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Naturschutz: Käfer Balkenschröter ist für barrierefreie Bushaltestelle umgezogen

Von Weil der Balkenschröter unter Naturschutz steht, musste der Käfer umgesiedelt werden. Im Steinmühlenweg hat er nun ein neues Domizil gefunden.
Der Balkenschröter aus der Familie der Schröter ist ein Käfer, der unter Naturschutz steht. Foto: (104655814) Der Balkenschröter aus der Familie der Schröter ist ein Käfer, der unter Naturschutz steht.
Weilbach. 

Monatelang beschäftigte der Balkenschröter die Stadtverwaltung – ohne sich dessen jemals bewusst zu sein. Seine Behausung stand dem barrierefreien Umbau der Bushaltestelle am alten Weilbacher Friedhof im Weg. Deshalb sollte er so schnell wie möglich umziehen. Doch auch davon wusste der Balkenschröter nichts. Der Winzling, der zur Familie der Schröter gehört, interessiert sich eigentlich in erster Linie für Bäume, Laubbäume um genau zu sein. Da es diese vor dem Friedhof in Weilbach gibt, zog der Gast dort gerne ein. Eine Linde, die neben der Bushaltestelle stand, kam dem Balkenschröter gerade recht. Dort fand der kleine Käfer, der auf den lateinischen Namen „Dorcus parallelopipedes“ hört, sein Zuhause.

Baumrodungen sind in Flörsheim zum heiklen Thema geworden. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) zog sich vor einiger Zeit den Protest einiger Kritiker zu, als er die Abholzung einer Baumreihe in der Riedstraße anordnete. Im Falle der Weilbacher Linde war die Notwendigkeit der Rodung jedoch recht unstrittig.

Baum von innen hohl

Dafür gab es ein anderes Problem: Der Balkenschröter, der sich häuslich im Stamm eingerichtet hatte, zeichnete sich nicht nur durch ein chronisches Desinteresse an städtischen Bauprojekten aus – er stand dazu auch noch unter Naturschutz. Rathauschef Antenbrink sprach deshalb im Ortsbeirat von einem sensiblen Thema. Der Baum sei von innen schon ganz hohl gewesen und habe wegen der Bushaltestelle weichen müssen. Mit Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde durfte die Stadt allerdings eine Umsiedlung der Schröter-Population planen. Das bis zu 30 Millimeter große Insekt, das seinen Larven in morschem Holz ablegt, sollte mit samt dem Baumstamm umziehen.

Allzu weit würde der Balkenschröter nicht reisen. Als neue Umgebung für den Käfer hatte die Stadt den Ortsteil Bad Weilbach ausgesucht. Im letzten Moment kam es dann aber doch noch anders: Aufgrund von schlechtem Wetter konnte der Transporter das Holz nicht in dem kleinen Bad Weilbacher Wäldchen abladen. Stattdessen sei der Stamm dann in den Steinmühlenweg am Wickerer Ortsrand gebracht worden, erläuterte der Bürgermeister. Den Plänen für die Bushaltestelle steht er nun nicht mehr im Weg. Und dem Balkenschröter wird es sicherlich egal sein, dass er ohne eigenes Zutun vom Weilbacher zum Wickerer gemacht wurde.Im Weilbacher Ortsbeirat interessierte sich FDP-Mann Thorsten Press noch dafür, ob der Stumpf der Linde am alten Friedhof als Lebensraum für Insekten erhalten bleibt. Verwaltungschef Antenbrink erklärte, dass die Überreste des Baumes entfernt werden müssen.

Nachpflanzung unklar

Ob und wie ein Baum nachgepflanzt werde, sei noch unklar. Jörg Duchmann (FDP) merkte an, dass es schön gewesen wäre, wenn die Verwaltung den Ortsbeirat vorher informiert hätte. Dies sah Michael Antenbrink ein. Er entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass die Einbeziehung des Gremiums geplant war. Da über Monate nicht klar gewesen sei, ob der Baum gefällt werden darf oder nicht, habe man die Chance ergreifen müssen, als sie sich bot. „Das sollte so nicht vorkommen“, erklärte Antenbrink.

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