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Ihre Kunst ist von der Zeit gezeichnet

Von Annita Romano, Brasilianerin aus Eschborn, stellt als neues Mitglied im Künstlerkreis aus.
Besondere Worte auf besonderem Untergrund: Annita Romano hat sich der Textilkunst verschrieben.	Foto: Nietner Besondere Worte auf besonderem Untergrund: Annita Romano hat sich der Textilkunst verschrieben. Foto: Nietner
Kelkheim. 

Je ne veux pas vivre dans la limitation de l’intelligence – ich möchte nicht in den Grenzen des Verstandes leben: Mit einem dunkelroten Faden sind diese Worte auf das Werk von Annita Romano gestickt. Wie mit einer zarten Handschrift geschrieben, schlängeln sie und andere Texte mehr das Leinen. Weich und ungespannt hängt das Stoffbild an der Wand. Es berührt den Betrachter auf eine leicht zugängliche, intuitive Weise. Vielleicht, weil es so, wie es in der Galerie Kunstraum 44 an der Breslauer Straße hängt, zunächst eher an eine schöne Decke erinnert, die jeder anfassen und drapieren könnte. Zudem fordern die Sätze, die sich in Französisch und in scheinbar zarter Handschrift über den fast goldfarbenen Untergrund schlängen, sofort zum Lesen auf.

Annita Romano ist neues Mitglied im Kelkheimer Künstlerkreis. Die gebürtige Brasilianerin hat lange Zeit mit ihrem Mann in Paris gelebt, bevor sie vor kurzem hierher nach Deutschland gezogen ist. Sie ist eine Vertreterin der textilen Kunst, eine Form, die immer mehr Aufsehen in der Kunstwelt erregt. Sie ist zwar nicht neu, ist aber durch diverse Ausstellungen und Messen in München, Paris und Berlin immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Für die Künstler öffnet sich hier ein Feld, das noch nicht ganz so abgearbeitet erscheint. Obgleich es diverse Formen der textilen Kunst – alleine durch die Mode oder die Teppichknüpferei – schon immer gegeben hat und sich einige Maler und Bildhauer in der Vergangenheit mit Textilien als Werkstoff in unterschiedlicher Weise befasst haben.

Auch Romano kommt ursprünglich aus der Malerei. Allerdings habe sie irgendwann angefangen, sich immer mehr für den Untergrund, auf dem sie malt, zu interessieren und sei so zur textilen Kunst gekommen. Und im Grunde male sie immer noch, sagt sie. Die 38-Jährige benutzt unterschiedliche Farben, Stoffe unterschiedlicher Texturen und bearbeitet diese. Es fasziniert sie, eine zeitliche Dimension mit ihrer Kunst abzubilden, in dem sie etwa mit alten oder schon vergilbten Stoffen – „déja marques par le temps“ (von der Zeit gezeichnet) – arbeitetet. Wenn sie über Kunst spricht ist, dann ist es der Eschbornerin noch lieber, es auf Französisch als auf Deutsch zu tun.

Mit den Stoffen, die sie bislang jedoch eher noch in zweidimensionaler Kunst verarbeitet, geht sie der Schönheit auf der Spur. Die sei jedoch meist „caché“ (versteckt). Hier sieht sie auch eine Parallele zu den Produzenten, die man meist mit Textilien und Handarbeiten verbindet: Frauen. Textilien sind traditionell ein weithin weiblich dominierter Bereich, den viele nicht sehr ernstnehmen und eher mit Handwerk verbinden. Vor allem dann, wenn es um Techniken wie Stricken, Nähen oder Sticken geht. Doch daran stört sich die studierte Architektin nicht. Vielmehr findet sie es spannend, sich weiter an den Stoffen, den verschiedenen Lagen und Texturen abzuarbeiten und die versteckte Schönheit zu entdecken.

In ihrer Ausstellung „Reflexionen“ zeigt der Künstlerkreis weitere spannende Arbeiten. So haucht Marlies Pufahl Frauen-Figuren andere Formen ein, in dem sie diese in leicht veränderten Perspektiven abbildet, Hintergründe benutzt und in Keramik umsetzt. Beeindruckende, dekorative und auf den zweiten Blick irritierende und eine gewisse Düsterheit ausstrahlende Fotografien gibt es von Franz Neudeck zu entdecken. Überdies sind Barbara Heier-Rainer, Uta Franck, Auri Neuroth, Adelheid Bieger, Yuriy Ivashkevich, Doris Brunner, Christa Steinmetz, Utz Schoris und Sibylle Möller dabei.

Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 26. Oktober, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Donnerstag und Samstag. 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Am 9. Oktober, 20 Uhr, liest Uta Franck zum Thema „Reflexionen“.

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