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Tipps der Experten: Mit Bewegung gegen Rheuma

Rheuma ist eine stille Krankheit, die heftige Schmerzen bereitetet. Mit dem heutigen Aktionstag will die Deutsche Rheumaliga die Krankheit in den Fokus rücken. Wie man vorbeugen kann und wie die Erkrankung behandelt wird, verrät der Hofheimer Facharzt Dr. Lothar Meier.
Rheumatologe Dr. med. Lothar Meier (rechts) und Physiotherapeut Thomas Escher demonstrieren verschiedene Übungen, die sich sowohl zu Hause sowie auch unterwegs rasch und effektiv durchführen lassen. Rheumatologe Dr. med. Lothar Meier (rechts) und Physiotherapeut Thomas Escher demonstrieren verschiedene Übungen, die sich sowohl zu Hause sowie auch unterwegs rasch und effektiv durchführen lassen.
Main-Taunus. 

Rund 20 Millionen Deutsche leiden laut Deutscher Rheuma-Liga unter einer rheumatischen Erkrankung, und derer gibt es viele, wie Dr. med. Lothar Meier erläutert: „Die häufigste ist die rheumatoide Arthritis, eine Autoimmunerkrankung, deren eigentliche Ursache nicht geklärt ist. Bis heute wissen wir nicht sicher, was dazu führt, dass jemand Rheuma bekommt.“ Mit seinen Kolleginnen in der RheumaPraxis Hofheim behandelt der Rheumatologe zahlreiche Patienten jeden Alters, die eine extreme Bandbreite abdecken – sowohl an Krankheitsbildern als auch was sportliche Aktivitäten betrifft. Nicht zufällig steht der diesjährige Weltrheumatag unter dem Motto „Wie Medikamente und Bewegung helfen können.“

Welche Art von Bewegungen damit gemeint sein können, demonstrieren Meier und der Hofheimer Physiotherapeut Thomas Escher bei einem Spaziergang durch den Wald. „Wobei es keine rheumaspezifischen Übungen als solche gibt, und man die Individualität des Patienten berücksichtigen muss, also neben dem Alter zum Beispiel ob er sowieso Sport treibt oder ob er in einer Entzündungsschubphase ist, denn da kann man gerade nicht viel machen. Dann muss erstmal der akute Schmerz gelindert werden.“, so Escher. „Aber Passivität veranlasst zur Schonhaltung und verstärkt den – chronischen – Schmerz eher noch. Bewegung, ob aktiv oder passiv, hat also einen positiven Einfluss auf den Schmerz, und das erleichtert den Patienten den Alltag. Da muss aber jeder eigenverantwortlich den besten Weg finden.“ Die Ruhigstellung von akut entzündeten Gelenken – in Kombination mit Krankengymnastik – war bei der Rheumabehandlung früher das Mittel der Wahl, wie Meier weiß. „Heute diagnostizieren wir Rheuma sehr viel früher und können besser behandeln, daher haben die meisten Patienten nicht mehr so große Funktionseinschränkungen in den Gelenken und machen von Anfang an Sport.“

Schultern entspannen

Jeder solle doch mal auf die eigene Haltung beim Hochgehen einer Steigung achten, so der Physiotherapeut: „Wichtig ist es generell, ein Bewusstsein zu schaffen: Wie setze ich meine Füße auf? Kann ich meine Schultern entspannen und leicht kreisen sowie die Arme beim Gehen locker mitschwingen?“ Auch die Hände finden Beachtung: „Ich öffne und schließe während eines Spaziergangs meine Finger, das ist eigentlich ganz simpel, aber diese Streckbewegungen sind für viele Menschen ein Problem, nicht nur für Rheumatiker.“ Nordic Walking-Stöcke könnten zu Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich führen und seien daher nicht jedem Erkrankten zu empfehlen. Meier sieht einige seiner Patienten regelmäßig durch den Wald joggen: „Gerade zum Beispiel bei Morbus Bechterew ist es sogar angeraten, mit Sport der Rückenversteifung vorzubeugen.“ Prophylaxe sollte sowieso ganz weit oben stehen, insbesondere falls schon körperliche Einschränkungen vorliegen, betonen beide Experten.

Perfekt geeignet für ein leichtes Beweglichkeitstraining sind Treppen. Escher zeigt hier eine einbeinige Pendelübung, bei der man seitlich mit einem Fuß auf einer Stufe steht und das andere Bein frei schwingen lässt, die Schultern sind dabei entspannt, die Arme gehen locker vor und zurück, Brustbein und Becken sind aufgerichtet. Auch wer eine Treppe runterläuft, kann das ganz bewusst gestalten, indem er wie in Zeitlupe bei jedem Schritt übers Standbein langsam abbremst, bevor er den anderen Fuß aufsetzt. Beim Hochlaufen ist die Hüftstreckung wichtig, man sollte also aufrecht gehen, den Blick geradeaus.

„Speziell bei den Morbus Bechterew-Patienten, die manchmal nur noch einen minimalen Bewegungsradius haben, kommt es auf die Flexibilität im Brustkorb an, daher ist die Atmung mit einzubeziehen“, so Escher. Hierzu genüge es erst einmal, die Hände auf die Rippen zu legen und ein paar bewusste Atemzüge zu machen, um das Öffnen des Brustkorbs zu spüren. „Bei allen Übungen ist es wichtig, ganz entspannt zu bleiben und nicht mit Kraft zu agieren.“

Für Mobilitätsübungen kommt auch eine Bank ganz gelegen, wie der Physiotherapeut demonstriert: „Sich ganz vorne aufrecht an die Kante setzen, Beine hüftbreit aufstellen, und dann abwechselnd ein Bein nach außen stellen und wieder zurück in die Mitte. Manche können das Bein nur zur Seite schleifen oder müssen sich mit den Händen abstützen, aber das ist ebenso okay.“

Auch das bewusste, freihändige Aufstehen mit aufrechtem Körper bis in die komplette Streckung kann eine effiziente Übung sein – nicht zuletzt weil das den Alltag erleichtert, beispielsweise wenn man mit Bus oder Bahn unterwegs ist.

In der Reha trainieren

„Insbesondere wenn Rheumapatienten einen Gelenkersatz bekommen haben, müssen sie so etwas in der Reha wieder trainieren“, weiß Meier, „denn gerade die Faktoren Selbständigkeit und Teilhabe am sozialen Leben spielen eine große Rolle! Dadurch bessern sich auch das Allgemeinbefinden und die Immunreaktionen. Daneben hilft Bewegung, dass Begleiterkrankungen gemindert sowie Gelenkfunktionen wiederhergestellt werden.“

Er selbst schwört auf eine Mobilisationsübung für die Halswirbelsäule, die er auch seinem Praxisteam ans Herz legt: „Aber man sollte rechtzeitig damit anfangen, nicht erst, wenn man schon steif ist. Denn es ist immer leichter, etwas zu erhalten, als etwas Neues zu erlernen.“ Sofern er rechtzeitig und umfassend von allen Angeboten für spezielles Funktions- und Gruppentraining erfährt, verordnet er das gerne seinen Patienten.

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