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Kleinod in der Museumslandschaft

In der Weingartenschule wurde am Wochenende ein Doppeljubiläum gefeiert. Der „Förderkreis Schulmuseum im Main-Taunus-Kreis“ konnte auf 30 Jahre zurückblicken, während das Schulmuseum seine Eröffnung vor 25 Jahren feierte.
Verena Kaiser- Janecke, Dietrich Kleipa, Wolfgang Kaus und Museumsleiter Wolfgang Janecke (von links). Kaus rezitierte Friedrich Stoltzes Gedicht »Blutblas«, in dem ein Schüler mit einem Rohrstock verprügelt werden soll und deshalb seinen Lehrer austrickst.
Foto: Nietner Verena Kaiser- Janecke, Dietrich Kleipa, Wolfgang Kaus und Museumsleiter Wolfgang Janecke (von links). Kaus rezitierte Friedrich Stoltzes Gedicht »Blutblas«, in dem ein Schüler mit einem Rohrstock verprügelt werden soll und deshalb seinen Lehrer austrickst. Foto: Nietner
Kriftel. 

Die Idee eines Schulmuseums ist entstanden, als Wolfgang Janecke eine Lehrerstelle an der Weingartenschule angenommen hat. Der moderne Zweckbau der Krifteler Gesamtschule, in dem Janecke fortan unterrichtete, ließ ihn überlegen, wie viele alte Schulen es überhaupt noch gibt. Und was geschieht eigentlich mit dem herrlichen Inventar von früher? In Wolfgang Janecke reifte das Konzept für ein Schulmuseum, das er dem damaligen Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Jürgen Nagel vorstellte. „Der sagte zu mir: Herr Janecke, wenn Sie wollen, können Sie es machen. Aber halten Sie durch!“, erzählte der heutige Museumsleiter in einer kleinen Gesprächsrunde beim Jubiläum.

 

Die große Stütze

 

Finanziert wird das Museum durch den Förderverein, der Main-Taunus-Kreis stellt die Räume zur Verfügung. Kriftels Altbürgermeister Paul Dünte, Kassierer des Fördervereins, erinnert sich noch an den Start. „Die erste Buchung habe ich am 10. Mai 1983 getätigt“, berichtete Dünte. Ziel des Fördervereins sei es, das Schulmuseum finanziell zu unterstützen. „Wir als Fördermitglieder haben dafür zu sorgen, dass es weitergeht“, sagt Paul Dünte. 270 000 Euro konnte der Förderverein dem Schulmuseum bereits als Unterstützung zukommen lassen.

Es war übrigens der ehemalige Kreisheimatpfleger Dietrich Kleipa, der gemeinsam mit Wolfgang Janecke Grundschulen im Kreis abklapperte und nach Exponaten suchte, die aus der alten Schulzeit übriggeblieben waren. „Wir haben so gut wie alles in den Schulen gefunden – außer alten Schulbänken“, erinnert sich Kleipa. Diese mussten dann gekauft werden. Im Laufe der Jahre sind gut 2000 alte Schulbücher zusammengekommen, die von Bürgern gespendet wurden. Darunter befanden sich aber auch öfter mal die gleichen, so dass Wolfgang Janecke von manchen Exemplaren bis zu zehn Ausgaben vorrätig hat. Weitere Fundgrube für Museumsleiter Janecke waren Flohmärkte.

Die Arbeit Janeckes hat sich gelohnt. Wolfgang Kollmeier, Schuldezernent des Main-Taunus-Kreises und Vorstandsmitglied im Förderverein, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung. „Das Schulmuseum sieht heute fast noch besser aus als früher“, lobt er die gute Pflege durch Wolfgang Janecke und seine Helfer. Auch die Direktorin der Weingartenschule Silvia Schmidt ist begeistert. „Ich verneige mich vor Herrn Janecke, mit welcher Fachkenntnis er das Museum aufgebaut hat.“ Silvia Schmidt erzählte, dass einzelne Exponate auch heute noch in den Unterricht eingebaut werden. So wurde zuletzt ein Abakus, ein altes Rechenhilfsmittel, von den Schülern genutzt.

 

Ernste Töne

 

Im Hinblick auf die Zukunft des Schulmuseums werden trotz allen Lobes auch ernste Töne angeschlagen. „Ich bedauere sehr, dass das Schulmuseum nicht mehr in den Köpfen der Menschen verankert ist“, sagte etwa Paul Dünte. Wolfgang Janecke konnte das bestätigen: „Pro Woche kann man von einer Schulklasse sprechen, die das Museum besucht.“ Zielsetzung des Schulmuseums ist es, den Kindern auf spielerische Weise etwas über die Geschichte beizubringen. So sitzen die Schüler etwa auf den originalen Holzbänken und versuchen sich an Schreibübungen mit Tinte und Feder. Aber auch für die Eltern und erwachsenen Besucher hat das Museum einiges zu bieten. Neben der nostalgischen Erinnerung an die eigene Schulzeit können sie auch etwas über die historischen und politischen Dimensionen der Schulgeschichte lernen.

Zusätzlich zu der Gesprächsrunde hielt Dr. Bernd Blisch, kommissarischer Direktor des Stadtmuseums Wiesbaden, einen Vortrag über die „Museumslandschaft Rhein-Main“. Er rief in Erinnerung, wie in den 80er Jahren eine neue Bewegung entstand. Unter dem Motto „Grabe, wo du stehst“ regten Studenten an, die eigene Geschichte zu erforschen, statt darüber zu sprechen, was in anderen Ländern geschehen ist. Ein ähnlicher Gedanke stecke auch im Schulmuseum, das sich mit der Geschichte der Schulen im MTK beschäftigt.

Musikalisch begleitet wurde das Jubiläum vom Kinderchor der Lindenschule und der Musical AG der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule. Norbert Henß (Klavier) und Carsten Vollmert (Bariton) trugen als Überraschung für Schulleiterin Silvia Schmidt Franz Schuberts Stück „An Silvia“ vor.

Das Schulmuseum bietet Führungen für Schulklassen an (nach Anmeldung unter Telefon 0 61 96/6 11 81) und hat zusätzlich an jedem 1. Sonntag im Monat (außerhalb der hessischen Ferien) von 14 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

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