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Schule im Main-Taunus-Kreis: „Homologie“ in der Schule

Die Gesamtschule Fischbach hat jetzt als erste weiterführende Schule im Main-Taunus-Kreis das Fach „Homologie“ auf den Stundenplan gesetzt.
Malte Anders bei einer seiner Homologie-Stunden. Foto: Dominik Rinkart Malte Anders bei einer seiner Homologie-Stunden.
Fischbach. 

Der Begriff Homologie ist aus dem Altgriechischen abgeleitet (homos „gleich“ und logos „Wort, Sinn“) und wird in vielen wissenschaftlichen Disziplinen benutzt, um etwas zu beschreiben, was ähnlich und doch irgendwie auch etwas anders zugleich ist.

Malte Anders ist dann auch passenderweise der Name desjenigen gewesen, der den rund 140 Schülern aus den 9. und 10. Klassen der kooperativen Gesamtschule die erste Homologie-Stunde vor dem Hintergrund einer Erziehung zur Toleranz und kulturellen Vielfalt in der Aula verpasst hat.

„Das war ja viel cooler als der normale Unterricht“, lautete das einhellige Urteil der Schüler nach der 50-minütigen Homologie-Einführung, in der der charismatische Durchstarter Malte Anders mit viel Witz, Selbstironie und Humor zum Nachdenken über Vorurteile angeregt hat. Hinter der Kunstfigur mit der Baseballkappe und dem karierten Hemd steckte der Theaterpädagoge Timo Becker, der den Jugendlichen über sein kabarettistisches Schulprogramm eine völlig neuartige Herangehensweise an gesellschaftspolitisch relevante Themen eröffnet hat, die im Alltag der Heranwachsenden eine große Rolle spielen. Dazu gehört die sexuelle Orientierung genauso wie die Toleranz, aber auch die Homosexualität, gegen die es aufgrund fehlender Auseinandersetzung mit der Thematik gerade auch in der Pubertät und der damit einhergehenden Intoleranz immer noch jede Menge Vorurteile und Ablehnung gibt. Schimpfworte wie „Schwuchtel“ oder „schwule Sau“ sind schließlich Alltag auf deutschen Schulhöfen.

Kein Schimpfwort

Der 32-jährige Theaterpädagoge hat sich bei seinem Auftritt der Sprache und der Alltagsgewohnheiten des „Homo Smartphonicus“ bedient und damit einen guten Zugang zu den Schülern bekommen. Es wurden auch jede Menge Bezüge zu den üblichen Schulfächern hergestellt. Anders hat den Schülern beispielsweise erklärt, dass „Homo“ gar kein Schimpfwort ist, sondern das lateinische Wort für Mensch ist. Mit dem Dreisatz aus der Mathematik wurde die geschätzte Zahl der Schwulen und Lesben in Deutschland heruntergebrochen, so dass statistisch gesehen in jedem Klassenzimmer ein bis zwei homosexuell fühlende Schüler oder Schülerinnen sitzen. Einen Ausflug in die Erdkunde gab es, als der 32-jährige Theaterpädagoge thematisierte, in welchen Ländern der Erde Homosexuelle verfolgt und teilweise sogar mit dem Tod bestraft werden, wie das auch unter den Nationalsozialisten hierzulande der Fall war. In der Frage- und Antwortrunde zum Schluss des Programms wurde Malte Anders dann wie üblich als allererstes gefragt, ob er selbst schwul sei, was der Theaterpädagoge bejahte. „Ich heißte aber nur Anders und fühle mich nicht so“, versicherte der Theaterpädagoge, der danach noch jede Menge weiterer Fragen zum Thema Homosexualität und seinem eigenen Werdegang genauso locker und humorvoll beantwortete.

„Über Humor erreicht man einfach mehr, und er ist unverfänglicher“, weiß Schulleiter Timo List. Er ist deshalb von dem Homologie-Programm total begeistert, das er dank der Unterstützung durch die Bürgerstiftung an die Gesamtschule holen konnte, wo es im Unterricht nachbereitet worden ist.
 

Malte Anders | Homologie from Dennis Brücher on Vimeo.


(wom)
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