möchte. „Vielleicht meldet sich jemand, der da helfen kann“, hofft Ilona Schiller. Tischtennis spielen will der 25 Jahre alte Physiotherapeut Feras aus Syrien, der für den deutschen Weltklassespieler Timo Boll, der auf der Titelseite der aktuellen TSG-Nachrichten abgebildet ist, schwärmt. Hasibullah aus Afghanistan machte sich am Dienstag zum Sprecher der Flüchtlinge und sagte: „Wir sind dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die uns in Sulzbach entgegengebracht wird. Die Helfer versuchen in kurzer Zeit, alle Probleme zu lösen.“

Die frühere Lehrerin Ilona Schiller, die seit einigen Monaten im Ruhestand ist und zu einem Dreh- und Angelpunkt der Flüchtlingshilfe wurde, hob hervor: „Wir müssen es schaffen, dass die Bevölkerung von unseren positiven Erfahrungen informiert wird und dass nicht die schlimmen Ereignisse von Köln und Hamburg die Sache kippen lassen.“

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