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Flüchtlingsgeschichten: Integration geht durch den Magen

Flüchtlingsgeschichten von Schlesien über die DDR bis nach Syrien erzählen die mehr als 150 Seiten – und dazu gibt’s 30 Rezepte aus diesen Ländern.
Autoren unter sich: Nele Neuhaus umringt von Teresa Palm, Simone Kuhn, Lisa Henties, Sophia Wagener, Annika Landman, Marie Wittekind, Finn Helmke und Leonardo Lagona. Zum Team zählen weiterhin Jule Fabian, Christopher Haidt, Philipp Schmidt, Sven Schmidt, Sebastian Ubber und Mikail Kimsesiz. Foto: Knapp Autoren unter sich: Nele Neuhaus umringt von Teresa Palm, Simone Kuhn, Lisa Henties, Sophia Wagener, Annika Landman, Marie Wittekind, Finn Helmke und Leonardo Lagona. Zum Team zählen weiterhin Jule Fabian, Christopher Haidt, Philipp Schmidt, Sven Schmidt, Sebastian Ubber und Mikail Kimsesiz.
Kelkheim. 

Sieben Erbsen liegen in der Schote. Sie haben Gesichter und grüßen lächelnd in sieben Sprachen. Nur eine Seite weiter bekommen Messer, Gabel und Löffel Leben eingehaucht und rufen dem Betrachter ein freundliches „Hallo“ auf Englisch und Arabisch zu. Es sind zwei Bilder des syrischen Karikaturisten Hussam Sara, die ein Projekt der Eichendorffschule ohne viele Worte treffend beschreiben. 14 Schüler haben unter dem Titel „Grenzenlos – Essen verbindet“ mit ihrer Firma „Recigees“ (Englisch „Recipes“ für Rezepte und „Refugees“ für Flüchtlinge) ein Kochbuch produziert, das seit kurzem auf dem Markt ist. Das Werk umfasst über 150 Seiten und ist ein kulinarischer Streifzug rund um den Globus.

Eppsteinerin hilft

Es ist aber auch eine Reise durch mehr als ein Jahrhundert Flüchtlingsgeschichte nach Deutschland. Hier erzählen Menschen aus Schlesien, der DDR, Syrien, Afghanistan, dem Kaukasus oder Bosnien von ihren Schicksalen – und präsentieren dazu Rezepte aus der Heimat. Eine von ihnen ist die Eppsteinerin Gisela Rasper, deren Eltern als Deutschstämmige dem Stalin-Terror im Kaukasus in den 1930er-Jahren entgehen konnten. Sie wurde in Teheran geboren, aber dort war die Familie im Krieg nicht mehr sicher – eine abenteuerliche Flucht begann. Nachzulesen ist Raspers Geschichte in dem Schüler-Buch, von dem die Eppsteinerin schwärmt: „Das ist ganz toll, ich habe das mit großer Freude unterstützt“, sagt sie bei der Präsentation des Werkes bei „Violas Bücherwurm“. Natürlich hat sie Rezepte beigesteuert – vom Kaukasischen Spießbraten bis zum Käsebrot „Chatschapuri“ (siehe unten).

Neuhaus liest und lobt

Auch ein bekanntes Gesicht ist zur Lesung gekommen: Bestseller-Autorin Nele Neuhaus. Sie ist Aktionärin der Schülerfirma, hat Bestellungen aus dem Freundeskreis mitgebracht und schwärmt: „Die Schüler haben allen Enthusiasmus ins Projekt eingeschmissen.“ Diese Art von „Unterricht“ fördere das Selbstbewusstsein – von der Planung über die Produktion bis zum Marketing samt Verkauf. Da kann Lehrer Roland Struwe nur nicken. Die Schüler hätten Beachtliches geleistet, schließlich habe das Projekt nach dem Start nach den Sommerferien 2015 mal vor dem Aus gestanden. Es hätten sich Kontakte zu Flüchtlingen zerschlagen, doch die Schüler hatten „Plan B, C und D in der Tasche“, betont Struwe. Dann gab’s die Anfrage beim Flüchtlingskreis in Eppstein – und die dortige Helferin Gisela Rasper war rettender „Engel“. Nun geht „Recigees“ mit dem Projekt zum Landesentscheid der Schülerfirmen – Struwe hofft auf einen Platz auf dem Treppchen und kann sich einen zweiten Band gut vorstellen.

Rezepte: Chatschapuri-Brot, pakistanischer Milchreis und ...

Chatschapuri (Kaukasus) Zutaten für 4 bis 6 Personen: 500 g Weizenmehl, 20 g Hefe, 0,25 l Wasser, 3 Löffel Fett (zerlassene Butter), 2 Eier,

clearing

Die Schüler ebenfalls. Vorstandsvorsitzende Simone Kuhn träumt schon vom nächsten Rezeptbuch und findet es wie ihre Stellvertreterin Lisa Henties schade, wenn die Firma vor den Sommerferien wieder aufgelöst werden muss. Der Verkauf lief bestens an, daher sei eine Fortsetzung denkbar, sagt Simone. Und die Schüler haben ganz nebenbei Fortschritte beim Kochen gemacht. Denn fast alle Rezepte wurden ausprobiert. So schwärmt die deutsche Vorstandschefin etwa vom pakistanischen Milchreis.

Und hier schließt sich wieder der Kreis mit dem Slogan „Essen verbindet“. Die EDS-Schülerfirma will mit ihrem Projekt Brücken bauen in einer aktuellen Problematik. „Unser Ziel ist es, zwischenmenschliche Grenzen zu beseitigen und die Integration von Flüchtlingen zu fördern“, schreiben sie im Vorwort. Die Kelkheimer Schüler wollen mit den Geschichten, Erläuterungen zu den Ländern sowie der jeweiligen Übersetzung von „Guten Appetit“ in die Landessprache „etwas die Scheu vor dem Fremden nehmen“ und betonen: „Denn am Ende sind wir alle nur Menschen, so unterschiedlich und doch so gleich.“

 

Das Buch mit 30 Rezepten kostet 12 Euro. Es ist im Kelkheimer Buchhandel oder per Mail an recigees@gmail.com zu bekommen.

 

(wein)
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