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Egoismus der Berufskollegen: Landwirt Heil und sein Obstgarten in Kriftel vor dem Aus

Landwirt Berthold Heil sieht das Ende für den „Obstgarten des Vordertaunus“ gekommen. Die Auflösung der Raiffeisen Obst- und Warengenossenschaft (ROWG) habe den schleichenden Prozess endgültig besiegelt.
Trotz der widrigen Umstände möchte Obstbauer Berthold Heil noch ein paar Jahre Äpfel wie hier der Sorte Gala ernten. Foto: Hans Nietner Trotz der widrigen Umstände möchte Obstbauer Berthold Heil noch ein paar Jahre Äpfel wie hier der Sorte Gala ernten.
Kriftel. 

An die langen Schlangen, die sich noch in den 1970ern regelmäßig entlang der Bahnhofstraße gebildet haben, kann sich Berthold Heil gut erinnern. Die Krifteler Obstbauern – haupt- wie nebenberufliche – standen damals an, um ihre Ernte auf dem Gelände der Raiffeisen Obst- und Warengenossenschaft (ROWG) abzugeben. Damit ist es seit dem 4. Oktober 2017 endgültig vorbei: Nach jahrelangen Verlustgeschäften wurde die Auflösung der Genossenschaft beschlossen. Mittlerweile hat sich ein Käufer für das Gelände in Bahnhofsnähe gefunden. Die Lagerhallen für Birnen und Äpfel weichen Wohnraum.

„Mit dem Aus der Genossenschaft ist auch das Ende des Obstgartens gekommen“, erklärte Berthold Heil, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP, jüngst in der Gemeindevertretersitzung. Für den Obstbauern ist das Thema ein emotionales. „Ich habe mich Zeit meines Lebens für den Erhalt der ROWG eingesetzt und bin jetzt damit auf die Nase gefallen.“ Möglichkeiten, um die Genossenschaft zumindest für die nächsten Jahre zu erhalten, hätte es seiner Ansicht nach gegeben. Letztlich seien diese Bemühungen aber am „mangelnden Gemeinschaftsgedanken“ der Krifteler Obstbauern gescheitert.

„Es gab den Vorschlag, die Genossenschaft in eine Erzeugergemeinschaft umzuwandeln“, berichtet Heil. Die Geschäftsführung habe kein großes Interesse am Weitermachen signalisiert und auch die einzelnen Betriebe seien mehr auf sich fokussiert gewesen. Dass die Lage schwierig war, bestreitet Heil nicht. „Aber das war sie auch schon in den 1960ern. Doch damals gab es Leute, die weitermachen wollten.“ Dieser Wille sei nun nicht mehr vorhanden gewesen.

Anbau seit 1905

1971 übernahm Berthold Heil von seinem Vater den Obsthof, der wiederum von dessen Vater 1905 gegründet wurde. Stand in der Anfangszeit noch die Viehzucht im Mittelpunkt, wurde ab 1914 der Obstanbau immer bedeutender. Ein Konservenunternehmen aus der Schweiz wurde damals auf die Krifteler Erdbeeren aufmerksam.

Richtig Fahrt habe der Anbau von Obst allerdings erst mit der Gründung der ROWG im Jahr 1930 aufgenommen. „Damit war für die Betriebe der Absatz gesichert“, erklärt Heil. Zudem gab es Lagermöglichkeiten für die Früchte. Dass diese nun wegfallen, würde ihn besonders schwer treffen. Im Gegensatz zu den Berufskollegen Hoss und Hasenbach hat Heil in der jüngeren Vergangenheit keine eigenen Hallen bauen lassen. „Ich habe das auch nicht mehr vor“, sagt er, „schließlich bin ich jetzt 67.“

Aufhören möchte er aber noch nicht, beteuert er. Vier oder fünf Jahre will er noch die Felder bestellen. Wie es dann mit seinem Obsthof weitergeht, ist offen. Einen Nachfolger hat er noch nicht gefunden. Damit steht er nicht alleine da, wie er anmerkt. Aufgrund der mangelnden Lagerflächen wird Berthold Heil voraussichtlich die Hälfte seiner 25 Hektar an Obstbaufläche roden müssen, um sie anderen landwirtschaftlichen Zwecken zu zuführen. Unter diesem Gesichtspunkt kann man durchaus nachvollziehen, dass er vom Ende des „Obstgartens“ spricht.

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