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Nicht in der ersten Reihe

Von Mit der Geschichte der SPD im Main-Taunus-Kreis befasst sich ein neues Heft des SPD-Historikers Dieter Reuschling.
Main-Taunus-Kreis. 

Blau steht für das rechte, rot für das linke Lager in einer Grafik, in der Dieter Reuschling die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag des Main-Taunus-Kreises dargestellt hat. Und auch wenn die SPD von 1990 bis 1996 den Ersten Kreisbeigeordneten in Person von Gerd Mehler stellte, so blieb die rote Linie immer unterhalb der blauen. „Das ist keineswegs deprimierend“, sagt Karl Thumser, seit mehr als 30 Jahren im Kreistag und heute Chef der SPD-Fraktion. Denn man habe immer konstruktive Politik gemacht. Und außerdem stelle die SPD heute fünf von zwölf Bürgermeistern im Kreis – vor Jahren war es noch einer. Das jedenfalls motiviert, weiter auf bessere Wahlergebnisse hinzuarbeiten.

Gestern freilich ging der Blick mehr in die Vergangenheit. Dieter Reuschling, der dem Kreistag selbst nicht mehr angehört, beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Geschichte der SPD und hatte schon vor zehn Jahren eine Dokumentation zur SPD im Kreistag herausgegeben. Zwei Erweiterungen habe er jetzt vorgenommen – erstens einen Abschnitt über die Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die dem Kreistag angehörten, von dem bekannten Hermann Schmitt-Vockenhausen bis aktuell zu Nancy Faeser. Und zweitens hat er sich noch näher mit der Frage befasst, in welchen Kreistagen die SPD vor Gründung des Main-Taunus-Kreises 1928 vertreten war.

Vor 1918 habe die SPD wegen des Dreiklassenwahlrechts keine Chance gehabt, in Kreisparlamente einzuziehen, so Reuschling. Aber im Kreis Höchst erreichte die SPD bei der ersten Wahl im Jahre 1920 mit 15 von 29 Abgeordneten sogar eine knappe Mehrheit, Wahlergebnisse für den Obertaunuskreis, zu dem unter anderem Kelkheim und Schwalbach gehörten, und dem Kreis Wiesbaden mit Flörsheim und Hochheim hat Reuschling nicht herausfinden können.

Viele Arbeiter

Im neuen Main-Taunus-Kreis erreichte die SPD zunächst 35 Prozent der Stimmen und brachte im Kreistag keine linke Mehrheit zustande. Den Unterschied zum Kreis Höchst erklärt Reuschling durch den Wegfall der industriell geprägten Regionen Höchst und Biebrich mit ihrem hohen Arbeiteranteil. Immerhin, SPD-Mann Wilhelm Apel wurde 1928 einstimmig zum Landrat des Kreises gewählt und blieb dies auch bis 1933.

Der zweite und bislang letzte SPD-Landrat des Kreises war von 1966 bis 1977 Valentin Jost, der sein Amt nach gravierenden Verlusten der SPD bei der Kommunalwahl 1977 abgeben musste. Unter anderem machten sich jetzt wieder die Gebietsreform negativ für die SPD bemerkbar, so Gerd Mehler. Denn der Kreis musste Orte wie Delkenheim und Nordenstadt an Wiesbaden abgeben – dort hatte es SPD-Mehrheiten gegeben, die den Sozialdemokraten nun fehlten. Allerdings war man damals schon froh, dass es überhaupt gelang, den Main-Taunus-Kreis zu erhalten. Eine Aufteilung zwischen Frankfurt und Wiesbaden war damals eine durchaus ernstzunehmende Alternative.

Reuschling hat in seinem Heft die gesamte Geschichte der SPD im Kreistag nachgezeichnet, man findet auch alle Wahlergebnisse der SPD ab 1928. Auch die SPD-Kreistagsabgeordneten sind alle namentlich aufgeführt – insgesamt also ist es eine wichtige Quelle für die Geschichte der Politik im Main-Taunus-Kreis. Wer es haben möchte, kann es zum Preis von 5 Euro bei der SPD-Geschäftsstelle unter Telefon (0 61 92) 97 77 55 bestellen. Die Einnahmen werden den Tafeln der Caritas im Main-Taunus-Kreis zur Verfügung gestellt.

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