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Rettungsdienst im MTK: Hilfe so schnell wie möglich

Der Rettungsdienst im Main-Taunus-Kreis stellt die Notfallversorgung rund um die Uhr sicher
Rettungssanitäterin Petra Gehrmann (44) checkt die Ausrüstung (u.a. Medikamente) in einem Rettungswagen des ASB Eschborn. Rettungssanitäterin Petra Gehrmann (44) checkt die Ausrüstung (u.a. Medikamente) in einem Rettungswagen des ASB Eschborn.
Main-Taunus. 

In der Rush-Hour wird’s besonders eng, auch wenn Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind. Wo kein Platz für eine Rettungsgasse ist, wird auf der Gegenfahrbahn überholt, und Kreuzungen werden trotz roter Ampel überquert. Manchmal bleiben nur wenige Zentimeter Platz – und das bei mitunter flotter Geschwindigkeit. Am Steuer des Rettungswagens sind daher besondere autofahrerische Fähigkeiten gefragt, und so erhält jeder Mitarbeiter ein Fahrsicherheitstraining sowie eine Unterweisung in die Straßenverkehrsordnung. „Aber vieles lernt man einfach automatisch“, so ein Rettungssanitäter, der sich gerade durch den stockenden Berufsverkehr einen Weg zu einer Unfallstelle in Eschborn gebahnt hat. Ein jugendlicher Radfahrer kollidierte mit einem abbiegenden Auto, aber die Folgen sind glimpflich, mehr als ein geprellter Knöchel ist nicht zu behandeln.

Info: Neuer Ausbildungsberuf: Notfallsanitäter

Mit dem im Januar 2014 in Kraft getretenen Notfallsanitätergesetz wurde die Sanitäterausbildung grundlegend erneuert. Bisher gab es nur eine zweijährige Lehre zum Rettungsassistenten.

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Insgesamt sind elf dieser Mehrzweck-Rettungsfahrzeuge im Main-Taunus-Kreis rund um die Uhr einsatzbereit. Diese sind in fünf Rettungswachen stationiert, die von traditionsreichen Hilfsorganisationen betrieben werden: In Bad Soden, Hofheim und Wicker ist das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich, in Fischbach der Malteser-Hilfsdienst und in Eschborn der Arbeiter-Samariter-Bund. In Hessen sind darüber hinaus auch Berufsfeuerwehren und Privatunternehmen im Rettungsdienst tätig; jährlich kommt es so zu rund einer Million Einsätzen. Im Main-Taunus-Kreis liegt die Zahl bei etwa 34 000 pro Jahr, von denen über die Hälfte Notfälle betreffen, und etwa jedes fünfte Mal sind Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) involviert. Drei dieser NEFs sind an den zwei Notarztwachen an den Kliniken in Bad Soden und Hofheim verfügbar.

 

Die Leitstelle steuert

 

Krankentransporte machen einen großen Teil der Rettungsdienstfahrten aus, etwa wenn Patienten für eine spezielle Untersuchung oder Weiterbehandlung in ein anderes Krankenhaus gebracht werden müssen. Jeder Wagen ist immer mit mindestens einem Rettungsassistenten und einem Rettungssanitäter besetzt, der zumeist gleichzeitig der Fahrer ist. Allein beim ASB in Eschborn sind insgesamt 19 Rettungsassistenten und 11 Rettungssanitäter tätig, die in der Regel spätestens nach zehn Minuten an jedem an einer Straße gelegenen Notfallort innerhalb ihres Einsatzgebiets eintreffen können. Denn statistisch gesehen benötigt jeder Bürger alle zehn Jahre einmal den Rettungsdienst, und dann ist es oft wichtig, dass es schnell geht. So wird direkt nach einem Notruf – alle Anrufe bei der 112 laufen in der Zentralen Leitstelle in Hofheim auf – die sogenannte Rettungskette in Gang gesetzt, um einen Notfallpatienten optimal zu versorgen: Nach gegebenenfalls lebensrettenden Sofortmaßnahmen durch Personen vor Ort übernimmt der Rettungsdienst die medizinische Erstversorgung und gewährleistet einen sachgerechten Transport in das nächstgelegene, geeignete Krankenhaus.

