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Projekt „Hörspaziergang“ in Eschborn: Kunsterlebnis für Auge und Ohren

Von Wer weiß schon, dass der 3,20 Meter hohe Kopf am Eingang des Camp-Phönix-Parks eine Tür besitzt? Dies und viele andere Details zu den Kunstwerken der Skulpturenachse erfahren die Besucher durch das neue Projekt „Hörspaziergang“. Es funktioniert ähnlich wie die Audioguides in Museen.
Bei der Führung durch den Skulpturenpark machten die Besucher vor Stephan Gubers Arbeit „Das Versprechen“ Halt und hörten, was Kunsthistorikerin Esther Walldorf (links) über das Kunstwerk zu sagen hat. 	Foto: Nietner Bei der Führung durch den Skulpturenpark machten die Besucher vor Stephan Gubers Arbeit „Das Versprechen“ Halt und hörten, was Kunsthistorikerin Esther Walldorf (links) über das Kunstwerk zu sagen hat. Foto: Nietner
Eschborn. 

Er kam aus Hamburg, reiste vier Monate lang auf einem Containerschiff um die Welt, bis er seinen festen Ort im Eschborner Camp-Phönix-Park fand. Den Kopf „Travel A Head“ haben viele schon gesehen, genau wie die vielen anderen Kunstwerke, die die Skulpturenachse der Stadt besiedeln. Viele von ihnen befinden sich im Skulpturenpark hinter dem Bürgerhaus. Genau dorthin hatten am Donnerstag Vertreter der Stadt Eschborn Interessierte eingeladen, um das neue Projekt „Hörspaziergang“ vorzustellen.

 

Wie das Werk entstand

 

„Damit erhält die Skulpturenachse einen neuen, wichtigen Impuls“, sagte Bürgermeister Mathias Geiger. An jedem Kunstwerk nämlich könne der Spaziergänger jetzt vertonte Informationen abrufen: über Entstehung, Material und auch den Künstler, der es gestaltet habe. „Das gilt für die gesamte Skulpturenachse im Stadtraum“, betonte Geiger. Das Besondere: Der Weg zu den spannenden Details ist barrierefrei. Wie man sie abruft, erklärte Landschaftsarchitektin Christine Bierschenk, die das Projekt im Auftrag der Stadt umgesetzt hat. „Sie kennen doch alle die Audioguides in Museen“, sagte sie. Mit Kopfhörer wandere man durch die Räume und werde über den Hintergrund der Werke informiert. Ähnlich funktioniere das bei den Eschborner Skulpturen, nur dass hier statt der Kopfhörer das eigene Mobiltelefon zum Einsatz komme. Mit diesem könne man an jedem Werk einen QR-Code ablesen und die Audiodateien hören.

 

Texte und Musik

 

Wer nicht über diese technischen Möglichkeiten verfüge, könne am heimischen Computer einfach die Seite der Stadt Eschborn aufrufen und sich dort die Erklärungen anhören. „Wer keinen Computer besitzt, dem können ja Kinder oder Enkel die Stücke auf eine CD brennen. Die können Sie dann in ihren Rekorder schieben“, riet sie den älteren Bürgern.

18 Stücke habe man aufgenommen. Verlesen werden die Texte von der Schauspielerin Diana Wolf. Eine allgemeine Einführung stimmt den Betrachter auf Kunst und Technik ein. „Warum steht die Plastik genau an diesem Ort?“, fragt Wolf mit sanfter Stimme. Je nach Tages- und Jahreszeit verändere sich ihre Wirkung, auch durch die wechselnden Lichtspiele.

Die Tradition, Kunst in der Natur auszustellen, gehe weit zurück. Bereits in der Steinzeit habe man Steinformationen errichtet, sagt Bierschenk. Häufig an Kraftorten, denen magische Kräfte zugesagt worden seien. Die Blütezeit habe der Skulpturenschmuck in italienischen Renaissancegärten erreicht, ab dem 15. Jahrhundert bis zu den französischen Barockgärten im 17. Jahrhundert.

Umrahmt werden die Texte durch schmeichelnde Gitarrenklänge. Dazu hat die Stadt den Musiker Michael Partheil engagiert. Der gab bei der offiziellen Einführung am Donnerstag eine Kostprobe seines Könnens. Für die Miniaturkompositionen habe er sich an Ort und Stelle inspirieren lassen, erzählte der Lehrer der Musikschule Ober-Ramstadt, der dafür bekannt ist, schon mal seinen Schülern Stücke „auf den Leib“ zu schreiben. „Ich wollte vorher gar nichts über das Werk wissen, sondern mich nur von der Skulptur leiten lassen.“ Bei dem großen Torbogen „HUA“ des amerikanischen Bildhauers Peter Lundberg, der den Ludwig-Erhard-Kreisel ziert, habe er sich vor allem an den herumkreisenden Autos orientiert. „Diese Bewegung versuche ich, in den Akkorden wiederzugeben.“

Viel Neues werde der Hörer erfahren, da ist sich Projektleiterin Bierschenk sicher. „Sie wussten bestimmt nicht, dass im 3,20 Meter hohen ,Travel A Head’ am Ohr eine Tür existiert, durch die man in das Kunstwerk hineinklettern kann.“ Auch, dass der vier Meter hohe „Black Swan“ von Kenny Hunter die globale Bankenkrise im Blick hat, sei den meisten sicher unbekannt. Durch die gesprochenen Erklärungen und die Musik könne man die Kunst jetzt auch mit anderen Sinnen erfahren. Am Donnerstag konnten die 20 Besucher ihre Smartphones allerdings noch in der Tasche behalten. Da gab es nämlich von Kunsthistorikerin Esther Walldorf eine „Live“-Führung durch den Park.

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