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PR-Talent mit Marotten

Bernhard Grzimek brachte Afrika ins deutsche Wohnzimmer, gewann einen Oscar und sammelte Riesensummen für den Naturschutz. Vor 25 Jahren starb Grzimek in Frankfurt.
So kannten ihn Millionen: Bernhard Grzimek 1971 im TV-Studio mit der Gepardin Cheeta. So kannten ihn Millionen: Bernhard Grzimek 1971 im TV-Studio mit der Gepardin Cheeta.
Frankfurt. 

Wenn Christian Grzimek (52) seinen Namen nennt, wird er oft gefragt: "Ach, sind Sie verwandt?" Christians Großvater Bernhard Grzimek, der am 13. März 1987 starb, gehört auch 25 Jahre nach seinem Tod noch immer zu den bekanntesten Deutschen. Er gilt als Vorreiter für den internationalen Naturschutz. Mit seiner Fernsehsendung "Ein Platz für Tiere" brachte er seit den 1950er Jahren drei Jahrzehnte lang wilde Tiere in Nahaufnahme in deutsche Wohnzimmer. Alle waren gespannt, welches Tier aus dem Frankfurter Zoo ihn dieses Mal ins Studio begleitete.

Bernhard Grzimek wurde am 24. April 1909 im oberschlesischen Neiße geboren. Schon als Kind habe sein Großvater Hühner im Garten der Mietwohnung seiner Eltern gehalten, erzählt Christian. Über die Hühnerhaltung habe er als Schüler die ersten Bücher geschrieben, später wurde er Tierarzt und beschäftigte sich mit Verhaltensforschung. 1945 übernahm er in Frankfurt die Leitung des zerstörten Zoos, den er wieder aufbaute und berühmt machte. Damals seien 3,5 Millionen Besucher pro Jahr gekommen, berichtet Enkel Christian – viele, weil sie hofften, "vielleicht sieht man ihn mal".

Ein netter, harmloser Fernsehonkel war er aber nicht. Seine Popularität nutzte er geschickt für Kampagnen gegen das Robbenschlachten, die Jagd auf bedrohte Pelztiere oder die Käfighaltung von Hühnern. Gegen die Mode, Froschschenkel zu essen, ging er mit Aufklebern vor, die er in Restaurants auf die Speisekarten drückte. "Damit hat er sich nicht immer Freunde gemacht, es gab auch Lokalverbote", erinnert sich Enkel Christian.

Grzimek habe den Naturschutz in die Moderne geführt, sagt Manfred Niekisch, heute Direktor des Frankfurter Zoos. "Insbesondere aber hat er es verstanden, die damals neuen Massenmedien Film und Fernsehen für seine Zwecke zu nutzen." Grzimek sammelte viele Millionen für seine Projekte.

Für seinen 1959 entstandenen Film "Serengeti darf nicht sterben" erhielt Grzimek 1960 einen Oscar. Bei den Dreharbeiten kam Sohn Michael ums Leben – ein persönlicher Schicksalsschlag, den Grzimek nie verwand und an der seine Ehe mit Hildegard zerbrach, die er schon 1930 geheiratet hatte. 19 Jahre nach dem Tod seines Sohnes heiratete der inzwischen geschiedene Grzimek Michaels Witwe Erika. Biografin Sewig berichtet von zwei Kindern mit einer Geliebten.

Äußerlich immer seriös und korrekt gekleidet, liebte Grzimek Scherzartikel. Er legte Furzkissen und künstliche Hundehaufen aus und freute sich wie ein Kind, wenn er jemanden damit erschreckte. Während eines offiziellen Banketts in Simbabwe habe er in seine Jackentasche gegriffen und seiner Tischnachbarin eine lebendige Gottesanbeterin in den Ausschnitt gesteckt, berichtete sein Mitarbeiter und Nachfolger in Afrika, Markus Borner. Die Frau fiel in Ohnmacht. Verziehen wurde ihm immer, und noch heute wird er in Afrika verehrt.

Bei einem Zirkusbesuch brach Grzimek in Frankfurt am 13. März 1987 im Alter von 77 Jahren tot zusammen. Seinem Wunsch gemäß wurde die Urne mit seiner Asche neben dem Grab seines Sohnes Michael im Ngorongoro-Krater in Tansania beigesetzt. dpa

(dpa)
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