Zur Erfassung und Betreuung von solchen Einsätzen des Rettungsdienstes existiert ein ausgeklügeltes System: Der Einsatzbearbeiter in der Zentralen Leitstelle, der einen Notruf entgegennimmt, übermittelt eine erste Beurteilung der Situation als Zahlencode an die Besatzung des Rettungswagens. Er gibt auch vor, ob die Fahrt zum Einsatzort mit oder ohne „Sondersignal“, so der korrekte Begriff für Blaulicht und Martinshorn, erfolgen soll. Haben die Retter den Patienten begutachtet, geben sie per zwölfstelliger „Rückmeldezahl“ (RMZ) ihrerseits Informationen an die Leitstelle. Verschlüsselt findet sich darin neben Angaben zum medizinischen Zustand des Patienten auch der „Patientenzuweisungs-Code“ (PZC). Dieser umfasst das Alter des Betroffenen sowie eine grobe Diagnose und die Dringlichkeit, was eine akute Weiterversorgung betrifft. Aufgrund dieser Daten filtert das System dann die passenden freien Kapazitäten in fast allen Krankenhäusern Hessens heraus. „Interdisziplinärer Versorgungs-Nachweis“ (IVENA) heißt dieses elektronische Wunderwerk, das inzwischen in ganz Hessen im Einsatz ist.

Sobald in einer Klinik kritische Bereiche wie die Intensivstation, der Schockraum oder die „Stroke Unit“ für Schlaganfallpatienten ausgelastet sind, wird dies rot angezeigt, allerdings erkennt der Einsatzbearbeiter auch, wo in Kürze wieder etwas frei wird. So kann er den Rettungswagen gezielt in das geeignete Krankenhaus in der Nähe schicken. Das Pflegepersonal in der Notaufnahme bekommt über eine entsprechende farbliche Markierung signalisiert, in welchem Zustand der Patient die Klinik erreicht. Ob eine solche Fahrt dann mit Sondersignal stattfindet, entscheidet die Rettungswagenbesatzung, oft auch nach Verkehrslage.

 

„Ein Transportauftrag“

 

So hat sich etwa der ältere Mann, der – deutlich unterzuckert – auf dem Bürgersteig liegend aufgefunden wurde, nach einigen Schlucken Cola so weit erholt, dass er zwar keine Sondersignalfahrt mehr benötigt, aber dennoch ins Krankenhaus gebracht wird. Denn jeder Einsatz ist in der Regel auch ein Transportauftrag, wie Jörg Blau, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Main-Taunus-Kreis, erläutert. „Eine Rettungswagenbesatzung muss grundsätzlich jeden Patienten transportieren, allerdings impliziert schon das Wort ,grundsätzlich’, dass Ausnahmen möglich sind.“ Wenn jedoch der Gesundheitszustand eines Patienten falsch eingeschätzt wird, so dass es nicht zeitnah zu einer adäquaten Behandlung kommt, dann kann dies weitreichende und gegebenenfalls fatale Konsequenzen haben. Blaus ganz besonderes Augenmerk gilt daher der Qualitätssicherung im Rettungsdienst, auch wenn selbst durchweg zertifizierte Prozesse nicht komplett verhindern können, dass Fehler passieren. „Wichtig ist es generell, ein gutes Bauchgefühl für den Patienten zu entwickeln und den gesunden Menschenverstand einzusetzen“, meint Blau. Gefragt seien Sorgfalt im Umgang mit Menschen und soziale Kompetenzen. „Im Vordergrund steht immer die Patientensicherheit, daher trainieren wir das Rettungspersonal dahingehend, zu erkennen, in welchen Situationen sie selbst entscheiden können und wann sie zusätzlich einen Notarzt anfordern müssen“, erläutert Blau. Ein Katalog mit klar definierten Indikationen, wann ein Notarzt hinzuzuziehen ist, hilft, „aber im Zweifelsfall – wenn nicht schon durch die Leitstelle geschehen – muss dieser immer angefordert werden,“ betont Blau. Im Qualitätsmanagement festgeschrieben ist auch die Vorgabe, dass ein Patient 60 Minuten nach dem Erstkontakt im Krankenhaus sein muss, „aber letztlich entscheidend ist es, die Prozesse zu verknüpfen, also beispielsweise schon während der Erstversorgung und des Transports Antibiotika zu verabreichen, damit die Behandlung im Krankenhaus direkt darauf aufbauen kann.“

 

Grenzen

 

Nicht alle Einsätze lassen sich allerdings mit der Einlieferung des Patienten in die Klinik komplett „abstreifen“. Rettungskräfte, die durch ihre Erlebnisse akut traumatisiert sind, erfahren kompetente „Hilfe durch Helfer“. Doch bei einer langfristigen posttraumatischen Belastungsstörung kann das nur aufgearbeitet werden, wenn die Betroffenen sich „outen“ oder deren Führungskräfte dies erkennen. Irgendwann kommt aber auch der psychisch stabilste Mitarbeiter an seine – körperlichen – Grenzen. Rettungsassistent Sven Buhlmann (32) macht sich schon jetzt Gedanken, wie es dann weitergehen könnte: „Einige wechseln in die Verwaltung oder Leitstelle, aber manche machen beispielsweise noch eine Zusatzausbildung als Betriebssanitäter oder beginnen gar ein Medizinstudium.“

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