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Nachhaltigkeit: "Deutschland muss vorangehen"

Von Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer mahnte als Gast von Procter & Gamble zukunftsorientiertes Unternehmertum an. Eine dünne Windel sei nicht die beste Lösung.
Ex-Umweltminister Klaus Töpfer machte bei Procter & Gamble deutlich welch hohen Stellenwert Nachhaltigkeit in allen Bereichen hat. Ex-Umweltminister Klaus Töpfer machte bei Procter & Gamble deutlich welch hohen Stellenwert Nachhaltigkeit in allen Bereichen hat.
Schwalbach. 

Es war, als wollte das ZDF-Heute Journal am Abend die Bestätigung für eine große Sorge liefern, die der frühere Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Professor Klaus Töpfer, am selben Abend bei den „Schwalbacher Gesprächen“ geäußert hatte. Allerdings war dem Nachrichtenmagazin an diesem Abend der hohe Verschmutzungsgrad der Weltmeere und der neue Rekord beim Kohlendioxid-Ausstoß nur eine kurze Meldung wert.

Info: Teil der gesellschaftlichen Verantwortung

Seit 1994 öffnet Procter & Gamble einmal im Jahr seinen Firmensitz an der Sulzbacher Straße für die „Schwalbacher Gespräche“. Dabei werden stets prominente Redner geladen, die in ihrem Fachbereich als Meinungsführer gelten.

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Die aktuelle Weltlage mit der Bedrohung durch die Terrorgruppe Isis und den Kriegshandlungen in der Ukraine drängt die Umweltprobleme an den Rand. Dabei steht dahinter nichts Geringeres als die Zukunft des gesamten Planeten. Töpfer warnte deshalb in Schwalbach davor, die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zu vernachlässigen. Ansonsten laufe die Menschheit Gefahr, keine Wahlfreiheit mehr bei ihren Handlungen zu haben.

 

Am Anfang teurer

 

„Was machen wir, wenn die zentralen Fragen, die wir in der Zukunft haben, alternativlos sind?“, fragte Töpfer seine rund 350 Zuhörer in der Deutschland-Zentrale von Procter & Gamble. Für Töpfer ist klar: „Überall da, wo ich etwas finde, das alternativlos ist, ist höchste Gefahr im Verzug.“

Nach Tschernobyl, als die Bundesrepublik erstmals einen Bundesumweltminister berief, „waren wir alternativlos“, erinnerte Töpfer, „und wir haben angefangen, alternative Energien zu erfinden“. Dass neue Techniken am Anfang teurer seien, dürfe nicht davon abhalten, sie zu entwickeln und einzusetzen. In Afrika, das heute von der mittlerweile so billigen Photovoltaik profitiere, klopfe man ihm immer auf die Schulter und lobe: „Toll, dass ihr so viel investiert habt in diese Entwicklung.“ Für Töpfer nur ein Beispiel, dass gerade ein Land wie Deutschland vorangehen muss, wenn es darum geht, nachhaltiger zu werden.

Dass das Wort „nachhaltig“ mittlerweile regelrecht inflationär gebraucht wird, gefällt dem Gründer des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit an der Uni Potsdam gar nicht. „Wir dürfen nicht zusehen, dass Nachhaltigkeit so was wie eine Allgemeinfloskel wird“, denn dafür sei das, was dahintersteht, einfach zu wichtig. „Mehr Emotionalität“ könnte helfen, das Thema stärker in den Mittelpunkt zu rücken, glaubt der mittlerweile 76 Jahre alte gebürtige Schlesier. Es gehe darum, die Schönheit und Vielfalt des Planeten zu erhalten, aus Respekt vor der Schöpfung.

 

Egoistische Gründe

 

Für Töpfer ist es zudem schon aus „ganz egoistischen Gründen“ für Deutschland unbedingt notwendig, sich um diese Zukunftsfragen zu bemühen. Wer den Frieden bewahren und den Wohlstand absichern wolle, müsse zum Beispiel unbedingt etwas dafür tun, dass die Abwanderung aus den Ländern Afrikas und Asiens nicht weiter zunehme, sondern Menschen „die Perspektive für sich zu Hause finden“.

Für Töpfer die zentrale Zukunftsfrage: Wie kann der Energiebedarf der für 2050 prognostizierten 9 Milliarden Erdbewohner gedeckt werden? Bei der Entwicklung neuer Technologien stelle sich zudem immer stärker die Frage nach der Verantwortlichkeit. „Wir kriegen immer mehr Technologien, bei denen man sich sagt, wenn die in falsche Hände kommen, wird es sehr schwierig“. Dazu zählt Töpfer nicht zuletzt die Möglichkeiten des Internets, die den Menschen so transparent gemacht hätten, dass seine Existenz noch einmal auf ganz andere Weise bedroht sei. „Das sind Entwicklungen, die uns in besonderer Weise umtreiben sollten. Wir brauchen so etwas wie globale Antworten auf globale Fragen“, glaubt Töpfer, dass die nationalen Einflussmöglichkeiten hier längst an ihre Grenzen gekommen sind.

 

Unternehmen denken um

 

Dass es zunehmend ein Umdenken bei Unternehmen gibt, mit dem sie auf ein sich veränderndes Kundenverhalten in Richtung Nachhaltigkeit reagieren, davon zeigte sich Claus Sendlinger überzeugt. Der zweite Redner des Abends setzt als Vorstandsvorsitzender der Design Hotels AG auf die Abkehr von einem Tourismus, der massiv zur Verschmutzung des Planeten beiträgt. Sendlinger findet, „Nachhaltigkeit muss nicht nur mit Ingenieursmitteln kommuniziert werden“. Sein Unternehmen zeigt deshalb gern mit Solar-Partys unter dem Motto „Music sounds better, when it comes from the sun“, dass „es auch Spaß machen kann“.

Dass Gastgeber Procter & Gamble sich als Unternehmen präsentierte, dass sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, fand den Beifall der Redner. Klaus Töpfer sieht allerdings in noch dünneren Pampers noch nicht die beste Lösung, wie er anmerkte. Überall, wo es noch Abfälle gebe, müsse gefragt werden: Wie kriegen wir das in den Griff? Die Natur sei schließlich als Kreislauf „von Natur aus ohne Abfall“. Töpfers Aufforderung an die Industrie: „Gucken sie sich um, wo sie Abfälle sehen. Das wird der Markt der Zukunft sein.“

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