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In den Betrieb statt in den Hörsaal

Von Immer mehr junge Menschen machen Abitur und studieren dann – aber ist das immer der beste Bildungsweg? Bei einer Diskussionsveranstaltung im Industriepark wurden alternative Möglichkeiten gezeigt.
Im Hörsaal im Industriepark wird darum geworben, dass Jugendliche zukünftig mehr für eine Ausbildung begeistert werden. Foto: Maik Reuß Im Hörsaal im Industriepark wird darum geworben, dass Jugendliche zukünftig mehr für eine Ausbildung begeistert werden.
Höchst. 

Die Zahlen, die Hans-Joachim Bärenfänger im historischen Hörsaal des Peter-Behrens-Baus des Industrieparks Höchst präsentiert, sind deutlich: Laut dem Berufsbildungsbericht 2015 des deutschen Bildungsministeriums begannen 2014 57,3 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigten auch ein Studium. Daneben stellt der Landeselternbeirat die Abbruchsquote von Bachelor-Studiengängen: 28 Prozent. Auch wenn immer mehr junge Leute also Abitur machen und danach studieren, heißt das nicht, dass dieser Bildungsweg immer der richtige ist. Bärenfänger spricht sogar von einem „volkswirtschaftlichen Desaster“.

Aus diesem Grund überhaupt haben sich jetzt rund 80 Lehrer, Eltern, Politiker und Wirtschaftsvertreter zur jährlichen Diskussionsveranstaltung „Vocatium im Dialog“ versammelt, organisiert durch den Ausbildungsbetrieb Provadis und das Institut für Talententwicklung: Sie wollten zeigen, dass Abitur und Studium nicht alternativlos sind und in gar nicht so wenigen Fällen sogar den falschen Weg darstellen. Der gesellschaftliche Blick auf die Bildung müsse verstärkt auch wieder der betrieblichen Berufsausbildung und dem dualen Studium gewidmet werden.

Mehr Durchlässigkeit

Das Stichwort für diese Entwicklung lautete in mehreren Impulsvorträgen „Durchlässigkeit“, womit beispielsweise der Provadis-Geschäftsführer Dr. Udo Lemke die Kombination verschiedener Bildungsabschlüsse meinte – er sprach von „hybriden Bildungswegen der Zukunft“. Insbesondere in der chemischen und pharmazeutischen Industrie sei die betriebliche Berufsausbildung zentrales Element des Erfolgs, bilde aber dennoch nur die Basis für Fortbildungen, Fachstudien und erfolgreiche Karriere. Von den 22 000 Beschäftigten des Industrieparks Höchst hätten, so Lemke, 80 Prozent eine Berufsausbildung absolviert. Nur ein Fünftel hingegen habe studiert. „Die Ausbildung ist ein gutes Fundament“, schloss Lemke, der zudem darauf hinwies, dass der Industriepark zu den größten Arbeitgebern Hessens zähle.

Großen Beifall erntete Christine Georg, Schulleiterin der Heinrich-Kraft-Schule in Fechenheim – Bärenfänger wollte sie am liebsten gleich für den deutschen Schulpreis vorschlagen. An dieser Integrierten Gesamtschule nämlich spielt der Übergang zur Hochschule eine untergeordnete Rolle: 80 Prozent der 518 Schüler absolvieren hinterher eine Berufsausbildung. „Wir versuchen, alle Schüler auf einen nach ihren Interessen und Fähigkeiten bestmöglichen Bildungsweg zu schicken“, sagte Georg.

97 Prozent der Schüler besäßen einen Migrationshintergrund, 92 Prozent kämen aus sozial benachteiligten Familien, weshalb man große Anstrengungen in die Berufsorientierung stecke und in vielen Fällen auch mit der freien Wirtschaft und externen Trägern kooperiere. Von der fünften Jahrgangsstufe an erhalten demnach alle Schüler regelmäßige Hilfestellungen, die Bewerbertrainings, Praktika, Betriebserkundungen und sehr viel mehr umfassen. Außerdem werden die Heinrich-Kraft-Schüler von Anfang an ihren Neigungen nach gefördert, indem sie Klassen mit Sport-, Kunst- oder naturwissenschaftlichem Fokus zugewiesen werden.

Wenige Arbeitslose

Um zu beweisen, dass die deutsche Bildungspolitik bei aller Kritik und Unvollkommenheit auch durchaus Vorteile hat, zeigte Bärenfänger noch weitere Zahlen. Demnach lag die Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten Europäischen Union 2014 bei 21,9 Prozent, im Euro-Raum sogar bei 23,7 Prozent – in Deutschland hingegen waren nur sieben Prozent arbeitslos. „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Bärenfänger.

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