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Zuckerbäcker findet keine Unterstützung: Imed Hamidi sucht seit drei Jahren einen Konditormeister – vergeblich

Konditormeister Imed Hamidi hat Erklärungen gefunden, warum es so schwer ist, Mitarbeiter zu finden: Die Bezahlung ist schlecht und die Arbeitszeiten sind nicht attraktiv.
Imed Hamidi mit einer selbst gebackenen Schwarzwälder Kirschtorte. Gerne hätte er Unterstützung, aber er findet niemanden. Foto: Hans Nietner Imed Hamidi mit einer selbst gebackenen Schwarzwälder Kirschtorte. Gerne hätte er Unterstützung, aber er findet niemanden.
Hattersheim. 

Imed Hamidi hat nichts zu verbergen: Jeder, der möchte, kann dem Konditormeister bei der Arbeit über die Schulter schauen. Der Tunesier rührt und backt hinter einem Schaufenster in der Frankfurter Straße. Vor den Augen von Passanten entstehen Torten, Croissants und kleine Desserts. Über dem Kopf des Zuckerbäckers stapeln sich Kisten mit Nüssen und weiteren Zutaten. Hamidi hat es geschafft, in einem schwierigen Handwerk Fuß zu fassen. Vom Angestellten eines Ferienclubs arbeitete er sich zum selbstständigen Konditor hoch.

Heute ist kaum noch jemand bereit, diesen Weg zu gehen. Imed Hamidi macht die Erfahrung, dass das Interesse an seinem Handwerk verloren geht. „Wo sieht man im Umkreis denn mal einen Hinweis, dass eine neue Konditorei aufmacht?“, fragt der Meister. Fast überall bekomme man nur noch Fertigprodukte. Von seinen Lieferanten höre er, dass Bäcker dringend gesucht werden, erzählt der Chef des Eiscafés Capri. Er selbst suche bereits seit drei Jahren nach einem ausgebildeten Konditor. Wenn er jemanden habe, der ihm unter die Arme greift, könne er Auszubildende annehmen. Momentan ist Hamidi in der Backstube auf sich allein gestellt.

26 Bewerber, keiner kam

Der Tunesier hat erlebt, dass es kaum Interesse an Ausbildungsplätzen gibt. Von 26 Bewerbern, die ihm das Arbeitsamt vermittelte, sei kein einziger vorbeigekommen. „Die jungen Leute schauen nur auf das Geld, das sie während der Ausbildung verdienen“, meint der Konditor. Er suche nach jemandem, der Freude und Begeisterung für den Beruf empfindet. Dass die Bezahlung Einsteiger abschreckt, kann Imed Hamidi allerdings nachvollziehen. Der Dessert-Spezialist kritisiert, dass der Tariflohn mit 450 bis 650 Euro vom ersten bis zum dritten Lehrjahr zu gering sei. „Da gehen viele lieber in die Bank oder werden Mechatroniker“, sagt Hamidi.

Der Café-Chef räumt ein, dass der von ihm gewählte Beruf kein leichter ist. Meist sei er sieben Tage die Woche im Einsatz. Wenn seine Backstube gut vorbereitet ist, beginne er gegen 7 Uhr morgens. An anderen Tagen lege er schon zwischen 3 und 4 Uhr los, berichtet Imed Hamidi. „Das ist eine Knochenarbeit.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Zutaten wie Milch, Butter oder Vanille-Schoten teurer werden. Den momentanen Anstieg der Preise könne er nicht einfach an die Kunden weitergeben. „Kein Wunder, dass viele Betriebe zumachen, betont der Konditor-Meister. Trotzdem macht ihm seine Arbeit immer noch große Freude. Dies zeigt sich, wenn Hamidi mit breitem Lächeln über Buttercroissants, gefüllte Datteln oder selbst produzierte Eissorten spricht. Motivation sind auch die positiven Rückmeldungen der Kundschaft und Auszeichnungen. In diesem Jahr prämierte die DLG ein Pistazieneis, eine Zitronensahnetorte und kleine Desserts des Tunesiers mit Gold. Die Leidenschaft, in der Küche zu arbeiten, habe er schon früh mit auf den Weg bekommen, erzählt Hamidi. Sein Vater arbeitete als Küchenchef in einer Ferienanlage und betrieb ein eigenes Restaurant. Imed Hamidi entdeckte das Konditorgewerbe im Jahr 1997 durch Zufall: Er habe in einem Ferienclub in Deutschland gearbeitet und sich dort mit einem Konditor angefreundet, der als Gast in die Anlage kam. Nach einigen netten Gesprächen habe er das Angebot angenommen, in der Backstube mitzuarbeiten.

Torten sind gefragt

Zehn Jahre lang lernte er in der Konditorei in Ascheberg, machte seine Ausbildung und legte schließlich die Meisterprüfung ab. 2007 wechselte er zu einem Catering-Unternehmen und betreute die Rennfahrer der Formel 1 als Patisserie-Chef. Dann machte er sich zunächst mit einem Café in Frankfurt-Oberrad selbstständig. 2014 eröffnete er das Eiscafé in Hattersheim. Trotz aller Anstrengungen und Hürden wirbt Hamidi heute noch für den Beruf des Konditors. „Leute werden immer heiraten und Geburtstagstorten brauchen“, erklärt der Bäcker lachend.

(sas)
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