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Amtsgericht Höchst: Rabiater Zigaretten-Schnorrer lässt Wut am Auto aus

Ein Mann, der Autos auf der Straße stoppt, um Zigaretten zu schnorren, stand jetzt wegen eines Tritts an den Kotflügel vor Gericht. Der Richter zweifelte an seiner Zurechnungsfähigkeit.
Justitia. Symbolbild: dpa Justitia. Symbolbild: dpa
Sindlingen. 

Dass Zigarettengenuss süchtig macht, ist bekannt. Der Sindlinger (49), der sich vor dem Amtsgericht Höchst verantworten musste, bringt sich für seine Sucht noch in ganz andere Gefahr: Um Glimmstängel zu erschnorren, hält er gerne mal mit weit ausgebreiteten Armen Fahrzeuge auf der Straße an. „Man bekommt es schon mit der Angst zu tun, dass man ihn umfährt“, erzählt eine Nachbarin. Vor drei Jahren hatte sich der Mann bereits eine Verurteilung wegen Raubs im minderschweren Fall eingehandelt. Er habe einen Fußgänger geschubst und ihm kurzerhand ein Päckchen entwendet, so der Vorwurf. Zwei Zigaretten waren die schmale Beute.

Das aktuell angeklagte Vergehen soll sich am 24. März 2015 abgespielt haben. Kurz nach 11 Uhr habe er in der Hermann-Brill-Straße mal wieder Zigaretten erbettelt. Als die Passantin keine herausgerückt habe, habe er vor Wut gegen ihr Auto getreten und dabei einen Schaden von 1711,84 Euro verursacht. „Ich war das nicht“, streitet der Erwerbsunfähige im Gerichtssaal über seinen Dolmetscher aufgeregt ab. Konfrontiert mit Zeugenaussage und Lichtbildern der Beulen samt Fußabdruck, sagt er, er habe am Auto lediglich „Dreck von seinem Fuß abgestreift“.

Schnell wird klar, dass es um seine Psyche nicht gut bestellt ist. Er sei in Behandlung, nehme regelmäßig Tabletten, sagt sein Verteidiger und präsentiert Medikamente. Diese wirken Erregungszuständen entgegen, googelt der Richter. Als „sehr nervös“ beschreibt ihn auch ein Bekannter im Zeugenstand. Oft traue er sich nicht alleine aus dem Haus. Schwierig gestaltet sich die Befragung der Zeugin, die den Tritt gesehen haben will. Immer wieder missversteht sie, was der Richter von ihr will. Die neben herlaufende Dauerübersetzung in die Sprache des Angeklagten macht die Kommunikation nicht leichter. Von der Küche aus habe sie den Vorfall gesehen, erzählt sie schließlich. Allerdings nicht den Tritt, sondern nur die Bewegung in Richtung Auto. Der direkte Blick auf den Fuß sei ihr versperrt gewesen. Sie wisse aber aus eigener Erfahrung, dass der Angeklagte auch in anderen Fällen seine Wut an Fahrzeugen ausgelassen habe.

Für den Richter steht eher die Zurechnungsfähigkeit des 49-Jährigen infrage. Im Grunde sei eine psychologische Begutachtung angebracht. Weil die aber sehr teuer sei und es schwer sei, Termine zu bekommen, entscheidet er im Einvernehmen mit Amtsanwalt und Verteidiger, das Verfahren vorerst noch mal einzustellen. Erst wenn erneut etwas vorfalle, wolle man einen Gutachter einschalten. Der Angeklagte ist erleichtert. Dankbar verbeugt er sich vor dem Richterpult. Er habe sich nicht ganz richtig verhalten, lässt er den Dolmetscher sagen. So etwas wolle er nicht noch einmal machen.

(juwi)
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