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Ehrgeizige Ziele des neuen Vorsitzenden: Migranten sollen Beirat kennenlernen

Der Ausländerbeirat soll mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Diesbezüglich haben Haluk Kaya und sein Team klare Vorstellungen; ebenfalls bezüglich der Integration von Flüchtlingen.
Haluk Kaya ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirats. Foto: Knapp Haluk Kaya ist der neue Vorsitzende des Ausländerbeirats.
Hofheim. 

Wie überall war auch in der Kreisstadt des Main-Taunus-Kreises die Wahlbeteiligung bei der Ausländerbeiratswahl Ende November äußerst gering. Von den 3775 in Hofheim gemeldeten ausländischen Bürgern haben gerade einmal 156 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von gerade mal 4,1 Prozent. Vorrangiges Ziel von Haluk Kaya, dem neuen Vorsitzenden des Ausländerbeirats ist daher, dieses beratende politische Gremium stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Der 54-jährige, der zusammen mit fünf Geschwistern in Mittelanatolien aufwuchs, ist ein lebendiges Beispiel für gelungene Integration. Kayas Eltern waren Analphabeten. Und weil die Familie arm war, musste er bereits als Siebenjähriger nach der Schule als Schuhputzer sowie Obst- und Gemüseverkäufer mit dazuverdienen. „Meine Kindheit habe ich deshalb nicht genießen können“, erzählt Kaya, der seit 2011 für die Grünen auch ein Mandat im Stadtparlament wahrnimmt.

Sprachkurse besucht

Nach dem Abitur folgte er 1979 ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können dem Onkel, der in Hannover bei VW Arbeit gefunden hatte. Wie viele andere Landsleute wollte der junge Türke in Deutschland Geld verdienen und dann eigentlich wieder in seine Heimat zurückkehren. Weil ihm klar war, dass er dafür allem voran Deutsch lernen musste, kümmerte er sich selbst um Sprachkurse.

Da sein türkisches Abitur hierzulande nicht anerkannt wurde, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Stahlbauschlosser. Parallel dazu drückte er abends noch die Schulbank, weil er zudem studieren wollte. Das von ihm 1984 in Bad Kreuznach begonnene Umweltschutz-Studium, bei dem er auch mit den Grünen in Berührung kam, war ihm aber zu sehr naturwissenschaftlich ausgelegt.

Deshalb wechselte er 1986 an die Frankfurter Fachhochschule, wo er nach nur sieben Semestern sein Diplom als Sozialarbeiter mit der Note 1,6 ablegte. Darauf setzte er noch ein Pädagogik-Studium mit Soziologie und Psychologie im Nebenfach, so dass Kaya seit 1993 auch einen Abschluss als Diplom-Pädagoge in der Tasche hat. Außerdem ist er ausgebildeter Konfliktberater und zertifizierter Mediator, was ihm bei seiner Arbeit im Sozialen Management der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft, für die er seit 2008 tätig ist, zugutekommt.

„Ich habe mich schon im Studium mit Migration, Jugendarbeit und Sozialmedizin beschäftigt“, sagt Haluk Kaya, dessen Lieblingsfach Psychologie war. Seit 20 Jahren ist er deutscher Staatsbürger. „Meine Einbürgerung war mir wichtig als Bekenntnis zu dem Land, in dem ich bleiben will.“ Mit seiner in Stuttgart aufgewachsenen „schwäbelnden“ Frau Yasemin, mit der er seit 2010 in Hofheim lebt, verbindet Kaya auch die türkische Abstammung. Deshalb engagiert sich Yasemin Cakir ebenfalls im neuen Ausländerbeirat.

Bildung als Schlüssel

Zusammen mit den interkulturellen Kompetenzen der ebenfalls aus der Türkei stammenden Nimet Aydin, den beiden Kurden Veysi Oral und Mehmet Elci sowie der Spanierin Erika Espinoza Rodriguez, der Lateinamerikanerin Benita Carcia Calvino de Alix, der Kroatin Silvana Grosser und Amina Kucevic (Montenegro) will das Ehepaar dieses Gremium insbesondere bei Migranten bekannter machen.

Dabei will sich der neue Ausländerbeirat auch bei der Integration von Flüchtlingen engagieren. „Bildung ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe“, weiß Kaya. Wichtig sei aber auch, dass die Flüchtlinge die demokratische Grundordnung mit der Gleichberechtigung von Frau und Mann akzeptieren, so der neue Ausländerbeiratsvorsitzende.

(lux)
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