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Ihr Held ist deprimiert und mutlos

Von Lena Hoffmann hat einen Roman geschrieben. Er befasst sich mit einem nicht allzu leichten Stoff. Ihr Debüt handelt von selbstverletzendem Verhalten und heißt „Fabian. In memoriam“.
Eschborn. 

Der Autor muss nicht alles, worüber er schreibt, selbst erlebt haben, aber er muss sich in seine handelnden Figuren hineinversetzen können – dies sei vorweg gesagt für alle diejenigen, die sich fragen, wie eine 29 Jahre alte Frau auf so ein Thema kommt.

Lena Hoffmann kann sich hineinversetzen in die Gedankenwelt Fabians, der Hauptfigur ihres Romans, der selbst an heißesten Tagen langärmelige Pullover trägt – aus gutem Grund. Er ist genervt von seinen Eltern und ist der Außenseiter in der Schule. Er hat Mühe, zu irgendjemandem Vertrauen zu fassen, ist deprimiert und mutlos.

Sie ist Lehrerin

Hoffmann versetzt sich auch gut in den Schulneuling Marc, der unvoreingenommen auf Fabian zugeht, bis er selbst fürchtet, zum Außenseiter zu werden. Hoffmann fühlt sich in die Eltern von Fabian hinein, die mit Unverständnis reagieren und keine Ahnung zu haben scheinen, was in ihrem Sohn wirklich vorgeht. Das Ende der Geschichte ist absehbar. Es ist die Chronologie einer unglücklichen und deprimierten Jugend – sie ist einfühlsam beschrieben.

Lena Hoffmann ist eine lebenslustige, junge Frau. Drei fröhliche Katzen streifen um ihre Beine. Im vergangenen Jahr zog sie nach Eschborn. Sie stammt aus Wettenberg, ist Lehrerin und unterrichtet seit 2013 an der Karl-Oppermann-Schule in Unterliederbach. Das ist eine Schule in der Nachbarschaft der Städtischen Klinken in Frankfurt-Höchst.

Tod und Vergänglichkeit

Hoffmann ist Förderschullehrerin für Mathematik und Deutsch, hat Germanistik und Geschichte studiert. „Ich habe schon immer Geschichten geschrieben“, sagt Lena Hoffmann. Bevor das erste Buch fertig wurde, tippte Lena Hoffmann auf ihrem PC seitenweise Fantasy-Geschichten, „mit Kämpfern, Rittern und Drachen“. Ihr Traum war es „immer, irgendwann ein Buch herauszubringen, etwas zu hinterlassen“, sagt Lena Hoffmann.

In „Fabian. In memoriam“ geht es nun um etwas ganz anderes als um Fantasy. „Das Thema war schon immer in meinem Kopf“, erzählt Hoffmann. Sie meint damit das Thema Tod und Vergänglichkeit. Das Leben sei so kurz, sie stellt sich vor, „da blitzt dann ein Mini-Licht auf, wie ein Stern am Himmel, und das war dann das Leben. Das ist doch schade.“ In ihrer Grundschulzeit ist ein Klassenkamerad an einem Hirntumor gestorben. „Ich bin in einem roten Pulli zur Beerdigung gegangen, weil ich gar nicht erfasst habe, was Beerdigung bedeutet“, schildert sie. Jahre später hat ein Schulkamerad entschieden, aus dem Leben zu scheiden. „Da überlegt man, was in so jemandem vorgeht. Das ist hängengeblieben“, sagt die Autorin – so, wie sich auch sonst viele Streiflichter ihres Lebens in ihrem Roman wiederfänden, fügt sie an.

Irgendwann in den Semesterferien hat sie sich an die Tastatur gesetzt – sechs, acht Wochen hat sie durchgeschrieben. „Das Grundgerüst stand nach kurzer Zeit“, berichtet Hoffmann. Dann war der Roman da. Die Feinarbeit hat noch einmal ein Jahr gedauert. „Mit dem, was ich dann fertig hatte, war ich so zufrieden, dass ich gesagt habe, damit gehe ich an einen Verlag“, erzählt die Eschbornerin.

Das Einsenden des Manuskriptes habe aber nichts gebracht, oft habe sie nicht einmal eine Antwort bekommen. Dann aber wurde sie gefunden, von einem Agenten. Im Internet hatte sie veröffentlicht, dass sie einen Verlag sucht. Der Agent vermittelte sie zum Verlag 3.0. Ihr erster Leser war ihr bester Freund und Trauzeuge. „Es hat ihm sehr gut gefallen“, sagt sie. „Das Wichtigste aber war, dass mein Vater gesagt hat, es gefällt ihm.“ Hoffmann lächelt und sagt: „Damit habe ich dann schon zwei große Kritiker gehabt.“ Nun findet sie: „Wenn es den Leuten gefällt und sie sagen, das Buch hat mich bewegt, dann habe ich mein Ziel erreicht.“ Aber letztlich habe sie das Buch um des Buches Willen geschrieben. Die junge Autorin brütet schon wieder über einem neuen Stoff. Aber sie weiß, es ist besser, wenn man vorher nicht darüber spricht.

Lena Hoffmann, „Fabian. In memoriam“ eine Erzählung über selbstverletzendes Verhalten, ist erschienen im Verlag 3.0, 298 Seiten, broschiert, ISBN-Print: 978-3-95667-045-9; 12,90 Euro.

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