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Umwelt: MTK-Kommunen könnten Teil einer Biosphärenregion werden

Von Einige Kommunen des Main-Taunus-Kreises könnten Teil einer Biosphärenregion Wiesbaden/Rheingau-Taunus/Mainspitze werden. Wobei noch nicht klar ist, was dies für die betroffenen Städte bedeutet.
Die Stadt Hochheim könnte eine der Kommunen aus dem Main-Taunus-Kreis sein, die der neuen Biosphärenregion angehören wird. Foto: Hans Nietner Die Stadt Hochheim könnte eine der Kommunen aus dem Main-Taunus-Kreis sein, die der neuen Biosphärenregion angehören wird.
Main-Taunus. 

Natürlich löst alleine das Wort Biosphärenregion die eine oder andere Befürchtung aus. Das klingt nach einer neuen Naturschutzeinrichtung mit großem bürokratischen Aufwand, die nur dazu führt, dass alles mögliche verboten wird. Von skeptischen Stimmen habe sie schon gehört, sagt die zuständige Kreisbeigeordnete Madlen Overdick (Grüne). Die Forstwirte, die Winzer, die Landwirte könnten das sein. „Das ist ein sensibles Thema“, weiß Overdick, und das verlangt aus ihrer Sicht, dass es richtig angefasst wird. Eine breite Beteiligung, der Bevölkerung allgemein und der verschiedenen Interessenverbände, ist für sie daher Pflicht. Ohnehin gehört das zum Konzept der Biosphärenregionen.

Kommunen sollen bald informiert werden

Organisatorisch betrifft das Konzept der Biosphärenregion das gesamte politische System bis zu den Kommunen: Initiiert wurde es durch die Unesco, die Sonderorganisation der UNO für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.

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Um was geht es dabei überhaupt? Die Rede ist gerade nicht von klassischen Naturschutzprojekten, wie die Bezeichnung vermuten lassen könnte. Biosphärenregionen werben, wie die deutsche Unesco-Kommission erläutert, „für den Ausgleich der Interessen von Umweltschutz und Wirtschaft, für ein Zusammenleben von Mensch und Natur.“ Der Schutz irgendwelcher Wildnisgebiete steht nicht im Mittelpunkt, sondern der Erhalt der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaften. Es geht auch um Reaktionen auf sogenannte Megatrends - etwa wie der ländliche Raum vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gefördert werden kann, und wie die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft auf die Klimaerwärmung reagieren muss.

Beispiel Wienerwald

Auch Overdick betont diese Ausrichtung: Gerade weil es um das Zusammenleben von Natur und Mensch gehe, würden neue Biosphärenregionen vor allem in oder am Rande von Ballungsräumen ausgewiesen. Sie erwähnt als Beispiel den Biosphärenpark Wienerwald, der auch einige Bezirke der österreichischen Hauptstadt umfasst. In Hessen gibt es den Biosphärenpark Rhön, der übrigens zeigt, dass öffentliche Akzeptanz durchaus erreicht werden kann: 72 Prozent der Bewohner sind davon überzeugt, dass das Projekt Vorteile für die Region bringt.

Man kann nach Wien schauen, um Projekte eines Biosphärenparks im Ballungsraum zu benennen: Dort wird der ökologisch nachhaltiger Weinbau durch einen Wettbewerb gefördert, ein Konzept für die Nutzung des Waldes durch Mountainbiker entwickelt und an Ideen gearbeitet, die Natur auch für Menschen mit Behinderungen erlebbar zu machen. Bildung und Forschung gehören zu jedem Biosphärenpark - in Wien wird ein System zur dauerhaften Beobachtung der Böden aufgebaut, Kinder und Jugendliche sind aufgefordert, sich an einem Projekt zur Erforschung der Haselmaus zu beteiligen.

Was aber kann im Main-Taunus-Kreis stattfinden? Aufschluss gibt das allen Biosphärenparks gemeinsame Konzept verschiedener Zonen. Eine Kernzone ist stark am Naturschutz orientiert, nach Overdicks Erkenntnissen ist dabei daran gedacht, Waldflächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Dies soll allerdings im Gebiet des Forstamtes Rüdesheim passieren. Umschlossen wird diese Kernzone von einer Pflegezone, in der naturnahe Landnutzung im Mittelpunkt steht, flächenmäßig am größten aber sind Entwicklungszonen, in denen Modellprojekte für nachhaltige Bewirtschaftung von Ressourcen realisiert werden sollen.

In diese Entwicklungszone könnten Teile des Main-Taunus-Kreises gehören. Was dort passieren könnte, ist noch völlig unklar. Der Blick in andere Biosphärenreservate zeigt, dass es eher um die Umsetzung von Einzelprojekten geht und nicht um irgendwelche Reglementierungen. „Das ist eine gute Möglichkeit, an Fördergelder zu kommen“, möchte Overdick den betroffenen Kommunen schon einmal Appetit auf das Projekt machen.

Die Rede ist momentan von den Städten Eppstein, Hofheim, Hochheim und Flörsheim. Ein Treffen mit den Bürgermeistern soll es geben, weitere werden folgen. In einem ersten Schritt soll eine alleine vom Land Hessen finanzierte Machbarkeitsstudie erarbeitet werden.

Misstöne

Der Main-Taunus-Kreis hat seine Bereitschaft signalisiert, dabei ging das Projekt zunächst etwas an der Kreispolitik vorbei. Sie habe erstmals nach ihrem Amtsantritt im April von dem Vorhaben gehört, so Overdick. Insofern geht sie auch ganz gelassen mit der Kritik der SPD um, die politischen Gremien hätten erst von außerhalb erfahren, dass der Main-Taunus-Kreis sich eventuell beteiligen wird. Allerdings sieht es auch so aus, als könnten die Misstöne ausgeräumt werden. Einstimmig hat der Kreistag nämlich auf Antrag der SPD beschlossen, dass über das Projekt im zuständigen Parlamentsausschuss berichtet werden soll.

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