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Logistik-Manager: Maxim Moroz sorgt fürs Olympia-Equipment

Die Augen den Sportwelt richten sich derzeit auf die olympischen Spiele in Südkorea. Damit die deutschen Athleten auf der koreanischen Halbinsel um Medaillen kämpfen können, muss die Infrastruktur und Versorgung im Hintergrund stimmen. Ein Hattersheimer kümmert sich um die Belieferung der olympischen Dörfer: Maxim Moroz arbeitet seit dem Jahr 2011 für den Logistikdienstleister DB Schenker. Im Auftrag des Unternehmens reiste der 34 Jahre alte Projekt-Manager zu den Winterspielen. Unser Reporter Sascha Kröner hat sich mit dem Hattersheimer über seine Erfahrungen unterhalten.
Maxim Moroz hat alles im Blick, was die deutschen Olympioniken für die Wettkämpfe brauchen. Bilder > Maxim Moroz hat alles im Blick, was die deutschen Olympioniken für die Wettkämpfe brauchen.
Hattersheim. 

Herr Moroz, Sie sind am Samstag von den Olympischen Spielen nach Deutschland zurückgekehrt. Wie lange waren Sie in Südkorea?

MAXIM MOROZ: Ich war knapp drei Wochen unterwegs. Dabei musste ich auch innerhalb von Südkorea reisen. Unser Büro ist in Incheon (in der Gegend von Seoul), und die beiden olympischen Dörfer im Osten des Landes sind etwa 40 Kilometer voneinander entfernt.

Sie haben die verantwortungsvolle Aufgabe, die deutsche Mannschaft logistisch zu versorgen. Wie genau sah diese Tätigkeit vor Ort aus?

MOROZ: Es geht um die Koordination von Anlieferungen. Ich kümmere mich darum, dass die richtigen Materialien zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Ein Auftraggeber ist der Deutsche Olympische Sportbund. Dessen Mitarbeiter benötigen zuerst eine Grundausstattung an Büromaterialien. Später, wenn die Sportler ankommen, verteilen wir dann Sportgeräte und Kleidung.

Die Liste ist sicherlich umfangreich. Können Sie eine grobe Anzahl der Teile nennen?

MOROZ: (lacht) Die Liste ist sehr groß. Das reicht vom Drucker bis zum Ski.

Was sind denn die größten und die kleinsten Teile, die in die olympischen Dörfer geliefert werden?

MOROZ: Zu den größten Stücken gehört wohl eine Schleifmaschine für Skier, die alleine schon 1,2 Tonnen wiegt. Das kleinste ist der Puck für die Eishockey-Mannschaft.

Interessant. Und wie muss man sich den Ablauf Ihrer Koordination konkret vorstellen?

MOROZ: Bei den Olympischen Spielen in Südkorea herrschen sehr strenge Sicherheitsvorschriften. Nicht jeder Lkw darf einfach so überall einfahren. Ich war für die Planung der Anlieferungen zuständig und habe zum Teil auch die Funktion des Übersetzers übernommen, weil nicht jeder Englisch spricht.

Ich nehme an, alles ist gut gegangen. Oder gab es Sportler, die ohne Skier an der Piste standen?

MOROZ: Es hat alles geklappt. Der koreanische Zoll war aber eine Herausforderung für uns. Die hatten sehr mit dem hohen Frachtvolumen zu tun. Dass nicht alles rechtzeitig durch den Zoll geht, war unsere große Sorge. Eine weitere Herausforderung entsteht dadurch, dass nicht alle Sportler in den olympischen Dörfern leben. Wir müssen dann verschiedene Orte beliefern.

Das bedeutet, dass das meiste Material direkt an die Athleten geht?

MOROZ: Ja, die Sportler müssen zwischen den Wettkämpfen in Form bleiben. Dazu liefern wir ihnen Übungsgeräte auf denen sie ihre Ausdauer trainieren. Außerdem hat jeder Sportler die Möglichkeit, eine Kleidertasche in Deutschland zu packen. Diese wird ihm dann ins Hotel geliefert.

Und Sie selbst?Wo waren Sie während Ihres Aufenthaltes untergebracht?

MOROZ: Ich hatte ein Apartment in Gangneung im Coastal Cluster.

Viele Menschen verfolgten am Freitag die Eröffnungsfeier vor dem Fernseher. Hatten Sie die Gelegenheit, persönlich dabei zu sein?

MOROZ: Ja, ich war vor Ort. Das war schon alles sehr beeindruckend. Vor allem wenn man die Sportler in ihrer Kleidung einlaufen sieht und weiß, dass man die Taschen vorher selbst sortiert hat. Da hatte ich das Gefühl, etwas beigesteuert zu haben.

Konnten Sie auch etwas von der Stimmung in dem geteilten Land aufnehmen?

MOROZ: Man hat es schon mitbekommen. Ich konnte Koreaner beobachten und glaube, dass Olympia ein großer Schritt zur Annäherung beider Länder ist. Man konnte es fast spüren.

Am 21. Februar fliegen Sie erneut nach Südkorea. Was wird dann Ihre Aufgabe sein?

MOROZ: Zunächst habe ich einen Tag um mich zu akklimatisieren. Am 25. Februar werden dann die ersten Materialien abgeholt. Die Sportler reisen am 27. Februar ab. Das heißt, wir haben zwei bis drei Wochen Zeit, um alles rein zu schaffen, aber nur zwei bis drei Tage für den Abbau. Am 4. März fliege ich zurück nach Deutschland.

Sie kommen in Ihrem Job sicherlich viel herum. Trotzdem nehme ich an, dass Olympia etwas Außergewöhnliches ist, oder?.

MOROZ: Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Meine erste Olympia-Erfahrung durfte ich vor vier Jahren in Sotschi erleben. Ich bin immer noch begeistert von dem, was wir beitragen.

Wie arbeiten Sie denn sonst, wenn Sie nicht gerade zu Olympischen Spielen reisen?

MOROZ: Olympische Spiele sowie die Fußball-Weltmeisterschaft und Europameisterschaft sind die größten Sportveranstaltungen. Ansonsten sitze ich in einem Büro in Deutschland und kümmere mich um kleinere Projekte. Bei der kommenden WM in Russland bin ich wahrscheinlich auch dabei. Das passt gut, weil Russisch meine Erstsprache ist.

Da wird Sie wohl so mancher Leser beneiden. Wobei Ihnen für die eigentlichen Spiele ja keine Zeit bleibt. Ist es nicht irgendwie komisch, zur Olympiade zu fliegen und keinen Sport mitzubekommen?

MOROZ: Während der Wettkämpfe bin ja nicht mehr vor Ort. Die kann ich mir dann zu Hause im Fernsehen anschauen.

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