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Liederbacher Künstlerin thematisiert Radar-„Abzocke“: Riebel eckt mit Blitzlicht an

Tiny Riebel will mit ihren 79 Jahren durchaus auch politische Botschaften transportieren. Unterdessen hat auch der Ausschuss die Blitzer zum Thema gemacht.
Ein Geldsack, eine Schornstein, der aussieht wie ein Blitzer, und eine Hinweistafel: Das ist Tiny Riebels Installation. Foto: Knapp Ein Geldsack, eine Schornstein, der aussieht wie ein Blitzer, und eine Hinweistafel: Das ist Tiny Riebels Installation.
Liederbach. 

An einem Werk der aktuellen Jahresausstellung der „Heimspiel“-Künstlergruppe, die noch bis zum 11. Dezember zu den Öffnungszeiten der Verwaltung und am Sonntag noch einmal von 15 bis 18 Uhr im Rathaus zu sehen ist, scheiden sich die Geister: Die Installation von Tiny Riebel im Obergeschoss hat zwar keinen Titel. Ihre Botschaft wird beim Hinschauen aber schnell klar. Es geht um die „Blitzerabzocke“, gegen die eine Bürgerinitiative mit gleichem Namen mit einer Online-Petition schon seit drei Jahren Stimmung macht gegen Blitzer-Firmen. So wie das Unternehmen Vetro aus Wismar, das seit dem Sommer im Auftrag der Vortaunus-Gemeinde Rasern zu Leibe rückt und dabei selbst ganz gut kassiert.

„Gemeindesäcke“

Der Künstlerin geht es aber vorrangig gar nicht mal um Liederbach, sondern darum, ganz allgemein die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Trotzdem war Bürgermeisterin Eva Söllner bei der Eröffnung der Ausstellung sichtlich verärgert über Tiny Riebels Installation, die aus einem Jutesack mit der doppeldeutigen Aufschrift „Gemeindesäcke“ besteht und aus einem Schornstein, durch den das Geld bekanntlich laut einem Sprichwort hinausgejagt wird bei leichtfertigen Ausgaben. „Wenn Bedarf besteht, hier politische Kunst zu zeigen, kann man mit mir reden“, hatte Eva Söllner zwar bei der Vernissage betont und die in Riebels Installation widergespiegelten Ansichten als „einseitig“ bezeichnet. „Das ist wirklich keine Kunst, und das gehört hier nicht her“, war aber auch von anderen Besuchern bei der Ausstellungseröffnung zu hören gewesen.

Kritik und Zuspruch

Tiny Riebel nimmt die Kritik gelassen. Denn sie habe in den vergangenen Wochen auch positive Reaktionen auf ihre „Blitzerabzocke“-Installation bekommen, betont sie. „Denn viele schimpfen über diese Abzocke“, weiß die 79 Jahre alte Künstlerin. Deshalb habe sie ihr Werk mit der provokanten Frage, ob Städte und Gemeinden mit den Einnahmen aus den Radarfallen ihre Haushalte sanieren, auch ganz bewusst noch mit Zusatzinfos über die Bürgerinitiative ergänzt. Ihr tue es aber leid, dass das alles bei der Bürgermeisterin in den falschen Hals gelangt sei, sagt Tiny Riebel dem Kreisblatt.

„Wenn sich immer mehr solcher Firmen den Gemeinden andienen, dient das aber nicht der Verkehrssicherheit, weil die eben nur in die eigene Tasche wirtschaften. Darauf will ich aufmerksam machen und Denkanstöße geben“, betont die Künstlerin, die dabei auch die Misstöne bei der Vernissage in Kauf genommen hat. Aber selbst mit ihren 79 Jahren habe sie immer noch den Anspruch, in ihren Werken auch noch politische Aspekte mit zu verarbeiten. „Ich nehme es mit Humor, und das sollten alle tun“, meint Tiny Riebel.

Den Gemeindevertretern im Haupt- und Finanzausschuss war dann aber vergangenen Donnerstag nicht gerade nach Lachen zumute, als sie in der vergangenen Woche Position für Position im Haushaltsplanentwurf unter die Lupe nahmen. Sie waren auf der Suche nach weiteren Einsparpotenzialen oder Einnahmesteigerungen, auch wenn die geplante nächste Grundsteuererhöhung parteiübergreifend abgelehnt wird. Und da waren auch die Blitzer ein Thema: Für heiße Diskussionen hat aber der FWG-Vorstoß gesorgt, die mit 190 000 und 200 000 Euro relativ hoch angesetzten Erträge aus Bußgeldern und Verwarnungen in den nächsten beiden Jahren herabzusetzen. Denn die Freien Wähler verweisen auf den bereits eingesetzten Erziehungseffekt durch die wirkungsvollen stationären Blitzer auf der Limesspange in Höhe der Heidesiedlung. Damit konnten sich die Freien Wähler aber nicht durchsetzen. Deshalb bleibt es bei den hohen Ansätzen, denen Ausgaben für die Fallpauschalen für die Blitzerfirma in Höhe von 135 000 und 140 000 Euro für 2016 und 2017 gegenüberstehen. Damit hätte Söllner aber immerhin noch ein Plus von mindestens rund 60 000 Euro im Gemeindesäckel jährlich. Es zeichnet sich aber jetzt schon ab, dass nach nur wenigen Monaten der Zusammenarbeit mit der Firma Vetro zumindest für dieses Jahr die Einnahmen aus den Radarfallen deutlich über der Marke von 60 000 Euro liegen werden.

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