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„Man kann fast ins Cockpit gucken“

Im Rahmen des Internationalen Tages gegen den Lärm berichten Eddersheimer Kleingärtner von den Zuständen an Ort und Stelle.
Die Eddersheimer Kleingärtnerin Sandra Spoelstra hält sich die Ohren zu, während ein Flugzeug über ihren Garten hinweg fliegt. Foto: Nietner Die Eddersheimer Kleingärtnerin Sandra Spoelstra hält sich die Ohren zu, während ein Flugzeug über ihren Garten hinweg fliegt. Foto: Nietner
Eddersheim. 

Wenn die Flieger zur Landung ansetzen und dabei über Eddersheim donnern, ist es zweifelsohne ein spektakulärer Anblick. „Meine Eltern sind davon immer ganz beeindruckt, wenn sie zu Besuch sind“, erzählt Sandra Spoelstra. Für die Schriftführerin des Kleingartenvereins sind die Tiefflieger aber einfach nur noch lästig. Zu Hause sind Ohrstöpsel längst Pflicht für die Nachtruhe geworden. Im Schrebergarten ist es noch schlimmer. „Man hat fast das Gefühl, von hier aus ins Cockpit gucken zu können“, so Spoelstra. Kein Wunder, schließlich rasen die Flugzeuge teilweise in nur noch knapp 120 Meter Höhe Richtung Landeplatz - fast alle zwei Minuten.

„Der Schub der Düsen schallt unglaublich laut“, pflichtet auch Mathias Scherer bei. Der Rentner hat in seiner Parzelle für die Enkelkinder eine Schaukel aufgestellt. „Wenn sie dann aus Weilbach zu Besuch kommen, müssen sie sich permanent die Ohren zu halten“, seufzt Scherer. Ulrike Milas-Quirin trifft den Nagel auf den Kopf, als sie in der Gesprächsrunde mit den Kleingärtnern von der „verlorenen Idylle“ spricht. Die Mitarbeiterin des Hattersheimer Bürgermeister-Büros sprach zusammen mit der Ruhebeauftragten Joy Hensel den Opfern der Lärmbelästigung Mut zu. In der laufenden Klage gegen das Land Hessen sei man weiter solidarisch mit allen Betroffenen.

 

Geld in Forschung stecken

 

Doch 540 Tage nach Eröffnung der Landebahn macht sich Ernüchterung bei den Eddersheimern breit. „Man fühlt sich im Stich gelassen und einfach hilflos“, gesteht Scherer. Der Kampf gegen den Lärm sei längst zum „Kampf gegen die berühmten Windmühlen“ verkommen. Ein Umzug sei dennoch keine Option. „Das wäre ein großer Verlust“, sagt Spoelstra, „denn die Kinder gehen hier zur Schule, und wir haben eine tolle Gemeinschaft.“ Die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens sei ihr durchaus bewusst. „Aber dann muss man mehr Geld in die Forschung und Entwicklung stecken, um etwa leisere Triebwerke zu bauen. Wenn das bei den Flüsterzügen klapp, warum nicht auch bei Flugzeugen?“

Frank Wolf von der Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU) zeigt sich weiterhin kämpferisch. „Der Bau der Landebahn hätte erst gar nicht genehmigt werden dürfen“, so sein knallhartes Fazit. Flughafenbetreiber Fraport soll seiner Ansicht nach Fakten beschönigt haben. „Das Frühwarnsystem gegen Vogelschlag, das von Anfang an Bedingung für den Ausbau war, ist unzuverlässig“, sagt Wolf. Es wundere ihn nicht, dass die Flugsicherheit sich mittlerweile davon distanziert habe. „Ein so großes Risiko gibt es an keinem anderen europäischen Flughafen“, ist er sich sicher. Die BfU sammelt jedenfalls weiter fleißig Daten. Die Hoffnung um die Idylle im eigenen Garten hat man noch nicht aufgegeben. rk

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