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Erklärung unterschrieben: MTZ-Mitarbeiter protestieren gegen verlängerte Öffnungszeiten

Etwa 500 Beschäftigte aus 36 Unternehmen im Main-Taunus-Zentrum (MTZ) haben eine Erklärung unterschrieben, in der sie kürzere Ladenöffnungszeiten fordern und sich gegen verkaufsoffene Sonntage aussprechen. Gestern wurden die Listen an das Center-Management übergeben.
Gewerkschaftler und Betriebsräte demonstrierten gestern im Main-Taunus-Zentrum gegen die langen Öffnungszeiten. Gewerkschaftler und Betriebsräte demonstrierten gestern im Main-Taunus-Zentrum gegen die langen Öffnungszeiten.
Sulzbach. 

Im Main-Taunus-Zentrum (MTZ) herrscht allenthalben Weihnachtsstimmung. Während ein ums andere Türchen der Adventskalender geöffnet werden, sollen andere Türen dort künftig geschlossen bleiben oder zumindest früher zugesperrt werden. Rund 500 Beschäftigte und Betriebsräte aus 36 Unternehmen haben dazu in den vergangenen Wochen eine Resolution unterschrieben: Gefordert werden kürzere Ladenöffnungszeiten bis 20 Uhr und der Verzicht auf verkaufsoffene Sonntage. Gestern zog eine Delegation von Betriebsräten und Gewerkschaftssekretärinnen zunächst lautstark durch die Ladenstraßen und nahm dann Ziel auf das Center-Management, um die Unterschriftslisten zu überreichen.

Beruf und Familie

Der Hintergrund: Im Regelfall haben die Geschäfte im MTZ donnerstags, freitags und samstags bis 22 Uhr geöffnet. Im Dezember kann durchgängig montags bis samstags bis 22 Uhr eingekauft werden. Nach ver.di-Recherchen ist das MTZ damit eines der letzten Center in Deutschland mit derart langen Öffnungszeiten. Das erschwere nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es verkürze auch die Erholungszeiten, denn Abschlussarbeiten würden zum Teil erst gegen 23 Uhr beendet. Zudem gerieten Familien weiter unter Druck, da sie spätabends oder an Wochenenden auf keine staatliche Kinderbetreuung zurückgreifen könnten.

Dass die Unternehmen dank längerer Öffnungszeiten mehr Gewinne machen, ist nach Gewerkschaftsangaben nicht der Fall. „Ein Vergleich mit Bayern, wo die Läden weiterhin um 20 Uhr schließen, macht deutlich, dass kürzere Ladenöffnungszeiten zu gleichbleibenden Umsätzen, aber zu mehr Personal im Verkauf führen“, sagten Karin Zennig und Katja Deusser von ver.di. Längere Ladenöffnungszeiten dagegen führten nicht zu mehr Umsätzen und mehr Bedienungspersonal, sondern förderten prekäre und Teilzeit-Beschäftigung.

Beate Schwallenberg, Betriebsrätin bei Douglas, bestätigt die Beobachtung, dass bei einer Öffnung bis 22 Uhr nicht mehr Umsatz gemacht wird, sondern dieser sich einfach auf einen längeren Zeitraum verteilt: „Die Menschen können ihr Geld eben nicht zwei Mal ausgeben.“ Einfach mehr Beschäftigte einzustellen ist somit auch keine machbare Lösung: „Das geben die Umsätze nicht her“, sagt Ulrich Murmann, Betriebsrat bei Karstadt.

„Etwas Anderes suchen“

Beim Gang durch das Zentrum fielen die Reaktionen der Kunden auf die Forderungen überwiegend, aber nicht nur positiv aus. „Ich bin dafür – als Christ und im Interesse der Verkäuferinnen. Sonntags und spätabends sollte frei sein“, fand beispielsweise Hermann Gossenauer. Catrin Walter war anderer Meinung: Manche Kunden, etwa Schichtarbeiter, seien auf längere Öffnungszeiten angewiesen, und zudem entscheide jeder selbst über seinen Job: „Man kann sich ja auch etwas anderes suchen, wenn einem 22 Uhr zu spät ist.“

Der Center-Manager Matthias Borutta war aufgrund eines Fußbruchs gestern nicht anwesend. Stattdessen nahm Mike Krämer, Technischer Leiter im Main-Taunus-Zentrum, die Unterschriften entgegen.

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