Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Hofheim am Taunus 32°C

Zeugenvernehmungen akribisch durchgeführt: Noch einige offene Fragen im Prozess um Macheten-Angriff

Vor dem Landgericht Wiesbaden fand gestern der dritte von insgesamt sechs Verhandlungstagen im Prozess gegen Christoph A. statt. Der 26-Jährige attackierte am 2. August 2016 mit einer Machete den Hochheimer Bernd G. auf offener Straße und verletzt ihn schwer.
Die Foto zeigt die Sessel, auf denen die Richter sowie die  Protokollführer im Justizzentrum während der Verhandlungen Platz nehmen. Foto: Hans Nietner Die Foto zeigt die Sessel, auf denen die Richter sowie die Protokollführer im Justizzentrum während der Verhandlungen Platz nehmen.
Wiesbaden/Hochheim. 

Wie aufwendig es ist, im Nachhinein zu klären was sich innerhalb von Minuten bei einer Gewalttat ereignete, das wird derzeit bei einer Verhandlung wegen Mordversuchs vor dem Landgericht Wiesbaden dokumentiert. Inzwischen sind einige Gutachter, Polizeibeamte und Zeugen zur Befragung vom Vorsitzenden Richter sowie von der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger des Angeklagten Christoph A. zum Tatverlauf und den Ereignissen nach der Gewalttat befragt worden. Dabei gibt es bei den Vernehmungen unterschiedliche Qualitäten. Manche Zeugen können vor der Richterbank mit klaren Aussagen zum besseren Verständnis der Abläufe beitragen. Andere wiederum können sich bei wichtigen Angaben nicht mehr so genau erinnern und bleiben vage. Eines aber zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherigen vier Verhandlungstage: Die Ergebnisse der Vernehmungen von Zeugen und der Ermittlungsarbeit der Polizei sind insgesamt überwiegend deckungsgleich, wenn es um den Tathergang am 2. August 2016 frühmorgens in der Frankfurter Straße geht.

In diesem Zusammenhang lobte der Vorsitzende Richter ausdrücklich, nach einer ausführlichen Befragung, die mit den Ermittlungen betrauten Kriminalkommissarin G. von der Polizeidirektion Main-Taunus in Hofheim. Die Beamtin habe eine anschauliche und präzise Arbeit geliefert. Diese sei außergewöhnlich gut und hätten dem Gericht sowie den weiteren Verfahrensbeteiligten dabei geholfen, den Tatverlauf zu verstehen und gedanklich gut einordnen zu können. Eine solche außerordentlich gute Polizeiarbeit sei nicht selbstverständlich, meinte der Vorsitzende Richter und bedankte sich bei der Kommissarin. In der Tat waren die Aussagen der Polizistin klar strukturiert. So hatte sie unter anderem erklärt, dass sie ermittelt habe, wer sich hinter der Bruderschaft „Rules 5“ verbirgt. Das Ergebnis ihrer Ermittlung: Es handele sich dabei um einen Support – also eine Unterstützungsgruppe – der Rockergruppierung Hells Angels. Dies hätten ihre Recherchen bei anderen Dienststellen ergeben, sagte sie auf Nachfrage dem Vorsitzenden Richter, der nachgefragt hatte, ob sie diese Information im Internet recherchiert habe. Am zweiten Verhandlungstag hatte der Angeklagte eine solche Verbindung der Bruderschaft „Rules 5“ zu der Rocker-Organisation bestritten.

Schlechte Beleuchtung

Offen bleiben eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt des Prozesses – in der nächsten Woche stehen zwei weitere Verhandlungstage aus – noch drei Fragen: War der Angeklagte derart betrunken, dass er die Kontrolle über sein Verhalten derart verloren hat, dass er deshalb gar nicht genau wusste, was er tat? Warum schritten nicht schon früher Anwohner der Frankfurter Straße ein und bemerkten sie die fast tödlich endende Gewalttat nicht? Für eine weitere offene Frage versuchte der Vorsitzende Richter ebenfalls bei der Befragung der Zeugen eine Antwort zu finden: War der Angeklagte tatsächlich alleine oder gab es noch einen zweiten Beteiligten?

Bei der Befragung eines Anwohners am gestrigen Morgen vor dem Landgericht kam unter anderem die schlechte Ausleuchtung in der Frankfurter Straße zur Sprache. Seitdem dort im Vorjahr die alte Beleuchtungsanlage abmontiert und durch Straßenlaternen mit LED-Leuchten ersetzt wurde, seien die Sichtverhältnisse außerhalb des Lichtkegels der Laternen schlecht. So erzählt einer der vorgeladenen Zeugen, ein Anwohner aus der Frankfurter Straße, wie er und seine Ehefrau am frühen Morgen des 2. August 2016 von Schreien auf der Straße wach geworden seien. Er sei aufgestanden und habe nachgeschaut, was da auf der Straße los sei. Doch die Sicht auf die Straße sei zum einen durch den kleinen Fensterausschnitt im zweiten Stockwerk des Hauses, in der sich das Schlafzimmer des Zeugen befindet, eingeschränkt. Zum anderen sei es außerhalb der neuen LED-Laternenlichtkegels so dunkel, dass dort bei Dunkelheit nicht viel erkennbar sei. Er habe aber an dem Morgen einen Mann schreien „Hör auf, es reicht!“. Die Schreie auf der Straße wären von seinem Nachbar gewesen, wie er anhand der Stimme festgestellt habe, sagt der Zeuge. Ein zweiter Mann habe in typischer „Straßensprache“ gerufen: „Ich schlag dich tot“ und „Soll ich dich totschlagen?. Er habe zwei Männer gesehen, erklärt der Zeuge. Einer von ihnen sei auf der Straße gegangen, der andere sei weggelaufen in Richtung Kreuzung Breslauer-/Frankfurter Straße. Der Zeuge berichtet weiter, wie er dann die Notrufnummer 112 angerufen habe.

(meh)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse