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Naturschützer päppeln den Findling auf: Kleine Waldohreule Gnomi wohnt jetzt in Liederbach

Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, als sie gefunden wurde, die kleine Waldohreule, die eine Spaziergängerin am Feld gefunden hat. Sie hatte Glück im Unglück und fand Tierfreunde, die sich liebevoll um sie kümmerten und ihr einen ungewöhnlichen Namen gaben.
Waldohreule Gnomi war voller Parasiten und total geschwächt, als sie gefunden wurde. Doch jetzt ist sie wieder fit. Waldohreule Gnomi war voller Parasiten und total geschwächt, als sie gefunden wurde. Doch jetzt ist sie wieder fit.
Liederbach. 

Ein wahres Empfangskomitee hat sich am Augraben hinter dem Haus am Park in Liederbach zusammengefunden. Alle sind gekommen, um der Auswilderung des Eulen-Findlings beizuwohnen. Aufmerksam und etwas scheu beobachtet Gnomi das Geschehen um sich herum. Erst die Autofahrt von Hünfelden nach Liederbach und jetzt die vielen neugierigen Blicke der Anwesenden: Gnomi zieht sich in seine oder ihre Box zurück. „Wir wissen nicht, welches Geschlecht unser Findling hat“, erzählt Klemens Fischer vom Naturschutzbund Bad Soden (Nabu). Er, seine Tochter Stefanie Kruse und seine Enkeltochter Katharina Kruse haben die kleine Eule aus der Wildtierstation Hünfelden abgeholt und nach Liederbach gebracht.

„Eine Spaziergängerin hat Gnomi im Feld gefunden“, berichtet Klemens Fischer. „Ihre Hunde haben die Eule angebellt, die darauf aber keinerlei Reaktionen zeigte.“ Die Hundehalterin rief Günter Siepert, den Vorsitzenden des Nabu Bad Soden, an, der Klemens Fischer und Stefanie Kruse informierte. „Wir haben über eine halbe Stunde gesucht, bis wir die Waldohreule gefunden haben“, erzählt er weiter.

Voller Parasiten

„Danach haben wir sie zu einem Tierarzt in Wiesbaden gebracht.“ Schnell stand fest, was mit dem Tier nicht stimmte: „Sie war voller Parasiten und brauchte dringend ein Antibiotikum. Wegen des schlechten Wetters der Wintermonate stand sie kurz vor dem Hungertod“, fährt Klemens Fischer fort. „Sie hat nicht mehr gefressen und musste regelrecht gestopft werden“, ergänzt Stefanie Kruse.

Nach dem einwöchigen Aufenthalt beim Tierarzt ging es weiter zur einer vierwöchigen „Erholungszeit“ und Flugtraining in die Wildtierstation Hünfelden, wo Gnomi seit Februar von Tierpflegerin Ilka Pissin aufgepäppelt wurde. Dort bekam die Eule auch ihren Namen: „Für eine Waldohreule ist unser Findelkind sehr klein – obwohl sie ausgewachsen ist! Und weil sie eben so klein ist, haben wir uns einen Spaß daraus gemacht und gesagt, das sei eine neue Art – die Art der ,Gnomohreule‘. Daher der Spitzname Gnomi“, sagt Stefanie Kruse. Damit die Kosten für die Pflege gedeckt wurden, gab es einen Spendenaufruf. „Der Nabu hat jeweils 50 Euro für Tierarzt und Pflegestation zur Verfügung gestellt, die restlichen Kosten wurden durch Spenden finanziert“, berichtet Klemens Fischer. Dafür habe er sich per Mail an die Bad Sodener Eulen-Community gewandt und somit die restlichen Mittel für das Aufpäppeln des Findlings zusammenbekommen. Fast 200 Euro hat das Aufpäppeln von Gnomi gekostet. „Einige Leute schütteln bei dem Preis den Kopf. Es gibt immer noch viel Gedankenlosigkeit unter den Menschen“, erzählt der Naturschützer betroffen.

Zurück zum Fundort

Jetzt, einen Monat später, wird Gnom“ wieder in die Natur entlassen – und zwar genau an der Stelle, an der sie gefunden wurde. Es ist ein regnerischer Tag, an dem die kleine Eule nach Hause gebracht wird. Es scheint aber, als sei diese etwas skeptisch. „Ich würde auch lieber in der trockenen Box bleiben, wenn ich eine Eule wäre“, lacht Stefanie Kruse. Doch dann wagt sich Gnomi aus der Box hinaus und fliegt los. „Sie steuert genau auf den Ort zu, an dem wir sie aufgesammelt haben!“, freut sich Klemens Fischer. Für den Naturschützer bleibt zu hoffen, dass es dem Findling weiterhin gut ergehen wird, denn „die Population von Waldohreulen hier im Main-Taunus-Kreis ist noch stark rückläufig“, so Klemens Fischer. „Für uns war es eine ganz große Seltenheit, eine Waldohreule zu finden.“

Da die Tiere sich hauptsächlich von Mäusen ernähren, bietet das Liederbacher Feld ideale Voraussetzungen. „Eulen sind Wald- oder Parkbewohner. Offene Landschaften bieten einen freien Blick auf die Umgebung, das gewährleistet einen großen Jagderfolg“, ergänzt Klemens Fischer.

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