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Feuerwehr: Kohlenmonoxid: Die unsichtbare Gefahr

Kai Beuthien ist seit Dezember 2013 Kreisbrandinspektor für den Main-Taunus. Unser Reporter Sascha Kröner hat sich mit dem 36 Jahre alten Feuerwehrexperten über die Gefahren von Kohlenmonoxid unterhalten.
Kreisbrandinspektor Kai Beuthien gibt Tipps, wie man sich vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen schützen kann. Kreisbrandinspektor Kai Beuthien gibt Tipps, wie man sich vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen schützen kann.
Bad Soden. 

Herr Beuthien, man liest immer wieder von Dramen, bei denen ganze Familien tot aufgefunden werden. Auch im Main-Taunus-Kreis kam es bereits häufiger zu Vergiftungen durch Kohlenmonoxid. Verzeichnet die Feuerwehr einen Trend, dass solche Fälle zunehmen?

KAI BEUTHIEN: Es ist so, dass sich die detektierten Fälle häufen. Die Einsatzkräfte sind heute mit Warngeräten ausgestattet, durch die sich eine Belastung mit Kohlenmonoxid schnell feststellen lässt. Früher wurde der Rettungsdienst zu Patienten gerufen, die über Symptome klagten, die Ursache war aber nicht sofort klar. Man ging zuerst von internistischen Problemen aus. Erst nach der Analyse mehreren Einsätze kam heraus, dass Kohlenmonoxid ein Auslöser war. Darauf haben wir mit den Warngeräten reagiert. Deshalb fallen Einsätze, die im Zusammenhang mit Kohlenmonoxid stehen, heute stärker auf.

Das ist sicher auch ein wichtiger Fortschritt für die Sicherheit der Einsatzkräfte, die sich in den betroffenen Wohnungen bewegen.

BEUTHIEN: Ja, das war ein ausschlaggebender Punkt. Die Messung des Kohlenmonoxidwertes ist wichtig für die richtige Therapie der Betroffenen, aber auch für den Selbstschutz der Einsatzkräfte.

Seit wann führen die Helfer Warngeräte bei Einsätzen mit?

BEUTHIEN: Ich denke, das muss in den vergangenen sechs oder sieben Jahren gewesen sein. Ein Initiator war Marco Pfeuffer von der Feuerwehr Wiesbaden, der das Bewusstsein in der Landeshauptstadt und der Region schärfte.

Könnte man sagen, dass Kohlenmonoxid aufgrund seiner versteckten Wirkung fast schon gefährlicher ist als Brände?

BEUTHIEN: Nein. Für uns sind das einfach zwei unterschiedliche Einsatzszenarien. Ich würde das nicht vergleichen.

Das Fatale an Kohlenmonoxid ist oft, dass es Menschen nicht nur im Schlaf überrascht. Was ist das Tückische an einer Vergiftung?

BEUTHIEN: Man hat es mit einem farb- und geruchlosen Gas zu tun. Das Tückische ist, dass man die Anwesenheit von Kohlenmonoxid nicht bemerkt. Man kann lediglich Symptome wie Übelkeit und Erbrechen feststellen. Kohlenmonoxid hat außerdem die Eigenschaft bei einer entsprechend hohen Konzentration durch Wände zu diffundieren.

Wie sollte ich reagieren, wenn ich bei mir Symptome wahrnehme und eine Vergiftung im Verdacht habe?

BEUTHIEN: Als erstes sollten Sie über die Nummer 112 entsprechende Hilfe anfordern und dabei darauf hinweisen, dass Sie von einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid ausgehen. Die Kollegen werden dann nachfragen, wie Sie auf diesen Verdacht kommen und adäquate Hilfe schicken.

Was sind häufige Auslöser für eine erhöhte Kohlenmonoxidkonzentration?

BEUTHIEN: Kohlenmonoxid entsteht bei jeglicher Verbrennung, die unter Sauerstoffreduktion erfolgt. Auslöser kann eine Gastherme sein, die für die Heizung und warmes Wasser zuständig ist. Als Ursache kommt auch ein Kamin in Frage, der nicht ausreichend belüftet ist. Die Kamingase breiten sich dann in der Wohnung aus. Gefahr entsteht auch, wenn Leute fälschlicherweise einen Grill in ihrer Wohnung betreiben. Beim Verbrennen von Holzkohle entsteht viel Kohlenmonoxid.

Worauf sollte ich achten, um mich zu schützen?

BEUTHIEN: Wir empfehlen, ein oder mehrere geeignete Messgeräte in der Wohnung zu installieren. Das funktioniert wie bei einem Rauchmelder. Das Gerät gibt einen Warnton ab und man kann meistens auch den Messwert ablesen.

Und das Gerät stelle ich dann am besten wo auf?

BEUTHIEN: Immer in der Nähe von möglichen CO-Quellen wie etwa Gasthermen. Auch am Schlafplatz, wo man eine Vergiftung nicht bewusst mitbekommt, wäre ein Warngerät ratsam. Da es sich bei Kohlenmonoxid weder um ein besonders schweres, noch um ein leichtes Gas handelt, sollte der Melder auf einer Höhe zwischen 1,50 und 1,85 Meter angebracht werden.

Was kostet denn so ein Warngerät?

BEUTHIEN: Ich schätze mal, dass der Preis zwischen 30 und 40 Euro liegt.

Gibt es weitere Sicherheitsmaßnahmen? Ich sollte sicherlich auf den ordnungsgemäßen Zustand meiner Gastherme achten.

BEUTHIEN: Das ist logisch. Bei allen Geräten, die einen CO-Austritt auslösen können, sollte man darauf achten, dass die Wartungsintervalle eingehalten werden. Außerdem sollte sich ein Fachmann regelmäßig den Kamin anschauen.

Da Kohlenmonoxid durch Wände dringen kann, sollte man sich wohl auch nicht all zu sicher fühlen, wenn man eine Gefährdung für den eigenen Wohnbereich ausschließt?

BEUTHIEN: Richtig. Die Quelle muss nicht zwangsläufig in der eigenen Wohnung liegen. Das Gas kann sich in einem Wohnobjekt ausbreiten.

Jetzt haben wir bei manchem Leser vielleicht erst das Interesse geweckt. Wo kann man sich weiter über Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen informieren?

BEUTHIEN: Zur Gefährdung durch Kohlenmonoxid gibt es eine gute Informationsbroschüre vom Institut der Feuerwehr aus Nordrhein-Westfalen. Außerdem bieten Energieversorger und Hersteller von Gasthermen oft eigenes Informationsmaterial.

Oberbrandmeister aus Bad Soden

Kai Beuthien ist zur Stelle, wenn es brennt. Der 36 Jahre alte Oberbrandmeister engagiert sich seit vielen Jahren in der Feuerwehr.

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