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Schafleder für die Orgel: Historische Bürgy-Orgel in Diedenbergen wird restauriert

Von Die Bürgy-Orgel in der evangelischen Kirche wird restauriert. Sechs Monate kann das dauern, die Kosten werden auf 60.000 Euro geschätzt.
Orgelbauer Johann Conrad Bürgy. Bilder > Orgelbauer Johann Conrad Bürgy.
Diedenbergen. 

Auf ganz neue Töne müssen sich die Diedenbergener in der evangelischen Kirche für eine Weile einstellen. Lange wurde das Vorhaben aufgeschoben, jetzt ist das Geld zusammen, am Montag beginnt die Restaurierung der fast 250 Jahre alten Orgel. Den musikalischen Teil des Gottesdienstes übernimmt dann eine kleine elektrische Orgel. Die kann klanglich mit der großen Kirchenorgel keinesfalls mithalten, aber an der Restaurierung führt kein Weg vorbei.

Für 1400 Gulden nach Diedenbergen verkauft

Es war der 1721 in der Schweiz in Schaffhausen geborene „hochfürstliche Hessen-Homburgische Hoforgel- und Instrumentenbauer“ Johann Conrad Bürgy, der die Diedenbergener Orgel im Jahre 1768 für

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Mit der Orgelbaufirma Förster und Nicolaus ist es nicht irgendein Unternehmen, das den Auftrag bekommen hat, sondern es schließt sich ein Kreis. Gebaut wurde die Orgel nämlich von dem Bad Homburger Orgelbauer Johann Conrad Bürgy. Der hat seine Firma an seine Söhne übergeben, die das Unternehmen weiterführten – und dieser Betrieb ist bis heute unter dem Namen Förster und Nicolaus tätig.

Luftkanal aus Pappe

Es wäre eventuell weise gewesen, diese Firma auch früher mit Reparaturen zu beauftragen; vielleicht wären manche Fehler vermieden worden. Beispielsweise wurde der einst aus Leder angefertigte Luftkanal erneuert, allerdings wurde in den 1970er Jahren dafür Pappe verwendet. „Das hält natürlich längst nicht so lange“, sagt Sibylle Giesbert, die Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Jetzt wird wieder ein Luftkanal aus Leder eingebaut. Ohne diese Reparatur hätte die Orgel über kurz oder lang keinen Ton mehr herausgebracht, hatte Thomas Wilhelm gemahnt, Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

„Das Leder muss von Schafen kommen, die nie mit Antibiotika behandelt wurden“, weiß Giesbert, die sich durch das Vorhaben viel Wissen über Orgeln angeeignet hat. Viel Spaß hat sie daran gefunden, und das kann nicht verkehrt sein. So bleibt auch die Motivation erhalten, sich weiter um das Projekt zu kümmern. Immerhin rechnet die Kirchengemeinde damit, dass die Restaurierung ein halbes Jahr dauern wird.

Einige Pfeifen sind krumm

Andere Schäden sieht man auch von den Kirchenbänken aus – die kleineren und älteren Pfeifen der Orgel sind ein wenig krumm geworden und sehen mitgenommen aus. Also werden sie ausgebaut und in der Werkstatt bei Förster und Nicolaus fachgerecht überarbeitet. Auch bei den Orgelpfeifen rächen sich jetzt Fehler, die bei früheren Sanierungen gemacht wurden: Das Material sei 0,3 Millimeter dick, sagt Giesbert. Es wurden damals aber zu dicke Anlängungen eingebaut, die daher zu steif sind. Dies hat die Orgel beim Stimmen stark beschädigt. Wobei man zur Ehrenrettung der 1971 beauftragten Firma sagen muss, dass diese mutmaßlich schon nach dem damaligen Wissensstand korrekt gearbeitet hat.

„Nach Abschluss der Arbeiten haben wir ein Instrument, das genau so klingt, wie es vor fast 250 Jahren geklungen hat“, sagt Giesbert. Im Jahre 2019 wird das Instrument 250 Jahre alt, und nach Giesberts Vorstellungen soll dieses Jubiläum auch gewürdigt werden. Sie weiß von renommierten Organisten, die gerne einmal ein Konzert auf der Diedenbergener Orgel spielen würden. Nach der Restaurierung werden sie dies noch lieber tun als früher. Nach den Worten von Orgelexperte Wilhelm soll das Instrument nämlich nicht nur in einen „dauerhaft funktionssicheren“, sondern auch in einen „musikalisch inspirierenden Zustand“ versetzt werden.

Abgezeichnet habe sich seit langem, dass die Orgel restauriert werden müsse, sagt Kirchenvorsteherin Sibylle Giesbert. Deshalb habe die Gemeinde auch den einen oder anderen Euro für die Restaurierung zur Seite gelegt. Eine Spendenaktion hat 18 000 Euro gebracht. Besonders geholfen hat ein Sonderprogramm der Bundesregierung für denkmalgeschützte Orgeln: Aus diesem Topf wurden für Diedenbergen 50 000 Euro bewilligt. Und nun wurde noch ein Förderbescheid über 20 000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege und der Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen an die Kirchengemeinde übergeben.

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