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Aufzug an der August-Gräser-Schule: Keine Chance für Inklusion

Von Seit Jahren kämpft Jens Klappich, Vater einer Tochter im Rollstuhl, darum, dass die August-Gräser-Schule einen Aufzug bekommt. Im Sommer wechselt seine Tochter die Schule. Der Aufzug indes kommt nicht vor Ende 2017.
Jens Klappich Foto: Christian Christes (Christian Christes) Jens Klappich
Schwanheim. 

Jens Klappich versteht die Welt nicht mehr. Weil seine Tochter Adriana (9) im Rollstuhl sitzt, engagierte sich der Vater als Schulelternbeirat dafür, dass die August-Gräser-Schule, die frühere Schwanheimer Volksschule, einen Aufzug bekommt. Seit fünf Jahren kämpft er dafür, denn Klassenräume sind zwar auch mit dem Rollstuhl zu erreichen, nicht aber Funktionsräume wie der Musiksaal – er liegt im 3. Stock der Schule. Immer wieder wurde der Aufzug versprochen, gegenüber der Schule gab es immer die Auskunft: Ja, es läuft. Zuletzt wurde Klappich in einem Brief von Oberbürgermeister Peter Feldmann zugesichert, der Aufzug sei bis Ende 2015 fertig. Jetzt ist klar, dass daraus nichts vor Ende 2017 wird – die Kosten übersteigen die magische 500 000-Euro-Euro-Grenze, bei der die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung erforderlich wird. Für den Einbau des Aufzugs muss eine Bau- und Finanzierungsvorlage erstellt werden, die vom Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet werden muss.

„Fünf Jahre für so eine Aktion, und das in einem Gebiet, das Modellregion für Inklusion ist“, ärgert sich Klappich. „Das frustriert uns Eltern ungemein.“ Die Vorsitzende des Stadtelternbeirats, Alix Puhl, fragt sich, warum man nicht schon vorher darauf gekommen ist, dass die Kosten diese Dimension erreichen könnten: Stadtschulamt und Hochbauamt planten seit mehr als einem Jahr. Klappichs Tochter Adriana ist inzwischen in der 4. Klasse, wechselt im Sommer an eine weiterführende Schule. Klappich will den Kampf trotzdem nicht aufgeben – zumal es inzwischen ein weiteres Kind im Rollstuhl an der Gräser-Schule gibt.

Frankfurt ist Modellregion für Inklusion, also dafür, dass behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Förderschulen wie die Karl-Oppermann-Schule in Höchst laufen jahrgangsweise aus; vorhandene Lehrerstellen aus den zu schließenden Förderschulen werden erhalten und auf die Regelschulen verteilt. Ohne bauliche Ertüchtigung heißt das aber: Kinder im Rollstuhl sind davon ausgeschlossen, bestimmte Fachräume zu nutzen. In Musiksälen steht üblicherweise ein Klavier; es gibt eine besondere Ton-Anlage, die man nicht im regulären Klassenzimmer ersetzen kann. „Es geht aber nicht nur um den Musikunterricht, sondern um die Haltung gegenüber den betroffenen Kindern“, sagt Alix Puhl. Sie weiß: „Der Bedarf ist da, das Kollegium will Inklusion machen, aber die Schule ist nicht barrierefrei.“ Sie wisse von der Schulleiterin, dass auch nach dem Weggang Adrianas Bedarf bestehe; es seien weitere Kinder fürs nächste Jahr angemeldet, die auf Barrierefreiheit angewiesen seien. Was Puhl noch dazu ärgert: „Das Bildungsdezernat hat versprochen, dass die Kommunikation zu den Schulen und den Eltern verbessert wird. Davon merken wir nichts.“ Die Information, dass sich der Einbau des Aufzugs weiter verzögere, sei vom Architekten gekommen.

Jens Klappich hat sich für Adriana die Carl-von-Weinberg-Schule als weiterführende Schule ausgesucht, weil sie barrierefrei ist. Den Kampf für die August-Gräser-Schule will er fortführen: „Ich mache es für alle Rolli-Kinder, weil ich weiß, wie es ist, wenn man ein Kind hat, das im Rollstuhl sitzt.“

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