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Höchster Mythen – spannend erzählt

Von Mehr als 150 Teilnehmer drängten sich zur Höchster Altstadtführung anlässlich des Schlossfestes. Die Historikerin Silke Wustmann nahm sie auf eine unterhaltsame Zeitreise durch die Jahrhunderte mit und schilderte den ewigen Kampf und Wettstreit mit den Frankfurtern.
Silke Wustmann bei der Führung durch die Höchster Vergangenheit. Bilder > Silke Wustmann bei der Führung durch die Höchster Vergangenheit.
Höchst. 

Kaum hatten die letzten Führungsteilnehmer einen Sitzplatz in der Justinuskirche ergattert, da fragte Silke Wustmann, was sie mit der Gründungssage am Main verbinden: „Hirschkuh“ und „Frankenfurt“ , hallte es kurz darauf durch das Gotteshaus. Doch wer hätte gedacht, dass auch die Höchster ihre eigene Gründungssage um Karl den Großen kennen? „Das war der berühmte Knappe Hostato, der nach einer verlorenen Schlacht gegen die Basken extra an den Main geeilt kam und darauf von Karl zum Ritter geschlagen wurde“, erzählte die Stadtführerin.

Zwar mag sich der legendäre Hostato nicht mit der bereits 778 verlorenen Schlacht, der ersten urkundlichen Erwähnung Höchsts anno 790 und der Grundsteinlegung für die Justinuskirche 830 in Einklang bringen lassen. „Doch die Höchster wollten sich genauso wie die Frankfurter eine stolze Gründungssage ausdenken“, schmunzelte Wustmann. Dabei können sie sich im wahrsten Sinne des Wortes überhöht fühlen: Denn ihre „Villa Hostat“ datiert vier Jahre vor „Franconofurt“ als hohe Statt zum Schutz vor dem Main – daher auch der Name.

Dagegen blieb es den mehr als 150 Teilnehmern mit Blick auf die Zeit erspart, den gesamten Weg von der Justinuskirche hinunter zum Main zurückzulegen. In den vergangenen Jahren seien während des Höchster Schlossfestes rund 30 Teilnehmer zum Rundgang gekommen, künftig müsse man die Organisation dem gestiegenen Interesse anpassen, freute sich die Fachfrau.

Fachkundig erklärte die Kunsthistorikerin die karolingischen Säulen und Kapitelle der früher reich illuminierten Justinuskirche, bevor sie das Höchster Rathaus als weiteren Meilenstein im Wettkampf mit den Frankfurtern enttarnte. Silke Wustmann studierte selbst in Florenz und weiß, was es bedeutete, nach dem Höchster Stadtbrand 1586 während der italienisch geprägten Renaissance spätgotische Treppengiebel errichten zu lassen. „Das war ein Affront gegen die Giebelfassade des Frankfurter Rathauses am Römer,“ stellte sie fest.

Das mittelalterliche Kräftemessen zeigte sich auch am Schlossplatz, der „Guten Stube“, die im Gegensatz zum Römerberg fast vollständig erhalten ist: Hier erhob der Mainzer Kurfürst für die Schiffe auf dem Weg zur Frankfurter Messe den Höchster Mainzoll. „Und weil dies so lange dauerte, blühte die Gastronomie am Schlossplatz, so mancher Gastwirt wird die Zöllner bestochen haben“, so Wustmann. Davon zeugen bis heute prominente Namen wie die „Alte Zollwache“ oder der in den 1970er Jahren rekonstruierte „Karpfen“, in dem die stattlichen Fische aus dem Schlossweiher als Leckerbissen angeboten wurden.

Weiter ging der Rundgang zum Alten Schloss, das aus einer Zollburg entstanden ist und dafür manches Mal im Auftrag der Frankfurter zerstört wurde. „Sogar der Bolongaropalast in der Neustadt wurde aus Schlosstrümmern erbaut.“ Zeigt sich das Alte Schloss heute mit einem adäquaten Renaissance-Schweifgiebel, so zeugt das Stadttor zum Main von der Wehrhaftigkeit, mit der sich die Höchster vor ihren Widersachern zu schützen versuchten und sogar Batterien von Kanonen zum Mainufer richteten.Schließlich erklärte Wustmann den Adelshof des Kronberger Hauses und das Spittal des Antoniterklosters, bei dem das Borstenvieh eine besondere Rolle spielte. „Dort behandelte man Vergiftungen durch Mutterkorn und damit verbundene Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen, genannt Antoniusfeuer.“ Meist lief es auf Amputationen hinaus, die arme Leute nur mit Ferkeln bezahlen konnten, die Hirten im Klosterdienst kastrieren mussten. „Daher kommt auch der Ausdruck Schweinepriester als ablehnendes Schimpfwort“, erklärte die Stadtführerin und hatte einmal mehr die Lacher auf ihrer Seite.

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