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Im Baum klettern wie die Profis

Von Der Waldkindergarten Schwanheim organisiert für fünf Sechsjährige zum Abschluss ihrer Kindergartenzeit ein ganz besonderes Klettererlebnis in Höchst. Die Zukunft des Baumes, den sie ersteigen dürfen, ist durch ein Bauprojekt gefährdet.
Der Baumpfleger Bernhard Adrian (links) zeigt seinem Sohn Camillo (6) die richtige Technik, mit der er am Seil die Buche hinaufklettern kann. In rund zwölf Metern Höhe haben Adrian und sein Kollege Antoine Demoux (hinten) Schultüten für die Kinder befestigt. Foto: Leonhard Hamerski Der Baumpfleger Bernhard Adrian (links) zeigt seinem Sohn Camillo (6) die richtige Technik, mit der er am Seil die Buche hinaufklettern kann. In rund zwölf Metern Höhe haben Adrian und sein Kollege Antoine Demoux (hinten) Schultüten für die Kinder befestigt.
Höchst. 

Mit kritischem Blick schaut Jona (6) die farbigen Seile an, die von den Ästen einer mächtigen Buche herabhängen. An einem dieser Seile soll der Knirps, der den Waldkindergarten Schwanheim besucht, versuchen hinaufzuklettern. Rund 20 Meter ist der Baum hochgewachsen und steht im Garten von Oliver Brück und Michelle Spillner in der Ludwigshafener Straße.

Keine Angst vor Höhe

In etwa zwölf Metern Höhe sind an den starken Ästen des gut 100 Jahre alten Baumes fünf kleine Schultüten befestigt. Eine davon ist für Jona reserviert, und die bekommt er nur, wenn er nach oben klettert. „Seit über zehn Jahren gibt es bei uns in der Einrichtung die Kletteraktion für die Kinder, die kurz vor der Einschulung stehen“, sagt Heidi Peter. Sie ist vom Waldkindergarten Schwanheim, dessen Träger der Verein zur Unterstützung berufstätiger Eltern ist.

Neben Jona sind auch Camillo, Darius, Johanna und Dewi (alle sechs Jahre) mit dabei; sie kommen ebenfalls im September in die Schule. Bei der Vorstellung, den Baum an den Seilen hinaufzuklettern, ist den Kindern ein wenig mulmig. „Vorher geübt haben wir nicht“, sagen Johanna und Dewi.

„Bisher haben wir die Aktion bei uns in Schwanheim durchgeführt, das ist dieses Mal nicht möglich“, sagt Heidi Peter. Zum ersten Mal sind sie hierfür nun nach Höchst in den Garten von Brück und Spillner gekommen – auf Empfehlung des Frankfurter Baumpflegers Bernhard Adrian, der die Aktion seit ihren Anfängen begleitet und vor allem sichert. Adrian hatte die Buche vor einiger Zeit in seiner Funktion als Baumpfleger begutachtet und festgestellt, dass diese kräftig, gesund und damit bestens geeignet hierfür ist.

Für die Realisierung der Aktion hat er sich Unterstützung von seinem Kollegen Antoine Demoux geholt. Gemeinsam haben sie alles für das Baumklettern der Kinder vorbereitet sowie Seile und Schultüten befestigt. Die beiden Profis sorgen dafür, dass die Knirpse beim Versuch, die Buche zu erklimmen, ordentlich gesichert sind, und weisen die Sechsjährigen außerdem in die richtige Klettertechnik ein.

Die ersten, die den Aufstieg wagen, sind Jona und Camillo, der Sohn von Adrian. Sie werden von den Profis auf ihrem Weg nach oben begleitet. Und der ist nur in entsprechender Ausrüstung möglich: Helm, Handschuhe und festes Schuhwerk sind Voraussetzung, ebenso ein Klettergurt, den die Kinder um ihren Körper tragen.

Profi-Ausrüstung

„Die Handschuhe brauchen wir, damit wir uns nicht die Finger verbrennen“, erklärt Jona. Nachdem er erst einmal ins Klettern gekommen ist, erreicht er den Ast mit den Schultüten recht schnell. Er nimmt eine ab und begibt sich wieder auf den Abstieg. „Ich hatte den einfacheren Weg, Camillo den schwierigeren. Deswegen braucht er auch länger“, sagt Jona und schaut nach dem Inhalt der Schultüte.

Brück und Spillner stellen gerne ihren Baum für die Aktion zur Verfügung. Sie freuen sich, so eine tolle Buche in ihrem Garten stehen zu haben, sind gleichzeitig aber auch in Sorge um deren Zukunft. Demnächst soll das zur Leunastraße gelegene, angrenzende Nachbargrundstück bebaut werden. Die Wurzeln des imposanten Baumes reichen auf das Gelände, auf dem derzeit noch neun weitere alte Bäume stehen. Drei hiervon, darunter eine rund 80 Jahre alte Kastanie, müssen dem Neubau weichen. Dass die anderen sechs Bäume erhalten bleiben, ist dem Engagement der Initiative „Grünes Höchst“ zu verdanken, in der auch Brück und Spillner aktiv sind. „Der Bauantrag für die Bebauung des Grundstücks ist mittlerweile gestellt“, sagt Brück. Das Gebäude soll gemäß der Pläne unterkellert werden. Die Gefahr, dass die Wurzeln seiner Buche bei den Baumaßnahmen Schaden erleiden, ist groß. „Wir wissen nicht, wie weit sie auf das Nachbargrundstück reichen“, sagt Brück. Gerne würde er den Wurzelraum vermessen lassen, braucht hierfür aber die Genehmigung des Grundstückseigentümers. „Ich habe ihn deswegen bereits im Februar angeschrieben, bisher aber noch keine Antwort bekommen“, sagt er. Werden die Wurzeln des Baumes beschädigt, drohe im schlimmsten Fall ein Absterben der Buche und der Verlust ihrer Standsicherheit.

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