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Adventsfeier mit Flüchtlingen: Hoffnung auf ein kleines Stück Leben

Von Sie kommen aus Somali, Pakistan oder Ägypten, sind auf riskanten Wegen hierher gekommen, um ein „bisschen Leben zu erhalten“. Für viele der Flüchtlinge, die in den Eppsteiner Unterkünften wohnen, war die Adventsfeier in der Emmaus-Gemeinde das erste Fest in Frieden.
Pfarrer Moritz Mittag (Mitte) und Kamal Ibrahim (links daneben) freuten sich, dass viele der in Eppstein lebenden Flüchtlinge zur vorweihnachtlichen Begegnung gekommen waren. 	 Foto: Hans Nietner Pfarrer Moritz Mittag (Mitte) und Kamal Ibrahim (links daneben) freuten sich, dass viele der in Eppstein lebenden Flüchtlinge zur vorweihnachtlichen Begegnung gekommen waren. Foto: Hans Nietner
Bremthal. 

Die Tische sind mit Tannengrün, rotem Dekostoff und kleinen Nikoläusen geschmückt, das Buffet sieht verheißungsvoll aus. Der Saal des evangelischen Gemeindehauses Emmaus kann die vielen Menschen kaum fassen und die Musiker warten schon auf ihren Einsatz. Eine Adventsfeier wie so viele in diesen Tagen. Aber an den Tischen sitzen hier auch Menschen, für die eine solche Feier Neuland ist. Nur die allerwenigsten von ihnen versuchen, bei „O Tannenbaum“ oder „Leise rieselt der Schnee“ einzustimmen. Die Deutsch-Kenntnisse reichen dafür einfach noch nicht.

 

Großes Echo

 

Zu einer „vorweihnachtlichen Begegnung“ hatte der Arbeitskreis Asyl die Flüchtlinge und alle interessierten Eppsteiner eingeladen. Dass die Idee, die Kamal Ibrahim hatte, ein so großes Echo fand, darüber freute sich der gebürtige Ägypter, der seit 24 Jahren in Deutschland ist, wie ein Schneekönig. Dankbar sei er Pfarrer Moritz Mittag, der ohne zu zögern die Räume zur Verfügung gestellt habe, sagt Ibrahim. Er sei Muslim, sagt Ibrahim, das bringe in diesen Tagen oft Misstrauen ein angesichts des Terrors, den extremistische Muslime verüben. Doch die Christen in Bremthal seien „so offen und toll“ und gäben ihm „dieses Gefühl, akzeptiert zu sein. Das ist für mich wie ein Licht.“

 

Erfolgreiche Integration

 

Ibrahim steht für die Geschichte einer erfolgreichen Integration. Er liebe die deutschen Weihnachtslieder und überhaupt, wenn die Deutschen singen, verrät er während der Feier. Und er hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht, nun anderen zu helfen, in diesem Land gut anzukommen. Deshalb ist er, wie rund 60 andere Eppsteiner, Teil des Arbeitskreises Asyl, in dem Hilde Picard die Fäden zusammenhält. „Sie ist die Mutter der Kompanie“, sagt Pfarrer Mittag. Die Schicksale der aktuell 58 jungen Menschen, die in den beiden Unterkünften in der Schulstraße und im Haus Sandstein leben, bewegen die Vorsitzende des Arbeitskreises sehr. Einige hat sie bereits aufzeichnen lassen, um deutlicher zu machen, warum die Flüchtlinge ihre Heimat verlassen haben, um zum Teil auf lebensgefährlichen Wegen in Länder zu gelangen, die Freiheit und Sicherheit bedeuten.

„Viele, die hier sind, waren ,Boat-People’, die über das Mittelmeer gekommen sind“, weiß Pfarrer Mittag mittlerweile. Der 22-jährige Sidali aus Somalia ist einer davon. Er erzählt von den Kämpfen in seiner Heimat, wo der Staat junge Männer wie ihn zum Militär zwingt. „Die müssen dann lebenslang Soldat sein“, erläutert Hilde Picard, die dem jungen Mann Deutsch-Unterricht gibt. Er sei geflohen, „to get some life“ – um ein wenig Leben zu erhalten –, sagt Sidali, der von einem Medizin-Studium träumt. Der 30-jährige Atakilti aus Eritrea erzählt, er sei ein ganzes Jahr auf der Flucht gewesen.

Zwei junge Mädchen aus Pakistan hat Hilde Picard persönlich in der Unterkunft abgeholt, damit sie den Abend miterleben können. „Die gehen zum ersten Mal zu einem Fest. Das war eine Arbeit, bis die Familie sie hat weggehen lassen“, erzählt Picard schmunzelnd. Nun sitzen die beiden mit ihren Kopftüchern mit lauter Frauen aus Eppstein an einem Tisch, die sie gleich in ihre Mitte genommen haben. „Aufgeschlossen, sensibel, dankbar und bescheiden“ erlebe der Arbeitskreis die Flüchtlinge, sagt Picard.

 

Gutes und starkes Zeichen

 

Kamal Ibrahim sagt seinerseits zwischen den Weihnachtsliedern, die die Familie Riedel begleitet, es sei toll, wenn man nach Hilfe frage und von den Menschen im Asylkreis sofort als Antwort „selbstverständlich“ höre.

Pfarrer Mittag ändert dann kurzfristig das kleine Programm, aus Freude darüber, dass Landrat Michael Cyriax seiner Einladung gefolgt ist. „Ein gutes und wie ich finde auch starkes Zeichen“, sagt Mittag. Zwar wolle sich Cyriax eigentlich nur bescheiden im Hintergrund halten, aber er würde ihm gern das Wort geben, erläutert der Hausherr. Der Landrat würdigt „das großartige Engagement“ der Eppsteiner, nachdem es anfangs doch auch Vorbehalte gegen die Einrichtung von gleich zwei Unterkünften in Bremthal gegeben habe. „Das machen wir bestimmt nicht, weil wir Bremthal ärgern wollen“, doch sei der Wohnungsmarkt eben leer im MTK. Toll sei, wie die Kirchen seiner Bitte, sich für die Flüchtlingsintegration zu engagieren, gefolgt seien. Allen im Saal sagte Cyriax, er sei „dankbar, dass sie sich hier zusammensetzen und Nachbarschaft pflegen. Das machen sie wunderbar, da kann man nur stolz drauf sein“.

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