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Jugendliche haben Mut zu harten Themen

Ausspäh-Affäre, EU-Erweiterung und der syrische Konflikt: Schüler der Leibnizschule nahmen SPD-Kandidaten Gregor Amann gestern in die Zange. Und machen nächste Woche auch ein virtuelles Kreuzchen.
Gregor Amann (Vordergrund am Tisch) stellt sich Fragen der Leibnizschüler in Höchst. Lehrer Claude Goerner hört interessiert zu.	Foto: Reuß Gregor Amann (Vordergrund am Tisch) stellt sich Fragen der Leibnizschüler in Höchst. Lehrer Claude Goerner hört interessiert zu. Foto: Reuß
Höchst. 

Bei einer Frage kommt Gregor Amann ins Schwimmen. „Warum“, setzt eine Schülerin an und streicht sich eine dunkle Locke aus dem Gesicht, „kann man die CSU nur in Bayern und nicht auch in Hessen wählen?“ Amann überlegt, wiegt den Kopf; das sei historisch gewachsen, sagt er dann. „Aber die genauen Gründe kenne ich auch nicht.“ Er lächelt entschuldigend.

 

Frühe Übung

 

Die Neuntklässler des Leibnizschule nehmen es ihm nicht übel. Neugierig betrachten sie den SPD-Direktkandidaten, der am Pult neben ihrem Politik-Lehrer Claude Goerner sitzt: Amann ist ein wuchtiger Mann mit sanfter Stimme, er tritt am 22. September als Bundestagskandidat im Wahlkreis 182 an, also in den westlichen Stadtteilen. Und er soll ihnen Rede und Antwort stehen. Auch wenn sie erst in ein paar Jahren ihr Kreuz machen.

„Ich finde es wichtig, dass die Schüler sich schon jetzt ein Bild vom Ablauf einer Bundestagswahl machen“, erläutert Lehrer Goerner. Zwar stellt sich neben Amann nur noch sein Kollege Matthias Zimmer, Direktkandidat der CDU, am Freitag den Fragen der Leipzigschüler; für mehr Gäste blieb keine Zeit. Dennoch ist nächste Woche das gesamte politische Spektrum gefragt. Dann dürfen die Neuntklässler selbst wählen; zur Wahl stehen die selben Kandidaten, die auch auf den richtigen Stimmzetteln abgedruckt sind. Das Ergebnis dieser „Juniorwahl“, wie das Projekt heißt, wird ebenfalls erst am 22. September verkündet.

Und welche Themen bewegen die Teenager? Zu Beginn wollen sie ganz praktische Details wissen: Wie Amann zur Politik gekommen ist. Und ob man nach Berlin ziehen muss, wenn man gewählt wird. „Ich habe mich schon früher in meiner Heimat in Schwaben politisch engagiert, zum Beispiel für ein Jugendhaus. Ich finde es wichtig, dass man mitbestimmt, was in seinem Land passiert“, berichtet Amann. „Jetzt ist Frankfurt mein Lebensmittelpunkt. Ich habe in Berlin aber eine zweite Wohnung. Die sehe ich aber nur im Dunkeln, weil ich sie frühmorgens verlasse und abends spät heimkomme.“

 

Viele würden wählen

 

Die Schüler schöpfen Mut - auch für Fragen zu härteren Themen. „Wie bewerten Sie die Vorgänge in Syrien?“, will ein Junge wissen. „Grausame Sache“, antwortet Amann. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er gegen ein militärisches Eingreifen der westlichen Mächte ist: „Ich habe in all meinen Jahren als Bundestagsabgeordneter nie für einen Auslandseinsatz gestimmt. Solche Konflikte muss man politisch lösen.“ Weitere Finger schnellen nach oben. „Sind Sie für den Beitritt der Türkei zur EU?“ Amann wiegt den Kopf. „Wenn Sie die Auflagen erfüllen und zum Beispiel an der Pressefreiheit arbeiten, ja.“ - „Was denken Sie über Edward Snowden? Immerhin hat er die Spionagepraktiken der USA aufgedeckt.“ - „Ich halte ihn für einen Helden“, sagt Amann. „Deutschland hätte ihm Asyl gewähren sollen.“

Zum Schluss hat aber auch Gregor Amann selbst eine Frage an die Schüler: „Würdet ihr wählen gehen?“, will er wissen. Die meisten nicken. „Man kann nicht die Wahl verpennen und sich dann beschweren“, findet ein Mädchen. Ihre Nachbarin gibt aber zu bedenken: „Die Themen sind aber sehr komplex. Da blickt nicht jeder Wähler durch - und fühlt sich vielleicht abgeschreckt.“ jro

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