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34-Jährige war jüngste Bundestagsabgeordnete: Manchmal fehlt Anna Lührmann die Politik schon

Von Nach zwei Legislaturperioden für die Grünen im Bundestag hat sich die heute 34-Jährige aus der aktiven Politik zurückgezogen. Anna Lührmann lebt mit Ehemann und Tochter Lara in Schweden. Eine Rückkehr nach Deutschland, zurück auf die politische Bühne, ist für sie derzeit kein Thema.
Anna Lührmann im Juni 2017 auf der Rainbow Warrior, dem Flaggschiff der Umweltorganisation Greenpeace. Anna Lührmann im Juni 2017 auf der Rainbow Warrior, dem Flaggschiff der Umweltorganisation Greenpeace.
Hochtaunus. 

Sie war die jüngste Bundestagsabgeordnete aller Zeiten. Mit 19 Jahren zog die Lorsbacherin 2002 für die Grünen ins Parlament ein. 15 Jahre ist das nun her. Was macht eigentlich Anna Lührmann heute? Bei der Suche nach einer Antwort stellte sich schnell heraus: Irgendwie ist sie noch immer in Sachen Politik unterwegs. Allerdings nicht mehr auf der aktiven Seite. Denn Dr. Anna Lührmann forscht und lehrt als „postdoctoral researcher“ an der Universität der schwedischen Stadt Göteborg.

Dort meldet sie sich, frisch und flott wie eh und je, am Telefon. Was sie nach Göteborg verschlagen hat? „Es gab eine Stellenausschreibung, darauf habe ich mich beworben“, lautet die simple Erklärung. Thematisch habe das einfach gut gepasst, sagt Lührmann, die 2015 an der Humboldt-Universität promoviert hat. Keine Überraschung, dass sie sich dafür mit einem politischen Thema beschäftigt hat: Die Unterstützung der Vereinigten Nationen bei Wahlen und die Frage nach deren Wirkung hat sie unter die Lupe genommen.

Demokratie im Fokus

Auch in Schweden widmet sie sich weiter diesem Thema, forscht dazu, was eine demokratische Entwicklung unterstützt und was sie möglicherweise sogar behindert. „Beobachten und analysieren, das ist das Ding“, erklärt Lührmann. Wahlbeobachterin war sie auch selbst schon für die UNO in Jordanien 2013, das Interesse für dieses Thema hat sie aber schon aus dem Sudan mitgebracht, wo sie die Parlamentswahlen für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) als Beraterin begleitet hat. Im Sudan hat Anna Lührmann von 2009 bis 2011 auch gelebt. Ihr Mann Rainer Eberle war als Botschafter nach Khartum berufen worden. Mit der 2008 geborenen Tochter Lara Sophie ging Lührmann mit nach Nordafrika.

Einen Bachelor-Abschluss hatte sie da schon in der Tasche, erworben an der Fernuni Hagen – neben ihrer Arbeit im Deutschen Bundestag. Im Sudan machte Lührmann zudem ihren Master, sie belegte dafür an der Ahfad-Universität den Studiengang „Gender and Peace studies“. Sich auf die Rolle der Ehefrau an der Seite des Botschafters und als junge Mutter zu beschränken – das hätte wohl auch nicht zu diesem umtriebigen Menschen gepasst.

Disziplin und Ehrgeiz

Im Taunus fiel sie früh auf. Nicht nur als Landesvorsitzende der Grünen Jugend, sondern auch als Jungunternehmerin. Gemeinsam mit ihrem Bruder Martin betätigte sie sich als Dienstleisterin. „Disziplin und Ehrgeiz“ nannten die beiden damals im Gespräch als entscheidend, wenn man etwas auf die Beine bringen wolle.

Die Umwelt ist schon immer ihr Thema

„Anna“ hieß sie 2002 auf den Wahlplakaten der Grünen schlicht. Ein junges Mädchen, gerade 19 Jahre alt, schickte sich an, die Welt zu erobern.

clearing

Anna Lührmann besitzt beides offenkundig in hohem Maße. Sie ist immer noch jung, gerade erst 34 Jahre alt. Der Erfahrungsschatz, auf den die Weltenbummlerin bereits zurückblicken kann, beeindruckt umso mehr. In den USA hat sie schon während der Schulzeit ein Jahr gelebt, Barcelona hieß die letzte Station nach dem Sudan und wieder Berlin. Rainer Eberle war dort bis vor kurzem Konsul. „Jetzt ist er aber umgezogen nach Göteborg“, sagt seine Frau, Tochter Lara, mittlerweile 9 Jahre alt, besuche dort die Internationale Schule.

Ob sie noch mitbekommt, was so los ist in ihrem früheren Wahlkreis? „Ein bisschen“, sagt Lührmann, „über meine Eltern“. Zuletzt sei sie Ende April/Anfang Mai in Hofheim gewesen. „Da war Altstadtfest,“ weiß sie noch. Auch sonst hält sie viele Kontakte nach Deutschland. Zu Parteifreund Omid Nouripour zum Beispiel. „Den kenne ich jetzt schon fast 20 Jahre“, sagt sie und erschrickt bei dieser Zahl fast ein bisschen. „Man merkt, ich bin jetzt doch schon etwas älter. . .“

Rückkehr kein Thema

Eine Rückkehr nach Deutschland ist für Anna Lührmann derzeit kein Thema. Göteborg und überhaupt Schweden gefalle ihr sehr gut, sagt sie. „Die Natur an allererster Stelle – und auch, wie sie in die Lebensräume integriert ist“. Die Luft sei deutlich besser als etwa in Barcelona, ist ihr zudem aufgefallen. Besonders wohl fühle sie sich aber nicht zuletzt, weil Schweden ein Land sei, in dem die Gleichberechtigung besonders weit sei.

„Hier gibt es viel mehr Männer, die sich um Kinder kümmern und viel mehr Frauen in Führungspositionen“, hat sie festgestellt. Ob sie die Politik vermisst? Da verweist Lührmann auf ihre Arbeit, in der sie sich ja nach wie vor intensiv mit politischen Themen befasse. Zudem habe sie die Aufgabe des „policy outreach“, also einer Vermittlung der Forschungsergebnisse ihres Fachbereichs an die Protagonisten der Politik. Bei der Uno oder der Deutschen Entwicklungshilfe ist sie damit etwa schon vorstellig geworden.

Eine Habilitation kann sich die 34-Jährige gut vorstellen. Ausschließen, dass sie auch mal wieder aktiv einsteigt in die Politik, will Anna Lührmann aber auch nicht.

Sie vermisse schon manchmal das aktive Mitgestalten und dieses Mittendrin sein in politischen Debatten, das sie im Bundestag genossen hat. Bereut habe sie die Entscheidung, nach zwei Wahlperioden anderen Dingen Raum zu geben, aber nicht.

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